Formel1

"Cash is king" statt Vorsorge Hamilton findet F1-Normalität "schockierend"

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Hamilton ist beunruhigt darüber, wie wenig die Formel 1 ihren Alltag einschränkt.

(Foto: imago images/HochZwei)

Die Formel 1 lässt sich vom Coronavirus nicht verunsichern. Der Saisonauftakt in Australien soll ohne große Einschränkungen und sogar mit Zehntausenden Fans stattfinden. Weltmeister Lewis Hamilton hält wenig von diesem Vorgehen. Kimi Räikkönen verrät, wie die Teams wohl entschieden hätten.

Weltmeister Lewis Hamilton hat den planmäßigen Start der Formel-1-Saison im Angesicht der Coronavirus-Krise mit äußerst kritischen Worten hinterfragt. "Ich bin sehr überrascht, dass wir alle hier sind", sagte der Mercedes-Pilot vor dem Großen Preis von Australien (Sonntag, 6.10 Uhr/RTL und im Liveticker bei ntv.de) in Melbourne: "Es scheint, als würde der Rest der Welt reagieren. Donald Trump lässt keine Europäer mehr in die USA, die NBA stoppt ihre Saison. Aber die Formel 1 macht weiter." Gefragt nach dem Grund, aus dem die Königsklasse am Saisonstart festhält, verwies Hamilton pointiert auf das Geld, um das es in den Verträgen der Formel 1 geht. "Cash is king", sagte er, "aber ganz ehrlich, ich weiß es nicht". Auch sei es in gewisser Weise "schockierend, dass wir zusammen in diesem Raum sind", sagte er im Rahmen der Pressekonferenz mit Blick auf die dicht an dicht sitzenden Journalisten.

Der Bundesstaat Victoria lässt sich das Spektakel dem Vernehmen nach alleine rund 60 Millionen australische Dollar kosten, das sind umgerechnet etwa 35 Millionen Euro. Deutlich zurückhaltender äußerte sich Ferrari-Pilot Sebastian Vettel zur Thematik. "Das ist alles sehr schwierig zu beurteilen", sagte der viermalige Weltmeister: "Aber man kann sich durchaus die Frage stellen, warum wir hier sind. Niemand von uns kann wirklich abschätzen, inwiefern die Ausbreitung kontrollierbar ist." Mittlerweile gibt es in mehr als 110 Ländern positive Tests, die Weltgesundheitsorganisation spricht von einer Pandemie.

"Wenn die Teams entscheiden würden ..."

Am Sonntag soll das erste Saisonrennen dennoch wie geplant stattfinden, auch Zuschauer sind im üblichen Maße zugelassen. Anders als der sieben Tage später geplante zweite Saisonlauf in Bahrain soll Melbourne nicht als Geister-Rennen ausgetragen werden. Bei Verdachtsfällen lassen die Organisatoren allerdings Vorsicht walten. So befanden sich am Donnerstag bereits fünf Teammitglieder als Verdachtsfälle in einer selbst verordneten Quarantäne. Die Angestellten der Rennställe Haas und McLaren hatten grippeähnliche Symptome gezeigt und wurden daraufhin getestet. Die Ergebnisse standen am Donnerstagmorgen deutscher Zeit noch aus. Hamilton erklärte laut Autosport.com, er habe gehört, dass die Resultate "zufällig" offenbar erst nach dem Rennen vorliegen könnten.

Die Fans strömten derweil bereits massenhaft an die Rennstrecke im Albert Park, an jedem der Tage werden mehr als 80.000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Die Formel 1 trägt der Ausbreitung des Coronavirus dabei nur insofern Rechnung, dass die Aktivitäten zwischen Fahrern und Zuschauern stark eingeschränkt sind. Zudem sind auf dem gesamten Gelände Desinfektionsmittel verfügbar, auch werden die Besucher angehalten, sich an die allgemeinen Vorgaben zur Minimierung der Ansteckungsgefahr zu halten. Vettels Ex-Teamkollege Kimi Räikkönen, mittlerweile für Alfa Romeo am Start, schloss sich Hamilton an: "Ich denke, wenn die Teams alleine entscheiden würden, wären wir vermutlich nicht hier."

Quelle: ntv.de, tsi/sid