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Wegen kruder Corona-Theorien Saibou und Wester droht brutaler Absturz

Basketballspieler Joshiko Saibou und seine Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester. Foto: Roberto Pfeil/dpa/Archivbild

Joshiko Saibou und Alexandra Wester stehen vor einer ungewissen Zukunft.

(Foto: Roberto Pfeil/dpa/Archivbild)

1. August, Anti-Corona-Demo in Berlin. Mittendrin: die Leichtathletin Alexandra Wester und der Basketballer Joshiko Saibou. Ihr Auftritt und ihre Kommentare in sozialen Netzwerken sind heftig umstritten. Jetzt steht das Sportpaar vor einer ungewissen Zukunft - trotz großer Ziele.

Gerügt, geschnitten, geächtet - und nun bald arbeitslos? Knapp drei Monate nach ihrer umstrittenen Teilnahme an einer Anti-Corona-Demonstration in Berlin stehen die Profisportler Joshiko Saibou und Alexandra Wester vor einer ungewissen Zukunft. Der Basketball-Nationalspieler und die Leichtathletin vom ASV Köln müssen sich einen neuen Verein suchen. Saibou hat gegen seine fristlose Entlassung durch die Telekom Baskets Bonn geklagt, für seine Freundin steht die Olympia-Teilnahme auf dem Spiel. Für beide ist es ein Schwebezustand - Absturz möglich.

Ausgelöst haben Saibou und Wester die prekäre Situation aber selbst - mit ihren umstrittenen Kommentaren in sozialen Netzwerken und der Teilnahme bei einer Großdemonstration gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen am 1. August in Berlin. Nach einem Foto ohne Maske hagelte es Kritik, die Wortgefechte in den sozialen Medien wurden erbittert geführt, beide verteidigen ihre Haltung - bis heute. "Ich fühle mich, als würde mir der Boden unter den Füßen weggerissen werden", sagte Alexandra Wester in einem Gespräch, das die Deutsche Presse-Agentur mit ihr und ihrem Freund führte.

"Die Kommunikation kam mir manchmal so vor wie ein Anschreien und Anbrüllen! Und das führt nirgendwo hin", meinte die 26-Jährige. "Viele Dinge sind auf manchen Medien-Plattformen schlichtweg verdreht und falsch gewesen. Da wurde ich Corona-Leugner genannt, in Überschriften - was ich nicht tue und nie getan habe!", beteuert Saibou. "Da sieht man, wie schnell so eine Sache Fahrt aufnehmen kann. Im Nachhinein würde ich sagen, dass ich da schneller ein Statement hätte abgeben sollen, um die Sache aufzuklären", betonte der 30-Jährige.

"Kommunikation und Kontaktsuche"

"Kommunikation und Kontaktsuche waren der einzige Grund, warum wir da hingegangen sind", sagte Wester zur Demo in Berlin. Die Reaktionen in den sozialen Medien reichen von Bewunderung und Beifall bis zu heftigem Widerspruch und Verurteilung. Ihre Position hat sie inzwischen auch dem Deutschen Leichtathletik-Verband erläutert. Saibou hatte Kontakt zum Deutschen Basketball-Bund. "Es gab sehr gute Gespräche", sagte er. "Wir haben besprochen, dass mündiger Athlet und Verband nicht immer einer Meinung sein müssen - so lange man sich bei Maßnahmen an die Regeln hält, was ich auf jeden Fall tue", betonte der zehnmalige DBB-Nationalspieler. DBB-Präsident Ingo Weiss hatte nach einem Gespräch berichtet: "Ich habe ihm gesagt, ich nehme deine Meinung zur Kenntnis, teile sie aber nicht."

Wester will im kommenden Jahr in Tokio unbedingt ihre zweiten Olympischen Spiele erleben. Doch dann muss die 6,95-Meter-Weitspringerin bis Ende des Jahres einen neuen Verein gefunden haben. Die 26-Jährige, in Gambia geboren, ist von Köln gerade nach Berlin gezogen, Gespräche über ihre sportliche Zukunft laufen. "Mein Traum von Tokio lebt, absolut! Ich bin jetzt voll im Training", sagte sie.

Westers Vertrag mit dem ASV Köln lief Ende Oktober 2019 aus. "Schon ab 1. November 2019 hätte sie sich eigentlich einen neuen Verein suchen müssen", erklärte ASV-Geschäftsführer Alexander Mronz auf dpa-Anfrage. "Aus Kulanz haben wir damals gesagt: Okay, dann lassen wir sie auf der Meldeliste, damit sie überhaupt an regionalen Wettkämpfen teilnehmen kann", sagte der ehemalige Tennisprofi und kündigte an: "Ab 1. Januar 2021 wird sie dann auch für den ASV nicht mehr auf der offiziellen Meldeliste stehen."

In einem inzwischen rund 75.000 Mal aufgerufenen Instagram-Video beklagt Wester, durch die Corona-Maßnahmen ihrer Freiheit beraubt zu werden. Sie spricht von einem vermeintlichen Impfzwang für die Bevölkerung sowie von Ärzten und Anwälten, die die Menschenrechte verteidigen und dafür in Gefängnispsychiatrien eingesperrt würden. "Was mir in der Sache am nahesten geht: dass Eltern ihre Kinder bei Verdacht auf Corona entzogen werden können. Das ist einfach beängstigend zu wissen", sagte die Athletin auch noch jetzt. "Ich habe zwar selber keine Kinder, aber ich habe mich schon immer für andere Menschen eingesetzt, die nicht gehört werden."

"... weil wir auch nie Corona geleugnet haben"

Allerdings: Bereits am 6. August hatte das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen alle Eltern beruhigt und versichert, dass bei Corona-Verdachtsfällen ihrer Kinder kein Kindesentzug drohe. "In NRW drohen Gesundheitsämter nicht mit der Inobhutnahme von Kindern und ordnen auch nicht die Isolation von Kindern getrennt von der Familie in häuslicher Quarantäne an", sagte ein Ministeriumssprecher. In der Sache rudert die Schicksalsgemeinschaft keinen Zentimeter zurück. "Wir wurden als Corona-Leugner betitelt - da mussten wir dann auch juristisch dagegen vorgehen, weil wir auch nie Corona geleugnet haben und die Sache auch ernst nehmen", erklärte Wester.

Auf Instagram hatte sie behauptet, dass der "Großteil der Welt" von "einer Horrordroge" (Adrenochrom) und von "Perversionen des Verstandes" bestimmt werde. Der DLV distanzierte sich daraufhin "klar von Verschwörungsmythen wie Pizzagate und Adrenochrom". Pizzagate ist eine kolportierte Geschichte, nach der in einer Pizzeria in Washington Kinder als Sklaven gehalten werden. Bankiers, Politiker und Film-Stars hätten ihre Finger im Spiel. Adrenochrom wird von Verschwörungstheoretikern als Verjüngungsserum angesehen, das den Behauptungen zufolge von gefangenen Kindern abgezapft werde.

Westers Freund, der sich seit Wochen nur individuell fit halten kann, ist schwer enttäuscht von seinem Arbeitgeber. Der Verein hatte bei der Kündigung darauf verwiesen, dass Saibou durch sein Verhalten "sich sowie alle Mitspieler und Konkurrenten gefährdet" habe. Der Profi habe nach Ansicht des Vereins unter anderem bei der Demo "vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln" verstoßen. Bei einem Gütetermin im August war es vor dem Arbeitsgericht in Bonn zu keiner Einigung gekommen, am 11. November steht ein Kammertermin an. "Ich fand es schade, dass nach einem Jahr der erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Baskets nicht mal ein persönliches Gespräch vor der fristlosen Kündigung gesucht wurde", beklagte Saibou. "Auf jeden Fall ist erst mal großer Schaden dadurch entstanden, weil Dinge in den Raum gestellt wurden, die einfach nicht stimmen." Deshalb sei er vor Gericht gezogen. "Im Moment kann ich nicht Basketball spielen - und das ist das, was ich am liebsten mache."

Quelle: ntv.de, Ralf Jarkowski und Florian Lütticke, dpa