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Gibt's ein Duell im NBA-Finale? Zwei Deutsche kämpfen um Nowitzkis Erbe

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Angeführt von Luka Doncic (2. von rechts) steht Maxi Kleber (rechts) mit Dallas im NBA-Halbfinale.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Spannende, bisweilen sensationelle Zweitrunden-Duelle legen den Grundstein für die Conference Finals, die heute Nacht starten. Die Dallas Mavericks liebäugeln erstmals seit den Tagen von Dirk Nowitzki mit einem NBA-Titel, während im Osten das Team eines Deutschen leicht favorisiert ist.

Es waren unglaubliche Szenen, die sich vergangenen Sonntag in der NBA abspielten, wo zunächst die jungen Boston Celtics im siebten und alles entscheidenden Spiel den amtierenden Champion Milwaukee Bucks um Superstar Giannis Antetokounmpo in den Sommerurlaub schickten. Dann trat Luka Doncic mit seinen Dallas Mavericks auf die Bühne und stahl allen die Show. Beim besten Team der regulären Saison und letztjährigen Vizemeister, Phoenix Suns, dominierten Doncic und die Mavs in allen Belangen und gewannen überdeutlich.

Obwohl beide Alles-oder-Nichts-Spiele - eigentlich Höhepunkt jeder Best-of-Seven-Serie - nicht unbedingt hielten, was sie versprachen, weil sie lange vor dem Ende zu klaren Angelegenheiten verkamen, blieb genug Zeit, um zu reflektieren und vorauszublicken auf die nächsten Tage und Wochen. Sie sind angerichtet: die Conference Finals im Osten und Westen, wo traditionell die Meister der Region ausgespielt werden, ehe sie sich in den NBA Finals gegenüberstehen. In der Western Conference treffen die Mavericks auf die Golden State Warriors um Megastar Steph Curry, während in der Eastern Conference die Celtics auf die Miami Heat treffen.

Doncic auf Nowitzkis Spuren

"Wie gut ist Luka Doncic" - Der Fußball-Weltmeister und viermalige Champions-League-Sieger Toni Kroos konnte nicht umhin, seine Wertschätzung für das zu zeigen, was auch er im Fernsehen miterlebte. Ex-Madridista Doncic, der seine einzigartige Karriere als 13-Jähriger bei Real Madrid begann, spielte mit der bilanzbesten Mannschaft der Saison Katz und Maus. Doncic traf seine ersten drei Würfe und machte fortan, was er wollte. Bereits zur Halbzeit hatte der 23-Jährige genauso viele Punkte auf seinem Konto wie das gesamte Suns-Team (27).

Im Schlussviertel musste Doncic nicht einmal mehr aufs Parkett, so groß war das Mavs-Polster, das zwischenzeitlich auf 46 Punkte angewachsen war - eine der verheerendsten Playoff-Niederlagen aller Zeiten für Phoenix, eine Blamage für die Nummer eins im Westen, die Doncic nie in den Griff bekam. 32,6 Punkte pro Partie erzielte der All-Star in der Serie gegen die Suns. Er und Michael Jordan sind jetzt die einzigen Akteure in der Geschichte der NBA Playoffs mit mehr als 30 Punkten pro Spiel im Karriere-Schnitt.

Der Slowene startete langsam in die Saison, drehte aber nach der Jahreswende so richtig auf und zog die rundum veränderten Mavericks nicht nur als Vierter zu ihrer besten Saison-Platzierung und ihrem ersten Playoff-Seriensieg seit 2011, sondern direkt in die Conference Finals - damit sind sie nur noch acht Siege von der Meisterschaft entfernt. Es war bezeichnend, dass Legende Dirk Nowitzki, der mit Dallas 2011 die Meisterschaft gewann, in Phoenix in der Halle saß und die Doncic-Gala live miterlebte. Nach dem Schlusspfiff umarmten sich der ehemalige und aktuelle Franchise-Player innig an der Mittellinie und tauschten Scherze aus. "Ich bekomme dieses Lächeln gerade nicht aus meinem Gesicht", sagte Doncic anschließend. "Ich bin einfach sehr glücklich. Wir haben immer daran geglaubt."

"Luka liebt die Bühne"

Die Mavs, die von Nowitzkis ehemaligem Teamkollegen Jason Kidd gecoacht werden und dank Doncic plus beinharter Verteidigung - zu der auch der Würzburger Big Man Maxi Kleber entscheidend beiträgt - Erfolg haben, bekommen es nun in den Western Conference Finals mit einem ganz anderen Kaliber zu tun: Steph Curry und den Golden State Warriors. Der beste Werfer, den dieser Sport je gesehen hat, peilt mit seinen Weggefährten Klay Thompson, Draymond Green und Cheftrainer Steve Kerr seinen vierten NBA-Titel an.

Die Chancen stehen gut, zum ersten Mal seit 2019 wieder das Endspiel zu erreichen. Seither machten immer wieder Verletzungen den Warriors einen Strich durch die Rechnung. Auch in dieser regulären Saison standen Curry, Thompson und Green nur elf Minuten gemeinsam auf dem Parkett, ehe sie in Playoff-Serien gegen Denver und Memphis einen Teil ihrer alten Magie wiederentdeckten.

Diese Warriors sind etwas in die Jahre gekommen und in der Spitze weniger beeindruckend als zu ihren besten Zeiten. Dafür haben sie immer noch zwei Elite-Schützen in Curry und Thompson, Defensiv-Ass Green und einen tieferen Kader voller Rollenspieler als jemals zuvor. Kontrastierende Spielstile - die Warriors spielen gerne schnell und lassen den Ball laufen, während die Mavs den Ball in Doncics Hände legen und die Uhr herunterlaufen lassen - versprechen eine offene, spannende Serie. Dallas gewann drei der vier Duelle in der regulären Saison, den Warriors fehlten jedoch Protagonisten wie Green und Thompson. Wettanbieter bevorzugen Golden State. Ein selbstbewusster Doncic steht ihnen jedoch im Weg. "Er ist Luka. Er liebt die Bühne", sagt Kidd. "Je größer es wird, desto besser wird er."

Keltisches Erwachsenwerden

An der anderen Küste messen sich die Nummer eins und Nummer zwei der regulären Saison: Miami und Boston. Sie prägen die Eastern Conference in diesem Millennium. Die Heat stehen zum achten Mal in 18 Jahren in den Conference Finals, die Celtics zum siebten Mal in den letzten 15. Zuletzt trafen diese Teams vor zwei Jahren in der "Disney-Bubble" aufeinander, Miami gewann damals mit 4-2. Die Protagonisten sind dieselben, die Vorzeichen jedoch könnten unterschiedlicher nicht sein. Damals nur mit Außenseiter-Chancen in die Playoffs gegangen, machen sich beide Klubs heuer realistische Titelhoffnungen.

Boston stellt seit dem Jahreswechsel das vermeintlich beste, konstanteste Team der Liga. Ein defensives Bollwerk, angeführt von zwei explosiven Youngstern und dem Verteidigungsspieler des Jahres, Marcus Smart, gespickt mit Spezialisten und soliden Veteranen, die ihre Rollen professionell und verlässlich ausfüllen. Ersatzmann Daniel Theis etwa, der während der Saison per Trade von den Houston Rockets kam und die Starter in der Zone entlastet. Im Angriff läuft viel über einen der jungen Stars der Liga: Jayson Tatum. Der machte in dieser Saison endgültig den Sprung, vom vielversprechenden Talent zum echten Franchise-Spieler und Anführer an beiden Enden.

Flankiert von Smart und Co-Star Jaylen Brown suchen Tatum und das Team von Rookie-Cheftrainer Ime Udoka geduldig den offenen Wurf. So traf Grant Williams im entscheidenden siebten Spiel gegen die Bucks sieben Dreier für insgesamt 27 Punkte, während die Celtics mit 22 Dreiern einen NBA-Rekord in Spiel sieben aufstellten. Die Chancen für die erwachsen gewordenen "Kelten" also stehen gut, zum ersten Mal seit 2010 die NBA Finals zu erreichen.

Wessen Härte setzt sich durch?

Um dahin zu kommen, müssen sie nach Brooklyn und Milwaukee aber erst noch die Miami Heat ausschalten. Die kommen ausgeruht, voller Selbstvertrauen und mit einer perfekten Playoff-Heimbilanz (6-0) in diese Serie, in der sie Heimvorteil genießen. Und mit dem vielleicht besten Spieler dieser Playoffs in den eigenen Reihen. Wie schon vor zwei Jahren schultert Flügelspieler Jimmy Butler auch in diesem Jahr die Verantwortung an beiden Enden - und dominiert mit 28,7 Punkten, 7,6 Rebounds, 5,4 Assists und 2,1 Steals im Schnitt.

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Weder Atlanta zum Auftakt noch Philadelphia in Runde zwei hatten Butler und Miami viel entgegenzusetzen. Cheftrainer Erik Spoelstra zeigt einmal mehr, warum er als einer der Besten seiner Zunft immer in der Lage ist, das Geschehen von der Seitenlinie zu manipulieren. Der verletzungsbedingte Ausfall von Spielmacher Kyle Lowry (Achillessehne, Einsatz weiterhin fraglich) fiel bisher nicht ins Gewicht - auch weil Bam Adebayo und Tyler Herro ihren Superstar Butler effektiv unterstützen, während die Defensive mächtig Zähne zeigt.

Angesichts virtueller Klone in Spielstil, Härte und defensiver Disziplin wird es für beide Mannschaft in dieser Serie vor allem auf Nuancen in der Verteidigung und die Treffsicherheit aus der Distanz ankommen. Boston ist tiefer besetzt und hat einen hungrigen Jung-Star in den eigenen Reihen, der nach ganz oben will. Miami hat die Erfahrung, Heimvorteil und einen der besten Playoffs-Performer aller Zeiten in Jimmy Butler. Eine lange Serie, vielleicht ein weiteres Spiel sieben, wäre nur folgerichtig. Die NBA Conference Finals starten heute.

Quelle: ntv.de

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