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Deutsches Toptalent im NHL-Draft Moritz Seider - die coole Defensivkante

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Bei der Eishockey-WM erzielte Moritz Seider als Verteidiger zwei Tore.

(Foto: dpa)

In Erfurt lernt Moritz Seider das Eishockeyspielen. In Mannheim reift er zu Deutschlands größtem Talent. Und in Vancouver wird der 18-jährige Verteidiger nun beim NHL-Draft einen Verein in der besten Eishockeyliga der Welt finden - und Geschichte schreiben.

Moritz Seider ist erst 18 Jahre. Dennoch dürfte er deutsche Eishockey-Geschichte schreiben. Ach was, vergessen wir den Konjunktiv. Dieser Moritz Seider wird deutsche Eishockey-Geschichte schreiben. Denn an ihm wird einfach kein Weg vorbeiführen. Wenn in Vancouver Nordamerikas Profiliga NHL in den kommenden beiden Nächten die größten Nachwuchstalente auf ihre 31 Teams verteilt, schließt Seider die letzte deutsche Lücke.

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Für den 18-jährigen Seider wird der NHL-Draft die Krönung einer grandiosen Saison, in der er mit Mannheim Meister wurde und mit Deutschland eine starke WM spielte.

(Foto: dpa)

Er wird als erster Verteidiger aus "Good old Germany" in der ersten von maximal sieben Runden gedraftet - also von einem Klub ausgewählt - werden, lediglich die genaue Position ist noch unklar. Vorab baten ihn 29 von 31 Teams zum Interview, Experten sehen Seider zwischen Nummer 10 und 15 und damit unter den begehrtesten Talenten. Ganz vorne werden mit dem US-Amerikaner Jack Hughes und Kaapo Kakko aus Finnland zwei Stürmer gehandelt.

"Manchmal muss man sich schon ein bisschen kneifen, um zu realisieren, was hier gerade alles passiert", sagte Seider vor seinem Abflug dem Südwestfunk. Zusammen mit seinen Eltern war der Abwehrspieler des Deutsches Meisters, Adler Mannheim, am Mittwoch nach Vancouver gereist. In der dortigen Rogers Arena, der Heimspielstätte der Vancouver Canucks, wird er heute Nacht erfahren, bei welchem NHL-Klub seine nähere Zukunft liegt.

Vom Schnupperkurs zum "Rookie des Jahres"

Und mit ihm wird dann erstmals ein Spieler aus den fünf neuen Bundesländern einen NHL-Vertrag haben. Seider machte in Erfurt seine ersten Schlittschuh-Schritte - und zwar eher zufällig. Als Fünfjähriger besuchte er einen Eishockey-Schnupperkurs und war sofort angetan. Der EHC Erfurt wurde seine erste Station. Hier spielte er als Zwölfjähriger bereits gegen einige Jahre Ältere. Mit 14 wechselte Seider dann in die Nachwuchsabteilung der Mannheimer Adler, wo unter anderem auch Leon Draisaitl einst wichtige Jugendjahre verbrachte.

In Mannheim setzte Seider seine Karriere auf der Überholspur fort. Obwohl erst 14 Jahre alt, spielte er bereits in der U16 und ein Jahr später schon in der U19. Im April 2018, Seider war gerade 17 Jahre alt geworden, unterschrieb das Teenager-Talent seinen ersten Profivertrag und debütierte in der Deutschen Eishockey-Liga. In dieser Saison war er bereits Leistungsträger, wurde mit Mannheim Deutscher Meister, zudem zum "Rookie des Jahres" gewählt und spielte im Mai in der Slowakei seine erste Weltmeisterschaft im Herrenbereich. "Man wird viel schneller erwachsen, wenn man mit Älteren zusammenspielt und Zeit verbringt", betont Seider. Trotz seiner jungen Jahre hat er bereits eine reife Spielweise, gesundes Selbstbewusstsein - und mit seinen 1,92 Meter sowie 94 Kilogramm Körpergewicht imposante Maße. "Ich denke, da passe ich ganz gut ins professionelle Eishockey rein", sagt Seider.

"Drahtig, athletisch, cool und abgeklärt"

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Die NHL-Talentespäher, die ihn sowohl in der DEL-Saison, als auch bei der U20-WM sowie der A-WM beobachteten, vermerkten in ihren Scouting-Bögen vor allem Seiders physische Spielweise, seine Größe und seine läuferischen Qualitäten. "Er ist drahtig, athletisch und spielt bereits richtig cool und abgeklärt", sagt Nationalmannschaftskollege Yannic Seidenberg, der mit seinen 35 Jahren fast doppelt so alt ist.

Trotz der vielen Komplimente ist Seider - und das ist eine weitere Qualität, die nicht jeder in seinem Alter hat - bodenständig. "Der Moritz ist total geerdet. Er weiß genau, um was es geht, wo er steht und wo er hinwill", sagt Franz Reindl im Gespräch mit n-tv.de. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes hatte Seider bei der WM im Mai in der Slowakei gesehen. Der Abwehrmann schoss im ersten Turnierspiel gegen Großbritannien Deutschlands erstes Turniertor. Und er spielte keineswegs wie ein nervöser Teenager, sondern war eine feste, zuverlässige Größe in der deutschen Defensive. Reindls Resümee: "Ein herausragender Spieler."

Fingerzeig Development Camp

Deutschland hatte mit Olaf Kölzig einen NHL-Torhüter, der in der ersten Runde gedrafted wurde (1989). Und Deutschland hatte mit Marco Sturm (1996), Marcel Goc (2001), Leon Draisaitl (2014) und Dominik Bokk (2018) auch vier Stürmer, die in der Auftaktrunde ein NHL-Team fanden. Heute Nacht wird Deutschland mit Moritz Seider auch endlich einen Erstrunden-Verteidiger haben. Allerdings ist noch offen, ob er dann auch gleich im Herbst zum NHL-Kader seines neuen Teams gehört. Einen ersten Hinweis dürfte bereits das Development Camp geben. Bei diesem Trainingslager arbeiten die gedrafteten Talente im Sommer erstmals unter Anweisung ihres NHL-Trainerstabes.

Seiders Vorteil könnte sein, dass er in Mannheim bereits Profi-Erfahrung im Männerbereich gesammelt hat, die weitaus physischere Spielweise kennt. Die kanadischen und amerikanischen Talente hingegen kommen aus den jeweiligen Juniorenligen ihrer Länder, sind nur das Spiel gegen Gleichaltrige gewohnt. Es ist allerdings auch möglich, dass Moritz Seider an Mannheim ausgeliehen wird, die kommende Saison noch bei den Adlern spielt, sich dort weiterentwickelt. Denn er ist ja, das könnte man bei seinem ganzen Auftreten schnell mal vergessen, gerade mal 18 Jahre alt.

Quelle: n-tv.de