55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 16/17 Der FC Bayern hat neue Feinde

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Wegen des Auftritts von Popstar Anastacia dauert die Halbzeitpause beim FC Bayern sieben Minuten länger - und der SC Freiburg fühlt sich verschaukelt.

(Foto: imago/MIS)

Ein Popstar bringt die Meisterfeierlichkeiten in München durcheinander. Uli Hoeneß entdeckt neue Feinde am Konkurrenten-Himmel und in Hoffenheim macht sich der jüngste Trainer der Fußball-Bundesliga warm für größere Aufgaben.

Standesgemäß wird der FC Bayern München am 31. Spieltag mit einem 6:0-Sieg bei stark abstiegsgefährdeten Wolfsburgern zum fünften Mal hintereinander Deutscher Meister. Nach der deutlichen Klatsche sagt der ehemalige Bayern-Stürmer Mario Gomez: "Am Ende war es vom Gefühl her wie Männerfußball gegen Jugendfußball." Kuriosität am Rande: Wegen der Meisterschaftsshow mit US- Star Anastacia dauert die Halbzeitpause beim Heimspiel gegen den SC Freiburg geschlagene sieben Minuten länger. Der Freiburger Trainer Streich reagiert nachdenklich: "Man muss schauen, dass man das Rad nicht überdreht."

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Mit dem Aufsteiger RB Leipzig scheint eine neue Konkurrenz für die Bayern heranzuwachsen. Bis zum 14. Spieltag sind die Sachsen ungeschlagen. Dann verspricht Karl-Heinz Rummenigge dem Nachbarn FC Ingolstadt bei einem Sieg ein Weißwurst-Essen – und siehe da, es hilft. Nach der 1:0-Niederlage von RB bei den Schanzern und einem gleichzeitigen 5:0 der Bayern über Wolfsburg schieben sich die Münchener an die Tabellenspitze. Fast bis zum Schluss bleiben die Leipziger der einzige ernstzunehmende "Feind" (Uli Hoeneß) der Bayern.

"Das ist Wahnsinn"

Als die beiden Topteams am 33. Spieltag aufeinandertreffen, endet die spektakuläre Partie mit 5:4 für die Alt-Bullen – nach einem zwischenzeitlichen 4:2-Vorsprung der Neu-Bullen. Robert Lewandowski erklärt die beeindruckende Energieleistung seiner Mannschaft pragmatisch: "Wenn der Erste gegen den Zweiten spielt, dann musst du zeigen, dass du besser bist." RB-Trainer Ralph Hasenhüttl ist dennoch zufrieden: "Wir haben heute keine Punkte gewonnen, aber viel, viel mehr, wie ich finde: Herzen und Sympathien für das, was wir gespielt haben. Wir sind Zweiter in dieser Saison, das ist Wahnsinn." Nach Meinung von Bayerns Trainer Carlo Ancelotti sind dies bloß die ersten Meter einer langen Erfolgsreise: "Für sie ist es nur der Beginn einer fantastischen Periode."

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Jecke Zeiten in Köln: Der Effzeh nimmt an der Europa League teil.

(Foto: imago/Herbert Bucco)

Die Überraschungsmannschaft der Saison ist jedoch noch ein anderes Team: Die TSG Hoffenheim mit dem jüngsten Bundesligatrainer – nach Bernd Stöber, der am 23. Oktober 1976 mit 24 Jahren allerdings nur für ein Spiel den FC Saarbrücken coachte – aller Zeiten, Julian Nagelsmann. Die Medien lieben den eloquenten Übungsleiter. Schnell wird er als zukünftiger Bayern-Coach gehandelt. Nagelsmann pariert das Gerücht wie ein alter Hase: "Ich bin im Austausch mit Hasenhüttl und Tuchel. Wir einigen uns gerade, wer Trainer und wer Co-Trainer wird." Schon früh steht fest, dass Nagelsmann mit Rudy und Süle zwei seiner Spieler in der kommenden Saison an die Münchener verlieren wird. Doch auch das kann den jungen Coach nicht aus der Ruhe bringen: "Ein Bauer muss sich auch ab und zu von seinen Kühen und Schweinen trennen. Das gehört dazu."

Der 1. FC Köln steht Kopf

In der Rückrunde dreht eine Mannschaft ganz besonders auf. 40 Tore schießt das Team des SV Werder Bremen. Beim 5:2-Auswärtssieg in Freiburg netzt der dänische Nationalspieler und Winterneuzugang Thomas Delaney gleich dreimal ein. Der erfolgreiche Musiker und Werder-Fan Jan Delay ist nicht mehr zu halten: "Das Bezirksamt Hamburg-Altona hat meinem Antrag stattgegeben. Ich heiße jetzt 'Jan Delaney'". Nach dem Spiel steht der gefeierte Däne den Journalisten allerdings kurz Rede und Antwort. Delaney hat Wichtiges vor: "Ich muss jetzt erst einmal schauen, ob mein Wikipedia-Eintrag auf dem neuesten Stand ist."

Schon früh in der Saison wird Kölns Trainer Peter Stöger gefragt, was denn passieren würde, wenn sich der 1. FC Köln für die Europa League qualifizieren sollte. In seiner ihm eigenen Art antwortet der Österreicher nüchtern: "Dann würden wir daran teilnehmen." Dies tun sie nun auch – nach 25 Jahren zum ersten Mal. Beim Saisonfinale gegen Mainz steht ein ganzer Klub Kopf und trällert fröhlich den Klassiker: "Eines Tages, eines Tages, eines Tages wird’s geschehen. Und dann fahren wir nach Mailand, um den FC Köln zu sehen."

Wieder einmal gibt es die größte Spannung in der Liga im Abstiegskampf. Am vorletzten Spieltag rettet sich Mainz 05 nach einem Kraftakt (4:2 nach 0:2 gegen Eintracht Frankfurt) vor dem Abstieg. Als ein Journalist nach der Partie 05-Sportdirektor Rouven Schröder nach seinen Plänen für die kommende Saison fragt, entgegnet dieser im Überschwang der Gefühle: "Heute will ich einfach nur planen, was ich trinke."

Das Fan-Banner des Jahres kommt nach einer Spielzeit zum Verstecken von den Anhängern des S04. Bei der letzten Partie in Ingolstadt halten Schalker Fans dem Team ein sehr spezielles Plakat entgegen: "Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich hinterher gereist ist."

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Quelle: n-tv.de

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