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"Thomas Bach is a nature killer" IOC spürt das Reizklima in Rio deutlich

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Die Botschaft an IOC-Präsident Thomas Bach war eindeutig.

AP

Die ökologische Hinterlassenschaft der kommenden Sommerspiele 2016 ist zentrales Thema zum Abschluss der großen Olympia-Inspektionstour in Rio de Janeiro. Das gilt umso mehr, da Umweltaktivisten IOC-Präsident Thomas Bach als "Mörder" beschimpfen.

Ob vor der Medienschar oder auf einer Uni-Veranstaltung, Thomas Bach nahm den Konfliktthemen gekonnt die Sprengkraft. Doch am Ende der mehrtägigen Inspektionstour des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Rio de Janeiro, im nächsten Jahr Gastgeber der Sommerspiele, stieß der IOC-Chef ausgerechnet tief unten beim Fußvolk auf taube Ohren.

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Der olympische Golfplatz entsteht in einem Landschaftsschutzgebiet.

(Foto: REUTERS)

Etwa 20 Demonstranten hatten sich vor dem Windsor Atlantica, dem Hotelturm an der Einfahrt zum berühmten Copacabana-Strand, versammelt, um lautstark, aber auch chaotisch gegen die Umweltsünden der Spiele 2016 zu protestieren. Vor allem gegen den Bau des Golfplatzes im Landschaftsschutzgebiet Marapendi und die Baum-Rodung im Hafen Marina da Glória, wo die Segel-Wettbewerbe stattfinden.

"Thomas Bach is a nature killer", der IOC-Präsident als Naturzerstörer, stand auf einem Plakat zu lesen. "Umwelt-Holocaust" auf einem anderen. Der Tauberbischofsheimer durchbrach trotz Warnung der Polizei das Sicherheits-Kordon und suchte den Dialog. Die Antwort kam als Stimmengewirr, aber immerhin eindeutig: "Assassino" (Mörder), "COI, go home" (IOC, hau ab).

Beim IOC schrillen die Alarmglocken

Ein letzter Appell ("Wollt ihr mit mir sprechen?") verpuffte, dann drehte der Fecht-Olympiasieger von 1976 ab und verschwand mit gequältem Lächeln im bereitstehenden Mini-Bus. Ein Zwischenfall, der eher als Tat einiger Wirrköpfe einzustufen ist, aber beim IOC wegen der Massendemonstrationen im Vorfeld der Fußball-WM an gleicher Stätte längst die Alarmglocken schrillen lässt. Und so nutzte Bach die Abschluss-Pressekonferenz zu Stellungnahmen bezüglich Umweltschutz.

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IOC-Boss Bach sieht die Spiele auf einem nachhaltigen Weg.

(Foto: REUTERS)

Das Golfgrün würde entgegen anders lautender Meldungen nicht mit Trinkwasser, sondern aus rückgewonnenem Wasser täglich besprenkelt. Außerdem werde der Platz mit privaten Geldern und nicht mit öffentlichen Mitteln finanziert. Auch die Verschmutzung der Guanabara-Bucht, wo gesegelt wird, sprach der 61-Jährige an. "Heute sind schon 50 Prozent der eingeleiteten Abwasser behandelt", hob Bach hervor. Ob die angestrebten 80 Prozent erreicht werden, "darüber kann ich nicht spekulieren", ergänzte der IOC-Chef ausweichend.

"Haben keine Zeit zu verlieren"

Während der Tour hatten sich der Olympia-Boss und seine Crew Gehör bei den lokalen Organisatoren verschafft. "Wir haben keine Zeit zu verlieren", warnte Bach angesichts des Countdowns bis zum Start der Sommerspiele am 5. August 2016, bekannte dennoch: "Wir sind zuversichtlich, dass die Arbeit gemacht wird." Problemkinder sind heute neben dem Golfplatz und dem Segel-Revier hauptsächlich das Bahnrad-Stadion und der Geländekurs der Military-Reiter. Mit Rios Bürgermeister Eduardo Paes habe Bach deshalb eine Wette laufen, dass er am Tag der Eröffnungsfeier noch Arbeiter persönlich an den Baustellen begrüßen könne. "Diese Wette will ich aber lieber verlieren", gestand der Deutsche.

Bach blickte auch über 2016 hinaus. Die von der Fifa angestrebte Verlegung der Fußball-WM in Katar auf Ende 2022, und nicht wie auch angedacht auf Anfang des Jahres in Konkurrenz zu den dann stattfindenden Winterspielen, begrüßte er als "logische Entscheidung".

Quelle: n-tv.de, cwo/sid

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