Formel1

"Wir kommen nicht mehr ran" Red Bull findet Mercedes-Motor verdächtig

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Bottas führte am Start des Großen Preises der Türkei vor Verstappen und siegte auch im Ziel vor dem Niederländer.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Sechs Punkte liegt Red-Bull-Herausforderer Max Verstappen nach 16 Rennen der Formel-1-WM vor Titelverteidiger Lewis Hamilton. Weil Mercedes seinen Performance-Nachteil der ersten Saisonhälfte nicht nur wettgemacht, sondern einen Vorsprung erarbeitet hat, ist Red Bull hellhörig geworden.

Lewis Hamilton könnte die WM-Wertung anführen - recht souverän sogar, wenn die vergangenen vier Rennen seit dem Ende der Sommerpause nicht so gelaufen wären, wie sie liefen. Das Rennen in Spa war komplett verregnet, verkam zu einer Zwei-Runden-Farce. Im Vollgas-Tempel Monza waren die schwarz lackierten Silberpfeile eigentlich turmhoch überlegen. Ein missglückter Start Hamiltons im Sprintrennen verschleierte dies allerdings, im Rennen kam es dann zum folgenschweren Unfall mit Verstappen, der beide aus dem Rennen beförderte und den Hamilton nur dank des Cockpitschutzes Halo ohne schwerere Verletzunge überstand.

In Sotschi gewann Hamilton endlich dominant, in der Türkei verhinderte eine Grid-Strafe infolge eines Motorwechsels die nächste Triumphfahrt. Was am Bosporus für den Qualifying-Schnellsten und siebenfachen Weltmeister drin gewesen wäre, bewies der lockerleichte Sieg von Teamkollege Valtteri Bottas.

Hamilton mag in den vergangenen Rennen nicht die maximale Punktzahl eingefahren haben und sogar die Führung in der Fahrerwertung verloren haben. Das Kräfteverhältnis im WM-Fight hat sich dennoch zu seinen Gunsten verschoben. Vor allem in Sachen Motorleistung hat Mercedes seit Silverstone mächtig aufgerüstet, ist auf den Geraden so schnell, dass sich der einzige ernsthafte Konkurrent Red Bull verwundert die Augen reibt.

"Sie haben mit ihrem Speed auf den Geraden einen beträchtlichen Schritt gemacht", sagte Red-Bull--Teamchef Christian Horner in der Türkei. "Das konnten wir vorher noch mit kleineren Flügeln bei uns ausgleichen, jetzt kommen wir nicht mehr ran."

Zwei Worte aus der Kategorie "Da stimmt was nicht"

Der Mercedes-Vorteil sei vor allem im Istanbul Park sichtbar gewesen, wo Hamilton laut Horner trotz "einem größeren Heckflügel einen signifikanten Vorteil auf der Geraden hatte". Die Mahnung des Chefs an sein Team: "Wir müssen unser Paket maximieren, so gut wir können, es ist überraschend, dass sie bei der Power Unit einen derartigen Schritt gemacht haben."

Überraschend kann in der Formel-1-Sprache gleichwohl wie folgt decodiert werden: Irgendwas kann da doch nicht mit rechten Dingen zugehen im Heck des Mercdes W12. Weshalb Red Bull naturgemäß mit dem Thema schon beim Weltverband FIA vorstellig geworden ist. Nicht mit einem "offiziellen Protest", wie Horner betonte. Man habe nur "ein paar Fragen" gestellt, womit Red Bull nicht alleine sei.

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Auch andere Hersteller hätten Fragen aufgeworfen, die nun im Raum stünden. "Jetzt ist es an der FIA, sich das anzuschauen und zu überwachen", so Horner, der vielsagend anfügte: "Wenn man einen Speed auf der Geraden hat, der höher ist als mit geöffnetem DRS, dann ist das sehr beeindruckend." Beeindruckend, auch das ein Wort aus der Kategorie "Überraschend", ein Lob also, in dem auch ein Verdacht mitschwingt.

Hamilton sei auf den türkischen Geraden "15 bis 20 km/h" schneller gewesen als Verstappen, sagte Horner. "Das ist phänomenal. Wir müssen ein bisschen Tempo auf den Geraden finden - vielleicht hatten sie eine andere Downforce-Konfiguration, aber wir müssen Speed finden. Es kommen ein paar Strecken, die uns hoffentlich liegen, aber Austin ist Hamilton-Territorium", blickte der Red-Bull-Teamchef pessimistisch auf den Großen Preis der USA in eineinhalb Wochen. Seit Beginn der Hybrid-Ära gewann Mercedes fünf von sechs Rennen in Texas, allein viermal siegte Hamilton. Verstappen mag in der WM führen - Red Bull steht dennoch mächtig unter Druck.

Quelle: ntv.de, mar/rtl.de/tsi

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