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Deutlicher Sieg gegen Serbien Vorrundenhype stärkt das DHB-Team

Der lockere Sieg gegen Serbien beflügelt die deutschen Handballer bei der WM. Das Vorrundenfazit fällt nach dem ganz persönlichen Eröffnungsspiel von Torhüter Heinevetter durchweg positiv aus. Die Mannschaft reist nun voller Zuversicht zur Hauptrunde nach Köln.

Als Silvio Heinevetter Mitte der ersten Halbzeit einen schweren Ball gehalten hatte, brüllte der Torhüter von den Füchsen Berlin seinen Triumph heraus und sprintete dabei fast bis zur Mittellinie, um seine im Überfluss vorhandene Energie rauszulassen. Von wegen besseres Trainingsspiel, als das die abschließende Vorrundenbegegnung der Handball-WM deklariert worden war, weil es weder für die ausgeschiedenen Serben noch für die Deutschen um etwas ging. Bereits vor dem Anpfiff hatte festgestanden, dass die Gastgeber die drei Zähler aus dem Sieg gegen Brasilien und dem Remis gegen Titelverteidiger Frankreich mit in die Zwischenrunde nach Köln nehmen.

Man hätte also durchaus Verständnis dafür aufbringen können, hätte das Team von Bundestrainer Christian Prokop die fünfte Pflichtaufgabe innerhalb einer Woche auf die leichter Schulter genommen. Doch anstatt Jojo zu spielen, erledigten die Deutschen vor 13.500 Besuchern in der Arena am Berliner Ostbahnhof ihre Hausaufgaben mit der gebotenen Seriosität und schlugen ihren Kontrahenten klar mit 31:23 (16:12).

Warum sich die Mannschaft nicht hängen ließ, erklärte Co-Trainer Alexander Haase so: "Du spielst in einer ausverkauften Halle ein WM-Spiel, da willst du den Leuten natürlich was bieten." Rückraumschütze Steffen Fäth ergänzte, es sei zwar um nichts mehr gegangen, "aber für uns war es trotzdem wichtig, mit einem guten Gefühl in die Hauptrunde in Köln zu gehen". Bob Hanning, beim Deutschen Handball-Bund (DHB) als Vizepräsident für den sportlichen Bereich zuständig, gab zu Protokoll, dieses Spiel sei eine prima Gelegenheit gewesen, "noch mehr Spieler in die WM mitzunehmen". So wie Heinevetter, der bislang im Schatten der Nummer eins zwischen den Pfosten, Andreas Wolff, gestanden hatte, um nun den Nachweis anzutreten, dass er weit mehr als nur ein Ersatzmann sein kann. Hanning ließ sich sogar zu der Aussage verleiten, "für Silvio war es heute das Eröffnungsspiel".

Auch für Akteure wie Finn Lemke, Matthias Musche und Franz Semper, die bislang in der zweiten Reihe gestanden hatten, war das lockere Schaulaufen gegen überaus schwache Serben eine willkommene Gelegenheit, sich zu zeigen. Wobei der 2,10-Meter-Riese Lemke dokumentierte, dass er sofort zu Stelle ist, um zu helfen, sollten Hendrik Pekeler oder Patrick Wiencek im Mittelblock schwächeln. Auch Musche brennt vor Tatendrang, gegen Serbien vertrat er Kapitän Uwe Gensheimer nicht nur auf Linksaußen tadellos, sondern glänzte auch als sicherer Schütze von der Sieben-Meter-Linie.

Defensive als Bollwerk

Dagegen vermochte sich Semper nicht für weitere Aufgaben aufzudrängen. Der Linkshänder aus Leipzig bestätigte das, was Prokop schon vor WM-Beginn immer wieder betont hatte: Er ist in erster Linie in den deutschen WM-Kader gerutscht, um für die Zukunft zu lernen. Beim mühelos herausgeworfenen Sieg gegen das Team des ehemaligen Bundesligaprofis Nenad Perunicic konnte Prokop einige Dinge wie zum Beispiel die Formation mit drei Kreisläufern und das Überzahlspiel mit sieben Feldspielern ohne Torhüter ausprobieren. Dass dabei längst nicht alles klappte, "weil wir ein paar Sachen unkonzentriert gespielt haben", wie Fabian Wiede bemerkte, war durchaus verzeihlich. Zumal sich der weitgehend überforderte Gegner zu keinem Zeitpunkt dazu aufraffte, ernsthafte Gegenwehr zu leisten.

Prokop wird also einige neue Erkenntnisse gewonnen haben neben den vielen, die er zuvor schon sammeln konnte. Zum Beispiel, dass die Defensive als Kernstück ein Bollwerk ist. "Wir haben die stärkste Abwehr der Welt", betont Hanning, „darauf müssen wir unser Spiel auch in Köln aufbauen.“ Auch das Zusammenspiel zwischen dem Bundestrainer und seinen Spielern funktioniert mittlerweile reibungslos. Waren beim EM-Debakel in Kroatien vor einem Jahr noch tiefe Risse zwischen Teilen des Teams und Prokop offenbar geworden, sind die Gräben inzwischen zugeschüttet. Der Schulterschluss ist gelungen, Prokop führt seine Belegschaft kompetent undsouverän. Auch die Interaktion zwischen den Fans und der Nationalmannschaft nährt die Hoffnung, dass es bei der WM für Deutschland noch weit gehen könnte. "Ich bin unfassbar froh, dass wir hiereine solch tolle Atmosphäre hatten", sagte der Berliner Paul Drux. Mittelmann Martin Strobel ergänzte, "dass die Stimmung hier unglaublich war".

In Köln, so die Hoffnung aller, soll die Rückendeckung mit dann 19.000 Zuschauern im Rücken noch intensiver werden. Ein deutlicher Sieg, viele Spielanteile für die zweite Garde, die tolle Unterstützung durch die Fans und keine neuen Verletzten: Viel mehr an positiven Dingen kann man nach dem letzten Vorrundenspiel kaum finden. "Wir sind sehr zufrieden und verabschieden uns mit einem guten Gefühl nach Köln", gab Prokop mit einem Lächeln zu Protokoll. Paul Drux formulierte es ein wenig flapsiger: "Wir haben ein geiles Team. Da geht noch einiges."

Quelle: n-tv.de

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