Formel1

"Niki wird seine Kappe ziehen" F1-Weltmeister Mercedes weist zum Himmel

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Mercedes "möchte Niki diesen Titel widmen."

(Foto: imago images/HochZwei)

Im Formel-1-Rennen von Japan macht Ferrari einmal mehr Fehler und so steht frühzeitig fest: Der WM-Titel geht an Mercedes. Im Fahrerlager der Silberpfeile wird der triumphale Tag schnell emotional. Und Pilot Hamilton meckert, obwohl ihn jetzt nur noch einer aufhalten kann. Theoretisch.

Sebastian Vettel übte nach der verspielten Siegchance und Platz zwei beim Großen Preis von Japan Selbstkritik und forderte Ferrari zum Handeln auf, die Mercedes-Party wurde dagegen schnell ziemlich sentimental. Irgendwo da oben, da waren sich Toto Wolff, Lewis Hamilton und Suzuka-Sieger Valtteri Bottas einig, würde Niki Lauda nach dem sechsten Konstrukteurstitel der Silbernen schmunzelnd und anerkennend sein Kapperl ziehen.

"Wir möchten Niki diesen Titel widmen, weil er von Anfang an ein so wichtiger Teil der Reise war", sagte Mercedes-Motorsportchef Wolff im Gedenken an den im Mai verstorbenen Team-Aufsichtsrat Lauda und führte emotional aus: "Ich frage mich, was er sagen würde und was er denken würde. Aber es gleicht den Verlust nicht aus, dass er einfach nicht mehr hier ist."

Vettels dringlicher Appell

Auch der am Sonntag drittplatzierte WM-Spitzenreiter Hamilton war über den Team-Titel glücklich, nichtsdestotrotz wirkte der Brite nachdenklich. Er haderte mit der für ihn unglücklich gewählten Reifen-Strategie - und dann war da noch das Andenken an seinen Mentor Lauda: "Niki wird seine Kappe ziehen. Wir schulden ihm viel, dieser Sieg ist für ihn."

Vettel durfte derweil die Reise nach Japan bei allem Ärger über seinen Frühstart ("Es war mein Fehler"), der sich laut der Regelhüter noch im zulässigen Toleranzbereich abspielte und keine Strafe nach sich zog, zumindest als Teilerfolg verbuchen. Doch der Heppenheimer richtete auch kritische Worte an sein Team.

Mit einem eindringlichen Appell packte er die stolze Scuderia an der Ehre. "Wir haben alle nötigen Zutaten. Der Einsatz stimmt, bei uns arbeiten kluge Leute. Aber wir müssen in vielen kleinen Bereichen einfach besser werden", sagte Vettel: "Mercedes zeigt uns seit Jahren, dass es besser geht. Wenn du vier Rennen vor Schluss die Konstrukteurs-WM gewinnst, machst du offensichtlich einiges besser als der Rest."

"Wir schreiben Geschichte"

Bottas fasste dies so knapp wie treffend zusammen: "Wir schreiben Geschichte." Mit dem sechsten Konstrukteurstitel in Folge egalisierte Mercedes den Ferrari-Rekord aus den Jahren 1999 bis 2004. Doch den Roten war es selbst in der Ära von Rekordweltmeister Michael Schumacher nicht gelungen, in sechs aufeinanderfolgenden Jahren auch den Fahrertitel nach Maranello zu holen.

Im Mercedes-Werk in Brackley dagegen können die Planungen für die Feier der Doppel-WM bereits anlaufen. Hamiltons einziger verbliebener WM-Rivale ist Bottas, der Vorsprung des fünfmaligen Champions aus Großbritannien beträgt stolze 64 Punkte. Baut Hamilton in zwei Wochen in Mexiko seine Führung um 14 weitere Punkte aus, ist er zum sechsten Mal Weltmeister. Bottas selbst rechnet sich keine echte Chance mehr auf den Fahrertitel aus: "Alles ist möglich, auch wenn ich realistisch bin. Aber ich gebe nicht auf."

Nach zuvor neun Qualifying-Niederlagen gegen seinen jungen Teamkollegen Charles Leclerc hatte Vettel den Monegassen im Kampf um die Startplätze, der wegen Taifun Hagibis verschoben wurde, endlich wieder ausgestochen und seinen Boliden auf die Pole gestellt. Im Rennen blieb er mit Ausnahme des Starts, bei dem er zu früh losrollte, stoppte und nach dem erneuten Anfahren rasch Bottas passieren lassen musste, zudem fehlerfrei und parierte Hamiltons Attacken im Finale bravourös. Bottas siegte in Japan aber auch deshalb als erster Fahrer aus der zweiten Startreihe, weil Vettel auf der Pole Position seinen Start komplett vergeigte und Leclerc in der ersten Runde seinen Frontflügel zerstörte.

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Quelle: n-tv.de

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