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Ankündigung zum DFB-Beben Hoeneß' Schweigen wirkt wie eine Drohung

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Überlegt noch, was er zum Aus von Boateng, Hummels und Müller in der DFB-Elf sagen soll: Bayern-Boss Uli Hoeneß.

(Foto: www.imago-images.de)

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Uli Hoeneß etwas zum Rauswurf von Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller aus der DFB-Elf sagt. Das hat der Präsident des FC Bayern nun verkündet. Er begibt sich damit auf gefährlich dünnes Eis.

Der FC Bayern beschwert sich darüber, wie und wann Bundestrainer Joachim Löw die Spieler Jérôme Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller aus der Fußball-Nationalelf verabschiedet hat. Schlechter Stil sei das und ein "unsäglicher Zeitpunkt". Und genau in diese Diskussion platzt Uli Hoeneß mit der Ankündigung, ebenfalls noch ausführlich etwas sagen zu wollen. Später. "Ich habe mich bisher nicht geäußert, und das werde ich noch einige Wochen durchhalten, bis unsere wichtigen Spiele vorbei sind. Dann wird es schon noch einen Kommentar geben", sagte der Klubpräsident der Münchner.

Die richtige Antwort auf Löws Entscheidung müsse er sich indes noch überlegen. Die Serie der wichtigen Spiele, von denen Hoeneß spricht, beginnt am Samstag mit der Partie gegen den VfL Wolfsburg (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de). Danach geht's am Mittwoch ab 21 Uhr in der Allianz-Arena gegen den FC Liverpool um den Einzug ins Viertelfinale der Champions League. In der Bundesliga warten zu Hause am 17. März der FSV Mainz 05 und auswärts der SC Freiburg am 30. März, ehe es am Samstag, 6. April, ab 18.30 Uhr zum Kracher gegen Noch-Ligaprimus Borussia Dortmund kommt. Zuvor versuchen Trainer Niko Kovac und seine Mannschaft noch, am 3. April gegen den Zweitligisten aus Heidenheim ins Halbfinale des DFB-Pokals einzuziehen.

Kurzschlüsse kann er ja

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Im Kreuzfeuer der Kritik - vor allem aus München: Bundestrainer Joachim Löw.

(Foto: imago/Eibner)

So lange könnte sich der impulsive Bayern-Boss also in Zurückhaltung üben. Allerdings darf schon jetzt spekuliert werden, in welche Richtung Hoeneß argumentieren wird. Wird seine Aussage eine Generalabrechnung? Holt er zum Rundumschlag aus und keilt gegen Bundestrainer Löw und seine Entscheidung? Und wird er den Zeitpunkt seiner Äußerung mit Bedacht und Respekt wählen?

Rein moralisch ist er in der Pflicht, seinem Statement keinen Kurzschluss voranzustellen. Dass Hoeneß Kurzschlüsse kann, hat er mehr als einmal bewiesen. Nur muss er sich dieses Mal an den Worten von seinem Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge orientieren. Die Kunst ist es also, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Tatsächlich ist dieser längst vorüber. Dass er Löw im Nachsatz seiner Ankündigung sogar ein wenig in Schutz nimmt, wirkt zudem irgendwie überraschend: "Da sind sicherlich einige Dinge nicht so gut gelaufen, deswegen können wir aber nicht den Stab über Jogi Löw brechen."

Das Fass der Ausbootung in "einigen Wochen" wieder aufzumachen, wirkt schon jetzt nicht sonderlich stilvoll. Wenn Hoeneß wirklich so sehr unter den Nägeln brennt, die Aussagen seiner Spieler und Vorstandskollegen um eine weitere Schimpftirade zu ergänzen, täte er gut daran, sich nicht in Schweigen zu hüllen und mit seiner Ankündigung weitere Unruhe im bajuwarischen Mikrokosmos zu sorgen.

Die Reaktionen der rasierten Spieler

De facto ist nach dem Rausschmiss des Trios aus der DFB-Elf alles gesagt. Boateng äußerte sich in seinem ersten Statement merklich geknickt. Ob bei ihm noch ein weiteres folgt, bleibt abzuwarten. Hummels sprach von einer "schwer nachvollziehbaren sportlichen Entscheidung", blieb aber ebenfalls fair. Auch wenn ihn die Situation "alles andere als kalt lässt". Müller dagegen hat in seinem Twitter-Video das oberbayerische Rumpelstilzchen ausgepackt und darf sich jetzt wieder voll und ganz auf seinen Job konzentrieren.

Das sieht auch Trainer Kovac so, der fest daran glaubt, dass Boateng, Hummels und Müller nun stärker spielen werden als je zuvor. "Die Gegenwart und die Zukunft kann man beeinflussen, und die heißt FC Bayern München. Das sind alles Profis, tolle Charaktere und tolle Spieler, die in ihrer Laufbahn schon allzu oft bewiesen haben: Wenn der Druck und die Erwartungshaltung sehr groß sind, dann sind sie zu Höchstleistungen im Stande."

Was so viel heißt, wie: Es wurde alles gesagt, jetzt spielt wieder Fußball!

Quelle: n-tv.de

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