Formel1

Formel-1-Lehren aus Spielberg Vettels Frust wird gefährlich für Aston Martin

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Ein Bild, das womöglich bald nicht mehr zu sehen sein wird. Dann, wenn Vettel seine Karriere beendet.

(Foto: IMAGO/Motorsport Images)

Für Mick Schumacher könnte es wohl direkt am kommenden Wochenende weitergehen mit der Formel 1 - er hat einen Lauf. Ganz anders als Sebastian Vettel, für den die Pause dringend nötig ist. Aston Martin hat viel zu tun, auch Ferrari muss nachrüsten. Denn noch ist der WM-Kampf nicht entschieden.

Verstappen sollte sich nicht zu sicher sein

Max Verstappen führt weiter. 38 Punkte sind es nun. 34 gab es maximal am Rennwochenende von Spielberg. Heißt auch: Bei noch elf Rennen, davon ein weiteres mit Sprintentscheidung und weiteren acht Punkten neben den maximal möglichen 26 im Rennen, sind noch viele, viele Zähler zu vergeben. Was aber auch deutlich wurde: Verstappen versucht nicht mehr auf Biegen und Brechen, sich zu verteidigen und das Optimale unter höchstem Risiko rauszuholen, wenn Schadensbegrenzung wie mit Platz zwei beim Red-Bull-Heimspiel ihrem Namen alle Ehre macht. Gerade mal sechs Punkte büßte er ein.

Dennoch wurde deutlich, dass er sich auf sehr viel Gegenwehr gefasst machen muss. Charles Leclerc brauchte diesen Sieg für das Punktekonto, vor allem aber für sein Selbstvertrauen. Hinzu kommt, dass Mercedes mit Rekordweltmeister Lewis Hamilton (3.) und George Russell (4.) immer näher heranrückt und wichtige Punkte stehlen kann.

Ferrari jubelt, Ferrari wackelt kräftig

Charles Leclerc war ein großer Sieger, der Jubel nach genau drei Monaten ohne Erfolg war ausgiebig, auch Ferrari feierte das Comeback des Titelanwärters. Bei genauerem Blick war aber vieles genau so, wie in den vergangenen Wochen: Die Scuderia ist ein wackliges Gebilde. Der Motor von Carlos Sainz brannte lodernd aus, und Leclerc selbst klagte in der Schlussphase über das merkwürdige Verhalten seines Gaspedals. Allzu viel fehlte wohl nicht zum nächsten großen Ferrari-Drama. Es dürfte ein Thema dieser Saison bleiben: Die roten Autos sind sehr schnell. Und oft sehr schnell kaputt.

Schumacher nimmt Fahrt auf

Man kennt das von den Ketchup-Flaschen. Man schüttelt und schüttelt, nichts kommt heraus. Wenn aber irgendwann doch etwas kommt, dann so richtig. Mick Schumacher hat seinen Haas lange ohne Ertrag über die Formel-1-Rennstrecken dieser Welt geprügelt - seit Anfang Juli nun holt er aber plötzlich jede Menge heraus. Vier Punkte waren es in Silverstone, doppelt so viele jetzt in Spielberg. Die Leistungen des 23-Jährigen waren schon zuvor immer konstanter geworden, "es ist eine Frage der Zeit", sagte Schumacher daher, und er behielt recht.

Er liefert damit sehr gute Argumente für die Vertragsverlängerung - oder sogar einen Teamwechsel: Ein Name von Weltruhm gepaart mit Erfolg. Dass Mick Schumacher am Österreich-Wochenende auch seinen Frust über Teamentscheidungen nicht verhehlte, gehört zum Reifeprozess. Es scheint sich zudem ein Muster aus den Nachwuchsserien zu wiederholen: Der Deutsche benötigt Anlaufzeit, nimmt dann aber Schwung auf. Schumacher ist in dieser Form eine echte Bereicherung für den kleinen Haas-Rennstall, der ihm momentan auch ein bemerkenswert gutes Auto hinstellt.

Der viermalige Weltmeister am Ende - des Feldes

Sebastian Vettel wurde einst gefeiert auf dem Red-Bull-Ring. Er war der Star im Team, das in Österreich seinen Heim-Grand-Prix feiert. Doch das ist lange her. 2013 gewann Vettel zum vierten und letzten Mal die WM, damals im Red Bull. 2022 erlebte er in Spielberg im Aston Martin einfach nur Tage des Vergessens.

Von daher sagte er auch an diesem Wochenende mal wieder, dass er zu seiner Zukunft noch nichts sagen kann. Der Ex-Weltmeister hat noch nicht entschieden, ob er im kommenden Jahr noch in der Formel 1 fährt. Dabei macht es ihm sein Rennstall eigentlich leicht: Die Vorstellung von einem siegfähigen grünen Auto im kommenden Jahr erfordert schon viel Fantasie. Österreich war ein besonders schwieriges Wochenende, Vettel war stets am Ende des Feldes unterwegs. Und fiel in der Steiermark allenfalls durch sein Engagement für den Bienenschutz auf. Und durch seine Rolle als Wortführer der Fahrer, im Drivers Meeting geriet er stellvertretend für den Rest des Feldes mit der Rennleitung aneinander.

Zuschauer, Stimmung, Sorgen

Das Wochenende hätte eine große, makellose Werbeveranstaltung sein können, für die Formel 1 und den Grand Prix in Spielberg. 303.000 Zuschauer zählten die Organisatoren über das gesamte Rennwochenende, Rekord in der Steiermark. Und die Königsklasse lockt ja auch anderswo wieder jede Menge Fans an die Strecken. Die große Geschichte beim Blick auf die vollen Tribünen war an diesem Wochenende dennoch eine andere. Zahlreiche Berichte über sexistische Äußerungen und sexuelle Belästigungen im Zuschauerbereich sorgten für Entrüstung, die Formel 1 strengte eine Untersuchung an, Max Verstappen und Lewis Hamilton zeigten sich "schockiert" und "angewidert". Und wenn die Rennserie ganz ehrlich ist, muss sie wohl davon ausgehen, dass Ähnliches auch an anderen Strecken geschieht.

Quelle: ntv.de, ara/dpa/sid

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