Formel1

Neun Rennen in zwölf Wochen Formel-1-Stars haben Mitleid und packen an

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Bei McLaren ist ordentlich Stress.

(Foto: imago images/HochZwei)

Der Saisonstart? So spät wie nie. Der Kalender? So voll wie nie. Die Formel 1 setzt in der Corona-Krise auf einen engen Zeitplan, der alle Beteiligten stark fordert. Die Belastung tragen dabei längst nicht nur die Fahrer. Trotzdem hat ein Pilot sogar noch Zeit für einen zusätzlichen Job.

Weiter, immer weiter, Toto Wolff kommt die einwöchige Pause nach dem ersten Triple-Header der Formel-1-Saison 2020 alles andere als recht. "Ich muss jetzt erstmal überlegen, was ich am nächsten Wochenende machen soll", sagte der Mercedes-Motorsportchef nach dem Sieg von Weltmeister Lewis Hamilton am Sonntag in Budapest - dem dritten für Mercedes im dritten Rennen. Man habe doch, so Wolff, "wirklich lange genug Pause gehabt. Jetzt wollen wir alle wieder Racing."

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Tatsächlich alle? Lewis Hamilton sieht die Belastung für die Fahrer zwar nicht als unzumutbar hoch an ("Uns reichen normalerweise drei Tage zwischen den Rennen zur Regeneration"), ihn beschäftigt viel mehr die Situation der Ingenieure, Mechaniker, Truckfahrer: "Für sie ist es schon eine Herausforderung. Sie lieben Racing, aber sie haben Familien, die sie nach drei Wochen gerne mal etwas länger sehen würden."

Norris packt mit an

Genau das geht aber nicht. Zunächst muss das gesamte Fahrerlager mit technischem Equipment und nicht zuletzt den Autos in durchschnittlich 20 Trucks verstaut werden. Dann geht es auf die Straße zum nächsten Grand Prix. Die Entfernung zwischen Budapest und der britischen Insel, wo die Mehrzahl der Teams ihren Werkssitz hat, beträgt knapp 2000 Kilometer und erfordert mindestens drei Fahrer, die sich am Steuer der tonnenschweren Trucks abwechseln. Diese Fahrer dürfen anders als in der Vergangenheit nicht mehr aus dem Kreis der Mechaniker rekrutiert werden, ihre Aufgabe besteht einzig und allein darin, das Equipment von A nach B zu transportieren.

Mit dem Abbau beginnt die Crew an der Strecke in dem Moment, wenn keines ihrer Autos mehr im Rennen ist. Ein Musterbeispiel für Teamarbeit lieferte in Budapest McLaren-Pilot Lando Norris. Der junge Brite, der Rolle des chancenlosen Mitfahrers längst entwachsen, legte beim Zusammenpacken kräftig Hand an. "If you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together" (Wenn du schnell sein willst, geh allein, wenn du weit kommen willst, geh mit anderen), twitterte er zu einem Bild, das ihn unter seinem Auto liegend zeigt.

"Mal kein Lenkrad anfassen"

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Max Verstappen, Oranjes wilder Superstar, bestätigt zwar Hamiltons Aussage, wonach die Fahrer deutlich mehr Zeit zur Regeneration haben als ihre Crew, weiß aber schon ganz genau, was er in der freien Woche zwischen Ungarn und dem nächsten Triple Header mit Start in Silverstone (2. August) nicht machen wird: "Keine E-Races, das brauche ich wirklich nicht. Ich möchte mal ein paar Tage kein Lenkrad anfassen."

Nach dem ersten Triple-Header der Formel-1-Geschichte, der die Teams im Sommer 2018 im Wochenrhythmus nach Frankreich, Österreich und Großbritannien führte, waren sich alle einig: Nie wieder. Otmar Szafnauer, Teamchef von Racing Point (damals noch Force India), hatte von einem "Debakel für die Crews" gesprochen: "Das darf sich nicht wiederholen." Von Corona konnte damals niemand etwas ahnen.

Quelle: ntv.de, Angela Bern, sid