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"Perfide" Sperre für Calhanoglu Leverkusen tobt, Trabzonspor spottet

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Er ist bedient: Hakan Calhanoglu darf vier Monate lang keinen Fußball spielen.

(Foto: imago/Eibner)

Die Saison für Hakan Calhanoglu ist nach der Cas-Sperre beendet, das Urteil schlägt aber weiter hohe Wellen. Während sich sein Klub über bürokratische Gründe echauffiert und Calhanoglu jammert, sieht der türkische Verein ein Exempel statuiert.

Bayer Leverkusen hat den Internationalen Sportgerichtshof Cas attackiert und den Vorwurf erhoben, das Urteil im Fall Hakan Calhanoglu verspätet bekannt gemacht zu haben. "Besonders perfide ist, dass mit der Verkündung des Urteils gewartet wurde, bis das Transferfenster geschlossen war", sagte Vereinschef Michael Schade.

Bayer habe die Information gehabt, dass das Cas-Urteil schon Tage vorher gefällt worden sei, aber aus bürokratischen Gründen nicht unmittelbar veröffentlicht wurde. "Theoretisch hätten wir noch einen Spieler verpflichten können", meinte Schade. Die Wechselfrist für die Fußball-Bundesligaclubs war am vergangenen Dienstag zu Ende gegangen.

"Alle sind etwas entsetzt"

Zwei Tage später hatte der Cas verkündet, dass Calhanoglu ab sofort wegen einer sechs Jahre zurückliegenden Vertragsverletzung für vier Monate gesperrt ist Der Deutsch-Türke hatte 2011 als 17-Jähriger einen Vertrag bei Trabzonspor unterschrieben, jedoch dann beim Karlsruher SC verlängert. Danach wechselte er zum HSV. Seit 2014 spielt Calhanoglu in Leverkusen.

"Alle sind etwas entsetzt. Wir haben mit dieser Strafe nicht gerechnet, sie ist unfair", betonte Schade. Bayer 04 hätte schließlich überhaupt nichts mit dem Fall zu tun. "Ich finde, dass bei dem Urteil die Verhältnismäßigkeit nicht gewahrt wurde", sagte Schade und spricht von einem unglaublichen wirtschaftlichen Schaden. "Hakans Marktwert wird dadurch gesenkt, wenn er nicht spielen darf." Mit Galgenhumor fügte Schade an: "Immerhin hat der Cas den HSV-Fans ihr Feindbild genommen."

Schuld auch bei Trabzonspor?

Calhanoglu ist untröstlich. "Es fällt mir schwer zu verstehen, weshalb ich unter diesen Umständen für etwas, was vor mittlerweile sechs Jahren geschehen ist, als ich noch minderjährig war, für einen solch langen Zeitraum meinem Beruf und meiner Leidenschaft, dem Fußball spielen, nicht mehr nachgehen darf", schreibt er in einer Erklärung auf Facebook und Twitter. Zumal nach seiner Ansicht "der Vertrag mit Trabzonspor unter Umständen und zu Konditionen zustande kam, durch die auch Trabzonspor gegen mehrere Transferregeln der Fifa verstieß".

"Die Strafe für Hakan Calhanoglu ist sehr mild ausgefallen. Vor allem die Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro", twitterte Trabzonspor-Vize-Präsident Nevzat Aydin. Der Verein hatte eine Million Euro Entschädigung gefordert. "Du unterschreibst bei Trabzonspor, nimmst das Geld und verschwindest!", spottet Aydin: "Als wir dann unser Recht suchen, heißt es auf einmal: Aber er ist Nationalspieler."

Angebotene Einigung verweigert

Der damalige Vize-Präsident des türkischen Clubs, Nevzat Sakar, nimmt den heute 22 Jahre alten Bayer-Profi allerdings in Schutz. "Wir hatten einen guten Vertrag geschlossen, doch ein 17-jähriger Jugendlicher wurde von seinem Vater und seinem Berater in die falsche Richtung gelenkt. Den Jungen trifft keine Schuld." Der Cas-Spruch sei aber wichtig, weil er "für alle jungen Fußballer ein Negativbeispiel" darstelle.

Auf seiner Homepage teilte Trabzonspor mit, die "Calhanoglu-Seite" habe "den Handschlag, den wir für eine Einigung angeboten haben, verweigert". Nur deshalb sei es zur Klage beim Weltverband Fifa wegen Vertragsbruchs gekommen. Dass Calhanoglu auch für die Länderspiele ausfällt, sei laut Sakar bedauernswert, aber nicht absehbar gewesen. Dass der Fall so lange dauert, ein solches Ausmaß nimmt und die Nationalmannschaft dadurch Schaden nimmt, hätte niemand wissen können", sagte er.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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