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Der Missbrauchsskandal im österreichischen Profi-Skisport scheint sich auszuweiten.
Der Missbrauchsskandal im österreichischen Profi-Skisport scheint sich auszuweiten.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 08. Februar 2018

#meToo in Österreich: Ski-Legenden unter Missbrauchsverdacht

Der Missbrauchsskandal im österreichischen Ski-Leistungssport weitet sich kurz vor den Olympischen Spielen in Südkorea aus. Weitere Skifahrerinnen beschuldigen einflussreiche Trainer und Funktionäre. Dabei fallen laut Medienberichten auch bekannte Namen.

Kurz vor den Olympischen Spielen in Südkorea wird die Wintersport-Nation Österreich von der Vergangenheit eingeholt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, berichten mehrere Frauen von schweren sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen durch Trainer, Serviceleute und Funktionäre. Die Vorfälle sollen sich in Leistungskadern und in Ski-Internaten zugetragen haben. Zum Teil liegen die Fälle dem Bericht zufolge schon 50 Jahre zurück. Aber die Beschuldigten sollen bekannte Persönlichkeiten sein, auf denen "die Ski-Nation ihren Namen aufgebaut hat", wie die SZ schreibt.

Namentlich wird Karl "Charly" Kahr in dem Artikel genannt. Er ist einer der erfolgreichsten Trainer des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV). Zudem liegen dem Blatt auch Erklärungen von Leistungssportlerinnen vor, die den Namen der Ski-Legende Toni Sailer fallen ließen. Der dreimalige Olympiasieger von 1956, der 2009 starb, soll bei einem Übergriff im Zimmer gewesen sein.

Die SZ konfrontierte den heute 85-jährigen früheren Coach Kahr, der die österreichischen Alpinfahrerinnen von 1966 bis 1970 trainierte, explizit mit drei detaillierten Vorwürfen. Diese waren von zwei Frauen erhoben worden. Die Anschuldigen reichen auch hier von sexueller Nötigung bis hin zur Vergewaltigung. Demnach soll Kahr Ende der 1960er-Jahre eine damals 16 Jahre alte Sportlerin vergewaltigt haben. Eine zweite ehemalige Fahrerin schildert zwei Übergriffe, zwischen denen mehrere Jahre gelegen hätten. Der einstige Star-Trainer wies die Anschuldigungen über seinen Anwalt zurück und ließ mitteilen, dass "die gegen meinen Mandanten erhobenen Vorwürfe samt und sonders aus der Luft gegriffen sind und kein einziger der von Ihnen genannten Vorfälle jemals stattgefunden hat". Auch der Österreichische Ski-Verband gab laut dem Bericht an, von den Vorwürfen gegen Kahr nichts zu wissen.

Im November hatte bereits die Abfahrtsmeisterin von 1975, Nicola Werdenigg, die mit ihrem Mädchennamen Spieß an den Start ging, den Stein bezüglich des Missbrauchsskandals ins Rollen gebracht. Auch sie erzählte von regelmäßigen Belästigungen und einer Vergewaltigung durch einen Kollegen. Damals sei sie 16 Jahre alt gewesen. "Wer nicht mitspielen wollte, brachte seinen Startplatz in Gefahr", sagte sie der Tageszeitung "Der Standard".

Eine ehemalige Skifahrerin, die anonym bleiben wollte, bestätigte die Vorwürfe der Zeitung und schilderte ähnliche Erfahrungen. "Es hat Übergriffe gegeben. Von Trainern, von Betreuern, von Kollegen", so Werdenigg. Übergriffe sind laut Aussagen der beiden Betroffenen zu dieser Zeit verbreitet gewesen. "Ich musste mich mit Händen und Füßen wehren. Ich habe mir immer gesagt, ich lasse mich nicht brechen", ergänzt die anonyme Ex-Rennläuferin.

Quelle: n-tv.de