Formel1

Die Formel-1-Lehren von Dschidda Akute Crashgefahr beim Weltmeister-Showdown

imago1008490918h.jpg

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Erneut Lewis Hamilton oder erstmals Max Verstappen? Spannender kann der Zweikampf um den Weltmeistertitel nicht werden. Punktgleich gehen die Rivalen ins letzte Formel-1-Rennen der Saison. So, wie deren Kompromisslosigkeit eskaliert, muss mit voller Härte gerechnet werden.

Crash-Gefahr hält akut an

Der Titelkampf in der Formel 1 geht ans Limit. Oder sogar darüber hinaus. Nach dem 103. Karrieresieg von Lewis Hamilton bei der chaotischen und auch irren Grand-Prix-Premiere in Saudi-Arabien bekommt die Motorsport-Königsklasse ihr großes Finale. Der Mercedes-Pilot und Max Verstappen von Red Bull gehen punktgleich (369,5) ins letzte Saisonrennen. Es ist nicht mal unwahrscheinlich, dass es in Abu Dhabi in diesem superintensiven WM-Zweikampf wieder kracht.

In Dschidda lieferten sich die beiden Ausnahmepiloten auch Ausnahmemanöver - was die Kompromisslosigkeit betrifft. Verstappen erhielt für seine Härte in Runde 37 eine Fünf-Sekunden-Strafe und nachträglich noch eine Zehn-Sekunden-Strafe für eine Aktion, die Hamilton richtig aufregte. Der Niederländer sei "mit Sicherheit über dem Limit" gewesen, befand der 36-jährige Engländer. "Ich habe so viele Kollisionen mit ihm vermieden."

In besagter Szene raste Hamilton Verstappen ins Heck. Der Red-Bull-Pilot hatte zuvor unerlaubt die Strecke verlassen und sollte auf Anweisung seines Teams den Briten wieder vorbeilassen, um einer Strafe zu entgehen. Hamilton empfand es als "verwirrend", dass Verstappen auf einmal verlangsamte, und raste ihm ins Heck. Mit beschädigtem Frontflügel schaffte es der siebenmalige Weltmeister am Ende dennoch vor seinem Widersacher über die Ziellinie. "Ich wollte ihn vorbeilassen, also bin ich auf der rechten Seite, aber er wollte nicht überholen und dann haben wir uns berührt", beschrieb Verstappen, der die Formel 1 aktuell als zu strafenfixiert empfindet. "Ich verstehe nicht wirklich, was da passiert ist." Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko warf den Regelhütern Benachteiligung vor. "Man kann nicht mit zweierlei Maßstäben messen. Wenn sich ein siebenfacher Weltmeister verschätzt, kann das passieren, aber nicht zu unseren Lasten", meinte Marko und sah den Fehler klar bei Hamilton.

So vermischt sich hartes Racing mit Ränkespielen, mehr oder weniger stillen Anklagen und Vorwürfen. Der WM-Kampf ist intensiv - und steuert seinem Finale entgegen. Mit dem nächsten Crash? "Ich glaube, es wird nicht eskalieren", meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. "Das waren heute so viele Warnschüsse für alle Beteiligten, dass es sauber abgehen wird und sauber abgehen muss. Es kann sich niemand leisten, mit einem Ergebnis dazustehen, das nicht auf der Strecke ausgefahren worden ist."

Sollten Verstappen und Hamilton im letzten Rennen des Jahres ausfallen, wäre der 24-Jährige aus den Niederlanden erstmals Weltmeister, weil er in dieser Saison einen Grand Prix mehr (9:8) gewonnen hat als der siebenmalige Titelträger. Schön wäre, wenn beide die Saison als gute Sportsmänner beenden würden.

FIA entgleitet der Titelkampf

Den Formel-1-Schiedsrichtern vom Automobil-Weltverband ist der Titelkampf entglitten. In dem Bestreben, die Meisterschaft nicht am grünen Tisch zu entscheiden, haben sie ihre Linie verloren. Wird Mercedes hart bestraft, folgt die Konzessionsentscheidung gegen Red Bull fast auf dem Fuße - und umgekehrt. Dennoch fühlen sich alle Seiten ständig benachteiligt. Wie in einem WM-Finale, in dem die Spieler irgendwann machen, was sie wollen und es in eine wilde Treterei ausartet. Max Verstappen geht oft selbst über die Grenze, doch mit dem Vorwurf, dass in letzter Zeit mehr bestraft als Rennen gefahren wurde, trifft er den Nagel auf den Kopf.

Vettels Highlight war das Fahrerinnen-Training

Der beste Tag des viermaligen Weltmeisters in Dschidda war der Medientag. Am Donnerstag trug Vettel ein Kartrennen mit acht saudi-arabischen Frauen aus. Ein positives Signal in einem Land, in dem immer noch einiges im Argen liegt, nicht nur was Gleichberechtigung angeht. In seinem Aston Martin war Vettel aber auf verlorenem Posten. Der grüne Rennwagen und der Hochgeschwindigkeitsstadtkurs an der Corniche fanden nie zusammen. Im Rennen musste Vettel deswegen viel riskieren auf einer Strecke, auf der Überholmanöver kaum möglich sind. Mit Yuki Tsunoda und seinem alten Kumpel Kimi Räikkönen kollidierte er. Das Ziel erreichte er nicht mehr - es hätte ohnehin nicht für Punkte gereicht.

Schumacher macht Kampf unfreiwillig spektakulär

Mit seinem Unfall in Runde zehn setzte der Haas-Pilot die unglaubliche Dynamik in diesem bis dahin unspektakulären Rennen in Gang. Schumacher nahm den Fehler für sein Ausscheiden auf sich. Sein Haas ist schwer zu beherrschen, ganz klar. Doch es ist nicht das erste Mal, dass er auf einem Stadtkurs nicht das Ziel erreicht und erheblichen materiellen Schaden für sein kleines Team anrichtet. Stichwort: Monaco.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.