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Deutscher Mavericks-Star Kleber "Natürlich vermissen wir Dirk"

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Kleber wirft, Superstar LeBron James kommt zu spät: Die Mavs dominieren das Aufeinandertreffen mit den Lakers.

(Foto: imago images/Icon SMI)

Nach dem 114:100-Sieg bei den Los Angeles Lakers zählen die Dallas Mavericks zu den Besten im NBA-Westen. Das Team kommt in seiner ersten Saison ohne Dirk Nowitzki besser zurecht als erwartet. Bei den Mavs gibt es aber weiterhin einen Deutschen, der immer besser performt: Maxi Kleber ist seit 2017 bei Dallas, unterschrieb vor der Saison einen neuen, großen Vertrag - und verrät nach dem Spiel gegen den Titelfavoriten in Los Angeles im Interview mit n-tv.de die Gründe für den Aufstieg seiner Mannschaft. Außerdem erklärt er, was Superstar Luka Doncic so stark macht und warum alle in Dallas Nowitzki vermissen.

n-tv.de: Der Sieg bei den L.A. Lakers fiel am Ende mit 14 Punkten sehr deutlich aus. Waren Sie selbst ein wenig überrascht oder kamen einfach die Stärken Ihres Teams voll zum Tragen?

Maxi Kleber: Wir haben einfach versucht, unser Spiel durchzuziehen. Am Ende haben die Lakers nicht mehr getroffen, da konnten wir unsere Führung ein bisschen ausbauen. Aber man kann nicht erwarten, dass es hier so läuft. 15 Punkte Vorsprung bei noch zwölf Minuten zu spielen ist einfach nicht genug gegen so eine Mannschaft. Daher wollten wir konstant weiterspielen, den Punktestand vergessen, und einfach nach vorne agieren.

Die Western Conference ist sehr stark dieses Jahr und die Mavs hatten nicht viele auf dem Zettel. Ein Sieg im Staples Center gegen die Lakers ist doch ein Zeichen an die Konkurrenz?

Die Lakers hatten zehn Spiele in Folge gewonnen. Irgendwann muss die Serie mal enden. Der Westen ist in diesem Jahr sehr ausgeglichen, es kann immer etwas passieren. Wir sind auf jeden Fall eine Überraschungsmannschaft, vor allem mit Luka Doncic, der mehr als überragend spielt. Es ist unfassbar, was für Zahlen er da auflegt, wie er spielt und alle einbindet. Das gibt uns überhaupt erst die Möglichkeit, solche Spiele wie gegen die Lakers gewinnen zu können.

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Sie sehen Luka Doncic auch im Training. Zeigt er gerade schon sein ganzes Potenzial?

Wenn man sich die Spiele anschaut, dann macht er auf dem Feld alles. Stepback, Floater, Dreier, Midrange-Game, er bindet die Spieler mit ein und verteidigt gut. Er zeigt, was er für Kaliber von Spieler ist. Für mich ist er der krasseste Point Guard, mit dem ich je gespielt habe. Unfassbar, welche Übersicht er hat. Mit 20 Jahren hat er da schon soviel Ruhe in seinem Spiel, wie man das sonst nur bei Veterans sieht (Spielern mit mehrjähriger NBA-Erfahrung, Anm. d. Red.).

Aber das Spiel der Mavs ist nicht nur auf Doncic ausgerichtet. Mit Porzingis haben Sie einen sehr sicheren Dreierschützen im Team, den Sie oft ins Spiel einbinden, dazu zirkuliert der Ball sehr schnell und sicher durch die Reihen.

Das ist auch das, was wir eigentlich bei uns ausnutzen wollen. Natürlich haben wir mit Luka jemanden, der die meiste Zeit den Ball hat und viel kreiert für uns. Aber jeder der auf dem Feld ist bei uns kann treffen, das müssen wir ausnutzen. Jeden Tag kann das jemand anderes sein. Wenn wir den Ball bewegen und die Positionen freispielen, dann macht's das für die Verteidigung besonders schwer. Das ist unser Ziel: Egal gegen welche Verteidigung - wir wollen aggressiv sein.

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Neuer Vertrag und neue Rolle im Team: Maxi Kleber.

(Foto: AP)

Welchen Einfluss hat diese Spielweise auf Sie persönlich? Sie scheinen eine andere Rolle im Team zu haben, als in der letzten Saison. Beispielsweise blocken Sie deutlich weniger gegnerische Würfe.

Die Situation ergibt sich nicht mehr so oft. Letztes Jahr kam ich oft von der Helpside (der ballfernen Seite; Anm. d. Red.) als Vierer, da war das Pick and Roll auf Fünf und Eins (die meistgenutzte Offensivaktion der NBA), da bin ich von der Weakside gekommen und hab oft helfen können. (Das bedeutet, dass Point Guard und Center des Gegners einen Spielzug laufen und Kleber als zusätzlicher Verteidiger aushilft). Jetzt ist es so, dass ich auch auf der Fünf bin und auch in das Pick and Roll selber involviert bin. Darum geht's: Die Coverage so zu machen, und den Spieler so zu verteidigen, damit er den schwierigsten Wurf nimmt. Wir wollen keine Korbleger und keine offenen Dreier zulassen, also geht es darum, etwas zwischendrin für ihn zu kreieren. Und solche Würfe blockt man eigentlich selten. Wenn ich die Chance habe, gehe ich natürlich schon zum Block.

Sie haben einen neuen, langfristigen Vertrag bei den Mavericks unterschrieben. Erhöht das den Druck oder erleichtert das die Situation?

Auf der einen Seite ist es erleichternd. Es ein Riesenschritt für mich, das hätte ich mir als Kind nicht erträumen können. Es gibt mir schon Sicherheit. Aber auf der anderen Seite ist es ein Ansporn, mich weiter zu verbessern und das Ganze auch zu bestätigen. Ich will hier meine Rolle im Teamgefüge einfach perfekt ausfüllen.

Und was macht das Teamgefüge bei Dallas aus?

Wir haben eine richtig gute Mannschaft mit guten Charakteren. Wir machen auch außerhalb vom Feld viel zusammen, was sehr wichtig ist. Das sieht man dann auch an der Chemie auf dem Feld. Es gibt immer wieder Lineups, die noch nicht so viel zusammengespielt haben. Da passieren Fehler. Aber seit der Vorbereitung haben wir gezeigt, dass wir wirklich gut zusammengefunden haben und das liegt unter anderem an der guten Teamchemie.

Beim Spiel gegen die Lakers war mit Dirk Nowitzki ein ganz besonderer Gast am Spielfeldrand. Ist das noch etwas Besonderes, ihn wieder zu sehen?

Ich freue mich jedes Mal, wenn er auftaucht. Ob beim Training oder Spiel. Dirk ist eine lebende Legende und jeder der in Deutschland Basketball gespielt hat, hat zu ihm aufgeschaut. Für mich ist es eine Ehre gewesen, die letzten beiden Jahre mit ihm spielen zu dürfen und zu sehen, wie er von der ganzen Liga wertgeschätzt wird - selbst von den Auswärtsfans.

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Nowitzki auf Stippvisite in Los Angeles: Doncic gefällt's.

(Foto: USA TODAY Sports)

Aber fehlt dann etwas in der Kabine oder hat sich das auf das Teamgefüge verteilt?

Jein. Natürlich fehlt etwas. Dirk war einer, der die Mannschaft gut zusammengehalten hat und sehr viel Humor hat. Er hat für eine lockere Stimmung gesorgt, aber wusste auch, wann er die Mannschaft antreiben muss. Er ist ein guter Leader. Auf der anderen Seite haben wir mit Luka und Kris Porzingis einen Neustart und die übernehmen das Ganze. Natürlich vermissen ihn alle. Die Fans, die Betreuer und Spieler - die kennen die Mavericks eigentlich nur mit Dirk. Aber gleichzeitig haben wir mittlerweile genug Ersatz.

In dieser Saison sind Sie mit den Mavs besonders auswärtsstark, haben sieben von neun Spielen in fremder Halle gewonnen. Woran liegt das?

Leider haben wir zuhause ein paar Mal gepatzt. Auswärts wollen wir besonders aggressiv rausgehen und tougher spielen. Das gleiche müssen wir nun zuhause auch umsetzen.

Kann das der Schlüssel sein, um die Playoffs zu erreichen? Das muss ja irgendwann als Ziel ausgegeben werden.

Die Tabelle der Western Conference der NBA

1. Los Angeles Lakers 17 Siege - 3 Niederlagen
2. Denver Nuggets 13-4
3. Los Angeles Clippers 15-6
4. Dallas Mavericks 13-6
5. Houston Rockets 13-6
6. Utah Jazz 12-8
7. Minnesota Timberwolves 10-9
8. Phoenix Suns 8-10

(Stand: 2. Dezember)

Auswärtssiege sind sehr wichtig. Wir haben keinen leichten Spielplan vor uns, deswegen brauchen wir jeden Sieg. Ich hoffe natürlich, dass wir dieses Jahr die Playoffs schaffen können.

Profis in der NBA liefern einen echten Spielmarathon ab. Dabei kommt vermehrt das Thema "Load Management" auf. Die NBA will aber, dass die besten Spieler immer auf dem Feld stehen. Wie sehen Sie das?

Ich glaube, man muss die Fälle einzeln betrachten. Wenn du gesund bist, dann willst du auch spielen. Ich glaube nicht, dass es einen Spieler gibt, der sagt: Wir sind viel besser als der Gegner, heute setze ich mal aus, weil wir ohnehin gewinnen. 82 Spiele sind eine heftige Belastung und wenn jemand die Chance hat, eine kleine Verletzung auszukurieren und der Spielplan eine längere Ruhepause hergibt, dann macht das Sinn. Das würde ich nicht Load Management nennen. Der Spieler muss schauen, dass er die Verletzung auskuriert und nicht über 82 Spiele verschleppt. Die Spieler müssen auf ihren Körper achten, denn die Belastung ist wirklich sehr hoch.

Dirk Nowitzki hat immer sehr auf seinen Körper geachtet und fast asketisch gelebt. Da war nicht mal ab und zu eine Cola drin. Wie nah kommen Sie da ran?

Ich werde besser (lacht). Süßkram oder solche Getränke mag ich eh nicht. Es gibt Momente alle zwei Monate, da denke ich, dass ich Zucker brauche. Aber das ist meist nur Kopfsache. Dann gönne ich mir mal eine Cola. Ansonsten ist meine Ernährung relativ ausgewogen.

Mit Maxi Kleber sprach Michael Bauer.

 

Quelle: n-tv.de

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