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"Machen die Liga schneller" Eishockey-Nachwuchs verdrängt Altstars

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John Jason Peterka spielt für München.

(Foto: imago images / Pius Koller)

In der vergangenen Saison sorgt Eishockey-Jungstar Moritz Seider für Furore - und kämpft nun promt in der amerikanischen NHL um einen Platz im Kader. Nun heißen die frischen DEL-Spieler John Jason Peterka und Lukas Reichel. Die Teams müssen Youngster einsetzen, doch das geht zu Lasten der Altgedienten.

Moritz Seider begeisterte in der vergangenen Saison nicht nur die deutschen Fans, sondern auch die NHL-Scouts. Jetzt kämpft der Teenager bei den Detroit Red Wings um einen Platz im Kader. In Mannheim geht inzwischen der nächste Hochbegabte aufs Eis: Stürmer Tim Stützle - einer von drei 17-Jährigen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Die DEL entdeckt derzeit die Jugend. "Junge Spieler in die Liga zu bringen, ist ein Muss", sagt Manager Christian Winkler vom deutschen Vizemeister Red Bull München: "Sie machen die Liga schneller." Das Argument, das Niveau sinke dadurch, lässt der 48-Jährige nicht gelten: "Da bekomme ich Atemnot."

Zur neuen Saison steigt die Zahl der Jungprofis. Denn jeder Klub muss jetzt zwei deutsche Feldspieler unter 23 Jahren auf den Spielbericht setzen. Wer mit drei Abwehr- und vier Sturmreihen agieren will, muss eines der Talente auch durchgängig einsetzen. "Ich finde es richtig, dass die Jungen ins kalte Wasser geschmissen werden", sagt Münchens Stürmer Maximilian Kastner, "sie setzen ihre Akzente".

Peterka und Reichel machen Druck

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Im Eishockey gilt: Wer unter 18 ist, muss das Schutzgitter am Helm tragen - so wie Lukas Reichel.

(Foto: imago images / GEPA pictures)

So wie Verteidiger Seider, der in seinem ersten DEL-Jahr mit den Mannheimer Adlern sofort den Titel gewann, bei der WM im Nationalteam glänzte und prompt von Detroit beim NHL-Draft als sechster Spieler ausgewählt wurde. Einen ähnlichen Weg trauen Experten dem 17-jährigen Stützle zu, der als talentiertester deutscher Stürmer seit NHL-Star Leon Draisaitl gilt.

Auch die Münchner haben mit dem gleichaltrigen John Jason Peterka aus der Red-Bull-Akademie einen Hochbegabten in ihren Reihen. In Berlin muss Lukas Reichel das Schutzgitter am Helm tragen - so wie es in den Eishockey-Regeln für Unter-18-Jährige vorgeschrieben ist. "Denen musst du Platz machen. Es hilft nicht, sie nur im Kader zu haben", sagt Winkler. Die neue U23-Regel hält er für wichtig, "dadurch sehen wir, dass sie in der Liga spielen können".

Jüngere verdrängen Ältere

Die verstärkten Bemühungen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) im Nachwuchsbereich tragen Früchte, es kommen mehr talentierte Spieler nach als in der Vergangenheit. Die Kehrseite der Medaille: Durch die Verdoppelung der U23-Plätze verlieren ältere Deutsche ihre Jobs. "Ich kenne Spieler, die von der DEL in die DEL2 runtergegangen sind, weil sie einfach keinen Platz mehr gefunden haben", berichtet Kastner. Der Düsseldorfer Manuel Strobel beispielsweise heuerte mit 27 Jahren beim Zweitligisten Bad Nauheim an, der 30-jährige Berliner Martin Buchwieser wechselte in die DEL2 nach Frankfurt.

"Einige Jungs, die auf DEL-Niveau gut gespielt haben, müssen die Liga verlassen, weil kein Platz mehr da ist, weil sie ein paar Euro mehr kosten", klagt DEL-Rekordtorjäger Patrick Reimer von den Nürnberg Ice Tigers. Weil die Zahl der Ausländer nicht gleichzeitig reduziert wurde, fällt in der Regel ein deutscher Spieler durchs Rost. "Die würden ihren Job nicht verlieren, wenn sie den gleichen Preis aufrufen würden wie der neunte Kontingentspieler", meint DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Allerdings spielt der schwächste Ausländer in den meisten Klubs zum Billigtarif, weil er anderswo keinen Vertrag bekommen hat und für einen besser bezahlten Job vorspielen will - oder weil er zum Karriereende noch mal Europa sehen will. Reimer, der bereits 36 Jahre alt ist, wünscht sich eine andere Lösung: "Wir müssen auf jeden Fall schauen, dass wir besser früher als später mit den Kontingentstellen runtergehen."

Quelle: n-tv.de, Thomas Lipinski, sid

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