Formel1

F1-Talent drängt auf Beförderung Vettels Zukunft hängt auch an George Russell

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Auch wenn die Ausgangslage alles andere als rosig ist, treibt er das Team nach vorne: George Russel.

(Foto: imago images/Motorsport Images)

Nicht nur in der virtuellen Formel 1 ist George Russell einer der Besten. Doch für Siege in der echten Königsklasse fehlt dem 22-Jährigen das richtige Auto. Bei Mercedes könnte ein Platz frei werden, das Team hält große Stücke auf den Briten, den Lewis Hamilton und Sebastian Vettel nicht einschüchtern.

Sim-Racing ist schön und gut, lässt bei all dem Spaß und der Action aber keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Fahrers in einem echten Formel-1-Boliden zu. Das zeigt das Beispiel Antonio Giovinazzi. Der Italiener leistete als Simulator-Pilot von Ferrari 2017 und 2018 durch seine im virtuellen Cockpit gesammelten Daten laut Ex-Boss Maurizio Arrivabene einen maßgeblichen Anteil daran, Sebastian Vettel im Titelrennen gegen Lewis Hamilton zu halten. In seiner ersten vollen F1-Saison 2019 bei Alfa Romeo konnte Giovinazzi aber nur selten überzeugen.

Daher sind die beiden Siege, die George Russell bei den jüngsten Virtual Grands Prix der Formel 1 einfuhr, auch kein Indiz für eine große Karriere. Seine beeindruckende Entwicklung auf den realen Rennstrecken dagegen schon. Im Unterbau der Königsklasse gewann der Brite alles. 2017 die GP3, 2018 die Formel 2 - und zwar beides in seiner ersten Saison. Mehr als genug, um Mercedes-Junior zu werden. Den F1-Serienweltmeister beeindruckt er seit 2017 bei seinen gelegentlichen Tests im F1-Auto ein ums andere Mal. 2019 folgte der verdiente Einstieg in die Formel 1 mit Williams.

Obwohl er als Sieger der beiden Nachwuchsserien sowieso in der Pole Position für einen Sitz im Williams-Cockpit war, ließ Russell auch abseits des Asphalts nichts anbrennen: Mit einer Power-Point-Präsentation stellte er Teamchefin Claire Williams dar, warum er der richtige Mann für das Traditionsteam sei - mit Erfolg. In ähnlicher Manier errang er seinen Status als Mercedes-Juniorfahrer. 2017 schickte er ohne Ankündigung einen detaillierten Lebenslauf an Toto Wolff und konnte den Teamchef damit wohl überzeugen, ihn wenig später unter Vertrag zu nehmen.

Duell mit Kubica dominiert

Bei Williams traf er in seiner Debütsaison auf niemand Geringeren als Grand-Prix-Sieger Robert Kubica. Der Routinier landete gegen den Emporkömmling keinen Stich. 21:0 entschied Russell das Qualifying-Duell für sich, im Rennen war das Kräfteverhältnis ähnlich ausgeprägt. Mit dem im Kampf um Punkteplatzierungen hoffnungslos unterlegenen Williams waren das allerdings die einzigen Glanzlichter, die der 22-Jährige setzen konnte.

In der Netflix-Dokumentation "Drive to Survive" ist außerdem zu sehen, dass Russell trotz seines Rookie-Status' schon Anführer des Teams ist, mit dem einst Piloten wie Alain Prost, Nigel Mansell oder Damon Hill die Fahrer-Weltmeisterschaft gewannen. In bester Michael-Schumacher-Manier sieht man einen charismatischen jungen Mann, der das Team nach vorne treibt und mitnimmt, obwohl die Ausgangslage alles andere als rosig ist.

Russell gilt als kompletter Fahrer, das weiß neben vielen Experten auch Toto Wolff, der den Youngster unbedingt im Mercedes-Werksteam unterbringen will. Doch der Bewerberkreis für die beiden Cockpits ist äußerst prominent. Neben den derzeitigen Fahrern Lewis Hamilton und Valtteri Bottas könnte auch Sebastian Vettel ein Thema werden. Bezüglich des Deutschen hält sich Wolff bislang sehr bedeckt. Bottas scheint die Posse um den Vertrag für 2021 jedoch schon zu heiß zu werden, sein Manager verhandelt vorsichtshalber wohl mit Renault, sollte Mercedes den Finnen vor die Tür setzen.

"Hoffe, dass Hamilton das bereut"

Ein Zuckerschlecken wird der Kampf ums Silber-Cockpit für Russell also nicht. Schon gar nicht, wenn er im Kampf um den Werkswagen einen mehrmaligen Weltmeister wie Sebastian Vettel ausstechen muss.

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Am nötigen Selbstvertrauen dafür fehlt es dem jungen Briten aber nicht, wie anhand einer kleinen Anekdote klar wird: Weltmeister Lewis Hamilton gab ihm 2018 einen Tipp für das richtige Reifenmanagement in der Formel 2, was Russell heute wie folgt kommentiert: "Das (der Tipp) hat mir einen kleinen Vorteil verschafft und war mir später auch bei meinen Rennen mit Williams von Nutzen. Diese kleine Information hat etwas in meinem Kopf ausgelöst. Ich hoffe, Lewis Hamilton wird eines Tages bereuen, dass er mir diesen Ratschlag gegeben hat."

Damit zeigt Russell, dass er auch vor den größten Gegnern keine Scheu hat. Ob es in naher Zukunft aber zum teaminternen Duell mit Hamilton kommt, ist offen. Bislang hat Mercedes als einziges der Top-Teams noch keine Entscheidung bezüglich seines Fahrerduos für die kommende Saison getroffen.

Quelle: ntv.de, rtl.de/tsi