Fußball-WM 2019

Spanien fordert DFB-Team bei WM "Marozsán ist die beste Spielerin der Welt"

Das deutsche Leid ist der Spanierinnen Hoffnung: Durch die Verletzung von Dzsenifer Marozsán fällt die "beste Spielerin der Welt" im Duell bei der Fußball-WM aus, sagt die spanische Sportjournalistin Lucía Santiago im Interview mit n-tv.de. Nachdem beide Teams zu Beginn des Turniers gewinnen konnten, geht es heute Abend in Valenciennes um die Vormachtstellung in Gruppe B (ab 18 Uhr bei ZDF und im Liveticker bei n-tv.de). Spanien hat dabei vermutlich weniger Druck, glaubt die Journalistin der spanischen Nachrichtenagentur EFE, denn die Auswahl von Trainer Jorge Vilda hat ihr erstes Ziel bereits erreicht: Den ersten Sieg überhaupt bei einer WM. Zudem erklärt Santiago, warum sie so stolz auf ihr Land ist und wer Spaniens Schlüsselspielerin ist.

n-tv.de: Die Spanierinnen sind zum zweiten Mal bei einer Fußball-Weltmeisterschaft dabei. Was haben sie sich vorgenommen?

Lucía Santiago: Die U17 und die U19 gewinnen derzeit fast alles. Sie sind Europameisterinnen, sie sind Weltmeisterinnen. Und das Nationalteam will jetzt auch ein gutes Ergebnis erzielen. Vor vier Jahren in Kanada ist das noch nicht gelungen. (Damals schieden sie nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden als Gruppenletzte aus, Anm.d.Red.)

Wie ist das Team ins Turnier gestartet?

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Lucia Santiago arbeitet für die spanische Nachrichtenagentur EFE. Vor vier Jahren war sie noch mit drei Kollegen bei der WM, jetzt ist das Interesse explodiert.

(Foto: Anja Rau)

Der Auftakt gegen Südafrika war schwierig. Die Spielerinnen waren nervös, sie hatten viel Druck, weil sie unbedingt ihr erstes Spiel gewinnen wollten. Das ist historisch für Spanien! Jetzt haben sie keinen Druck mehr, sie versuchen gegen Deutschland zu gewinnen. Ich glaube, das ist ein guter Zeitpunkt für die Mannschaft, weil viele junge Spielerinnen hier in Frankreich dabei sind. Sie haben keine Angst. Sie glauben daran, dass sie wiederholen können, was sie mit den Juniorennationalteams erreicht haben. Für Spanien ist es ein Erfolg, bei der WM dabei zu sein. Es wäre ein noch größerer Erfolg, in die nächste Runde einzuziehen.

Sie sagen, der Auftakt war trotz des 3:1 gegen Südafrika noch nicht perfekt. Da geht es den Deutschen genauso. Haben die Spanierinnen dennoch viel Respekt vor dem Spiel?

Ich denke, dass Deutschland vor dem Duell viel mehr Druck verspürt. Und ich glaube, dass Spanien besser spielen wird als gegen Südafrika, weil mit dem ersten Sieg schon viel Druck abgefallen ist.

Wie hat das spanische Team darauf reagiert, dass Deutschlands Star Dzsenifer Marozsán nicht dabei sein kann? Ist es glücklich darüber?

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DFB-Star Dzsenifer Marozsán fällt wegen eines Zehenbruchs für den Rest der WM-Vorrunde aus.

(Foto: imago images / Jan Huebner)

Für mich ist Marozsán die beste Spielerin der Welt. Ich liebe, wie sie bei Olympique Lyon und in der Nationalmannschaft spielt. Sie könnte die beste Spielerin des Turniers werden und ich glaube, ihre Verletzung ist ein großer Verlust für Deutschland. Das sollte positiv für Spanien sein - sie hat ja auch im Champions-League-Finale gegen den FC Barcelona das erste Tor geschossen. Aber die Spielerinnen haben so viel Respekt vor dem deutschen Team, weil es so viele Titel gewonnen hat. Dennoch, der Ausfall von Dzseni macht es leichter, vor allem für die Defensive.

Auf welche Spielerin muss man bei den Spanierinnen achten?

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Die 29-jährige Jennifer Hermoso ist Spaniens Stärkste, sagt Santiago.

(Foto: imago images / PA Images)

Auf Jennifer Hermoso, die Nummer zehn. Sie ist so talentiert. Sie spielt als Torjägerin in der Nationalmannschaft, aber sie agiert auch gern mit den anderen zusammen im Spielaufbau. Sie hat ein gutes Spielverständnis, sie will immer den Ball haben. Sie spielt jetzt für Atlético Madrid und war vergangene Saison bei Paris Saint-Germain. Sie hat ein sehr gutes Level, aber mental ist sie vermutlich noch nicht ganz so stark wie die deutschen Spielerinnen. 

Frauenfußball boomt in Spanien. Erst kürzlich sahen mehr als 60.000 Zuschauer das Ligaspiel zwischen Atlético Madrid und dem FC Barcelona. Wie ist es, diese Entwicklung mitzuerleben?

Als ich am Tag des Spiels im Stadion ankam, dachte ich: Wow, was passiert hier? Ich bin sehr glücklich, weil ich merke, dass mein Land seine Mentalität ändert. Vor ein paar Jahren noch kam niemand ins Stadion, um Frauen Fußball spielen zu sehen. Vielleicht noch die Familien, Freunde und Lebenspartner. Und nun ist jeder, der Fan von Barcelona, Atlético Madrid oder Bilbao ist, auch Fan der Frauenteams. Sie gehen zu den Spielen der Männer und Frauen. Und Spanien ist auf dem Weg an die Spitze des Fußballs. Diese Entwicklung passiert nicht nur beim Fußball, das ist auch beim Basketball, Tennis oder Handball so. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro haben die Frauen mehr Medaillen gewonnen - und das hat vieles verändert. Auch die Medien unterstützen die Frauen jetzt.

Macht sich das auch bei dieser WM bemerkbar?

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Das Team von Trainer Jorge Vilda kann gegen Deutschland ganz befreit aufspielen, sagt Sportjournalistin Lucia Santiago.

(Foto: imago images / Agencia EFE)

Ja, vor vier Jahren in Kanada waren wir vier spanische Journalisten. Jetzt sind wir eine ganze Menge. Es wird im Fernsehen berichtet, die Zeitungen bringen die WM auf Seite eins. Das ist ein großartiger Wandel.

Wie geht das Spiel aus?

Deutschland ist der Favorit. Aber die Trainerin ist neu, sie haben ein neues Team und jetzt fällt auch noch Marozsán aus. Ich möchte einfach eine gute Leistung der Spanierinnen sehen. Sie müssen an sich selbst glauben, sie müssen als Team spielen. Aber vor allem Deutschlands Konter sind stark und sie haben die bessere Spielstrategie. Spanien leidet bei schnellen Angriffen, sie haben lieber selbst den Ball. Also mal sehen, was passiert.

Mit Lucia Santiago sprach Anja Rau

Quelle: n-tv.de

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