Fußball-EM

"Gut gemacht Jungs. Weiter so!" Russischer Politiker verteidigt Fan-Krawalle

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Russische Randalierer machen während des Spiels im Stadion Jagd auf englische Fans.

AP

Mit Entsetzen reagieren Funktionäre, Experten und Fußball-Fans auf die Ausschreitungen von Marseille. Ganz anders der russische Vize-Parlamentspräsident Lebedew. Der findet daran "nichts Schlimmes". Schließlich gehe es um die Ehre des Landes.

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Der russische Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew hat die Fanausschreitungen von Marseille verteidigt. "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht Jungs. Weiter so!", schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten bei Twitter. Lebedew ist auch Vorstandsmitglied des russischen Fußball-Verbandes.

Er verstehe die Politiker und Funktionäre nicht, die die Fans kritisieren würden. "Wir sollten sie verteidigen und dann können wir es klären, wenn sie nach Hause kommen", schrieb Lebedew weiter. Bei den Krawallen in Marseille rund um die EM-Partie Russland gegen England (1:1) waren nach Angaben des Staatsanwalts von Marseille, Brice Robin, etwa 150 russische Hooligans beteiligt. Keiner konnte festgenommen werden. 35 Menschen wurden bei den Ausschreitungen verletzt, vier davon schwer, ein weiterer Mensch schwebt weiter in Lebensgefahr.

"Unfähigkeit der Polizei"

Was in Marseille und anderen französischen Städten passiert sei, "ist nicht die Schuld der Fans, sondern die Unfähigkeit der Polizei, solche Events angemessen zu organisieren", schrieb Lebedew weiter. Die Hooligans hätten "die Ehre ihres Landes verteidigt und es den englischen Fans nicht gestattet, unser Land zu entweihen", sagte Lebedew. "Wir sollten vergeben und unsere Fans verstehen."

Lebedew ist der Sohn des Rechtsaußenpolitikers Wladimir Schirinowski, dessen ultranationalistische Liberaldemokratische Partei Russlands (LDPR) er als Abgeordneter in der Duma, dem russischen Unterhaus, vertritt. Im Gegensatz zu ihm hatte das Exekutivkomitee der Russischen Fußballunion die Gewalt verurteilt.

Derweil wurden zwei englische Schläger nach den Krawallen zu mehrmonatigen Haftstrafen verurteilt. Ein 41 Jahre alter Krankenpfleger muss drei Monate ins Gefängnis, ein 20 Jahre alter Koch zwei Monate. Beide wurden in dem Schnellverfahren zudem mit einem zweijährigen Einreiseverbot belegt. Insgesamt sollte zehn Personen der Prozess gemacht werden - sechs Briten, drei Franzosen und einem Österreicher. Russische Hooligans waren bei den schweren Ausschreitungen nicht in Gewahrsam genommen worden.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa/sid

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