Fußballticker

Automatisch aktualisieren
 WM 2018, Fr., 22. Jun. 14:00 Uhr SpieltagTabelle
Brasilien -:-  Costa Rica Spielbericht
 WM 2018, Fr., 22. Jun. 17:00 Uhr SpieltagTabelle
Nigeria -:-  Island Spielbericht
Sport
Das waren Zeiten: Kaiserslauterns sportlicher Leiter Rainer Geye, Präsident Norbert Thines - und die Meisterschale.
Das waren Zeiten: Kaiserslauterns sportlicher Leiter Rainer Geye, Präsident Norbert Thines - und die Meisterschale.(Foto: imago sportfotodienst)
Samstag, 27. Januar 2018

Redelings über die Saison 90/91: "Die Bayern sind laut, wir sind Lautern!"

Von Ben Redelings

Derzeit liegt der 1. FC Kaiserslautern am Boden. Ganz anders als 1991. Endlich sind "die anderen" einmal nicht zu "dumm" für den Titel. Die Roten Teufel drucken im Überschwang provokante T-Shirts gegen den FC Bayern, die für ordentlich Stress sorgen.

Im Sommer 1990 kündigte Leverkusens Manager Reiner Calmund an: "Vor den Bayern brauchen wir uns nicht mehr in die Hosen zu machen. In dieser Saison werden wir am Thron der Münchner kratzen." Das sieht Münchens Lautsprecher Stefan Effenberg allerdings ganz anders: "Die anderen sind zu dumm zum Titelgewinn." Doch wenn zwei sich streiten, freut sich bekanntlich der Dritte - auch in der Fußball-Bundesliga. In diesem Fall sind das die Roten Teufel aus der Pfalz. Unter der Leitung ihres neuen Trainers Karl-Heinz Feldkamp hatte der 1. FC Kaiserslautern in der Saison 1989/1990 ab März eine überragende Serie hingelegt, die Feldkamp zu der Aussage verleitete: "Wenn wir eine ganze Saison so gespielt hätten, wären wir vielleicht sogar Meister geworden." Nun greifen sie tatsächlich an.

55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum: Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten
EUR 19,90
Datenschutz

Am Ende wird es ein Zweikampf zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und dem FC Bayern. Nachdem die Münchner am 23. März auf dem Betzenberg mit 1:2 verloren haben, erzählen sie hinterher trotzig in die TV-Kameras: "Die Lauterer können doch nur Einwürfe und Eckbälle." Woraufhin Stefan Kuntz, der Kapitän der Roten Teufel, spitzfindig entgegnet: "Erstaunlich, dass sie dann gegen uns verloren haben." Auch Bayerns Manager Uli Hoeneß sagt trotz der Niederlage der Münchner: "Jeder, der Ahnung hat, weiß, dass Kaiserslautern nicht Deutscher Meister wird." Es ist das berühmte Pfeifen im Wald, wie sich später herausstellt.

Zum Schluss der Saison wagen die Lauterer schließlich selbst einen ironischen Großangriff auf die Bayern. Nach dem 0:0 am 30. Spieltag in Düsseldorf und nur noch zwei Punkten Vorsprung auf die Münchner präsentieren sie der Presse T-Shirts mit ganz speziellen Aufdrucken: "Bayern ist schön. Lautern ist oben", "München, Weltstadt mit Schmerz", "Bayern sind laut, wir sind Lautern" und "Let’s go Viezemeister". Absichtlich mit "ie", wie Stefan Kuntz erklärt: "Wie ernst wir das nehmen, zeigt die Schreibweise." Die Shirts sind die Antwort auf eine Reihe von Sprüchen aus München, wie dieser von Olaf Thon: "Lautern wird Meister. Vizemeister!"

Alleinunterhalter, Fahrer, Clown

Schalker Unikum: Charly Neumann.
Schalker Unikum: Charly Neumann.(Foto: imago sportfotodienst)

Er ist ein ganz spezielles Unikum: Charly Neumann liebt seinen Verein - und sein Verein liebt ihn. Der Großgastronom ist aber auch eine Seele von Mensch: "Ich mache alles auf Schalke. Den Alleinunterhalter, den Fahrer, den Clown - und wenn es sein muss, putze ich den Jungs auch noch die Schuhe. Für Schalke würde ich mein letztes Hemd geben. Auch wenn ich arm wie eine Kirchenmaus wäre. Ich bin der letzte wahre Schalker." Und neuerdings ist Neumann auch der "Charly von Müllermilch". 36.000 Mark kassieren die Königsblauen von ihrem Sponsor, weil er bei den Spielen vor der Nordkurve mit Käppi und Pullover vom Milchproduktehersteller herumtänzelt.

Bei Bayer Uerdingen bemerkt Trainer Timo Konietzka bei seinem Nachwuchsspieler Andreas Sassen, dass dieser die ganze Woche über schon heftig schwitzt. Sassen entgegnet seinem Coach: "Logisch, Trainer, ich lauf ja auch am meisten!" Konietzka lässt nicht locker: "Gib zu, dass du nervös bist vor deinem ersten Bundesligaspiel und heimlich Bier trinkst." Sassen will davon jedoch nichts wissen: "Ich und nervös? Quatsch. Niemals!" In den Folgejahren wird Sassen bei all seinen Vereinen Probleme mit Alkoholeskapaden haben. 1996 ist seine Fußballerkarriere schließlich beendet, nachdem er aus dem Wattenscheider Trainingslager an der Algarve mit einer holländischen Bardame abhaut und tagelang verschwunden bleibt. Seine Mannschaft reist ohne ihn ab. Konietzkas Vermutung bestätigt sich. Leider auf tragische Weise - im Jahr 2004 stirbt Sassen an einem Gehirnschlag.

Der Spruch der Saison kommt von Wattenscheids Trainer Hannes Bongartz. Ende Mai haben seine Spieler in der Lohrheide endlich wieder eine Partie erfolgreich mit 2:0 gegen Düsseldorf nach Hause gebracht. Der erste Sieg zu Hause seit dem 9. November des letzten Jahres. Bongartz sichtlich erleichtert: "Ich habe gewusst, dass wir noch einmal ein Heimspiel gewinnen. Nach dem Motto: Wenn’s lange regnet, wird jeder mal nass!"

Alle Artikel unserer wöchentlichen Serie "55 Jahre Bundesliga" finden Sie hier. Das neue Buch unseres Kolumnisten Ben Redelings: "55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum" bei Amazon bestellen. Redelings ist mit seinen Bühnen-Programmen republikweit unterwegs: Infos und Tickets zur Tour.

Datenschutz
Datenschutz

Quelle: n-tv.de