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Fußball, Politik und Tränengas Polizei geht hart gegen Besiktas-Fans vor

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Die Besiktas-Fans

(Foto: dpa)

Vor dem ersten Heimspiel von Besiktas Istanbul in der neuen Arena kommt es zu Ausschreitungen zwischen Polizei und Fans: Erst fliegen Flaschen, dann antworten die Polizisten mit Tränengas. Dabei richtet sich die Wut der Fans eigentlich gegen Erdogan.

In Istanbul ist die Polizei am Abend mit Tränengas und Wasserwerfern gegen Tausende Fans des als links geltenden Fußballvereins Besiktas vorgegangen. Anlass war das erste Heimspiel im neuen Vereinsstadion, das erst am Vortag eingeweiht worden war. Zeugen berichteten von chaotischen Zuständen: Viele Fans seien im schwarz-weißen Vereinstrikot vor der Bereitschaftspolizei davongelaufen, andere bewarfen die Polizisten mit Flaschen.

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Einen Tag zuvor hatte Erdogan das Stadion vor leeren Zuschauerrängen eingeweiht.

(Foto: imago/Seskim Photo)

In den sozialen Medien hatten die Besiktas-Fans dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zuvor vorgeworfen, die Eröffnungsfeier des Stadions statt am Montag kurzfristig auf den Sonntag vorverlegt zu haben - lediglich im Beisein ausgesuchter Politiker, Sportler und anderer Prominenter fand die Einweihung deshalb vor weitestgehend leeren Rängen statt.

Mitglieder der Besiktas-Ultra-Gruppierung Carsi hatten 2013 eine Schlüsselrolle in einer Protestwelle inne, die Istanbul und später  weite Teile des Landes erfasst und zu Massenprotesten gegen Erdogan auf dem Istanbuler Taksim-Platz und im angrenzenden Gezi-Park geführt hatten.

Neues Stadion an historischem Standort

Erdogan ließ seither Proteste auf dem Taksim-Platz verbieten sowie regelmäßig Tränengas und Wasserwerfer gegen Demonstranten einsetzen. 35 Mitglieder des Fanklubs mussten sich seit Dezember 2014 vor Gericht wegen des Vorwurfs verantworten, während der Protestbewegung im Sommer 2013 den Sturz der Regierung geplant und zu diesem Zweck eine "kriminelle Vereinigung" gebildet zu haben. Die Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft für die Angeklagten, doch der Prozess endete im Dezember mit Freisprüchen.

Der Tabellenerste Besiktas trat gegen den Neuntplatzierten Bursaspor aus der Stadt Bursa an. Mario Gomez (22. Minute) war es vorbehalten, das erste Tor im neuen Stadion zu erzielen. Zunächst glichen die Gäste durch Bakaye Traore (28.) aus. Doch Alexis Delgado (52.) und Gomez, der einen Elfmeter im Nachschuss verwandelte (57.), sorgten für die erneute Führung. Der eingewechselte Miroslav Stoch (70.) konnte nur noch verkürzen. In der hitzigen Schlussphase sahen Besiktas-Profi Ricardo Quaresma und Bursaspors Hajime Hosogai jeweils die Gelb-Rote Karte (90.+7). Der Istanbuler Verein hatte im Jahr 2013 zum letzten Mal in der eigenen alten Inönü-Arena gespielt. Die neue Vodafone-Arena mit mehr als 40.000 Zuschauerplätzen entstand am früheren historischen Standort an der Bosporus-Küste oberhalb des ehemaligen Sultanspalasts Dolmabahce.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP/dpa

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