55 Jahre Bundesliga

Redelings über die Saison 07/08 Wut-Coach Doll "lacht sich den Arsch ab"

IMG_ALT
*Datenschutz

In Nürnberg gibt's den ersten Spielabbruch in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Beim HSV mobbt sich ein Niederländer mit sonderbaren Methoden fast weg, beim BVB begibt sich ein Trainer auf Trapattonis Spuren - Wutrede reloaded.

Einen großen Eklat erlebt die Fußball-Bundesliga iga am zweiten Spieltag der Saison 2007/2008 beim Derby des FC Schalke 04 gegen die Dortmunder Borussia, dass die Gelsenkirchener mit 4:1 für sich entschieden. Nachdem Schalkes Asamoah mit gestrecktem Bein in den BVB-Keeper Roman Weidenfeller gerutscht ist, entspinnt sich ein wütender Dialog zwischen den beiden. Während dieser verbalen Auseinandersetzung soll, so Asamoah hinterher, eine Äußerung in Bezug auf seine Hautfarbe in Verbindung mit dem Wort "Sau" oder "Schwein" gefallen sein. Den genauen Wortlaut kann der S04-Profi nicht mehr zweifelsfrei herleiten. Borussias Keeper hingegen kann sich auf Nachfrage des Vorsitzenden Sportrichters Anton Nachreiner genauer an seine eigenen Worte erinnern.

n-tv-Redelings.jpg

Er habe nicht, sagt Weidenfeller, "schwarzes Schwein" gerufen, sondern "schwules Schwein". Ein kleiner, feiner, aber für den DFB und einige Sponsoren des BVB sehr wichtiger Unterschied. Weil kein "rassistischer Hintergrund" vorliegt, sperrt der Fußball-Bund Weidenfeller wegen "einer herabwürdigenden und verunglimpfenden Äußerung" nur für drei Spiele und belegt ihn mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Euro. Ein Aufschrei geht durch die Bundesliga, als die Details der Urteilsbegründung bekannt werden.

"Denke, dass ich bald bei Valencia spielen werde"

Er ist auf jeden Fall zu einer Schlacht gegen den HSV bereit: "Ich werde dafür kämpfen, dass das mein Trikot wird. Ich denke weiter, dass ich bei Valencia spielen werde. Ich werde vor dem 1. September da sein." Um für Valencia international spielberechtigt zu bleiben, meldet sich Rafael van der Vaart vor dem Qualifikationsspiel zum Uefa-Cup des HSV bei Honved Budapest krank. Er habe sich einen Hexenschuss beim Heben seines Kindes geholt, lässt er ausrichten. Am Ende zerschlägt sich der Wechsel nach Spanien. Van der Vaart bleibt noch diese eine Saison in Hamburg und wechselt schließlich nach der Spielzeit zu Real Madrid.

Das neue Buch von Ben Redelings

"55 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum. Unvergessliche Bilder, Fakten, Anekdoten". Die überarbeitete und erweiterte Neuauflage des vergriffenen Bestsellers. Mit unterhaltsamen Geschichten aus über fünf Jahrzehnten Fußball-Bundesliga. 416 Seiten, Hardcover, Fotos, durchgehend farbig gestaltet. Informationen zum Buch & und den Tourterminen des Autors: www.scudetto.de

Die Begegnung des 28. Spieltags zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem VfL Wolfsburg ist die erste Partie seit der Gründung der Bundesliga, die wegen schlechter Witterungsbedingungen nicht zu Ende gespielt werden kann. Nach dem Wechsel verschiebt Schiedsrichter Jochen Drees zunächst den Anstoß, um das Spiel nach einem längeren Abwarten schließlich komplett zu beenden. Schiedsrichtersprecher Manfred Amerell spricht von einer "Entscheidung der Vernunft" und "dass ein regulärer Spielverlauf nicht mehr gewährleistet" sei. Zu diesem Zeitpunkt haben die Zuschauer bereits eine lebhafte erste Halbzeit im Dauerregen gesehen, in deren Verlauf immer mehr der Zufall das Geschehen bestimmte. Auch der Führungstreffer durch Saenko ist zu großen Teilen den Platzverhältnissen geschuldet. Bei seinem Schuss aus 15 Metern rutscht Wolfsburgs Keeper Diego Benaglio aus, und der Ball flutscht an seinen Händen vorbei ins Tor. Natürlich werden bei allen Beteiligten Erinnerungen an die "Regenschlacht von Frankfurt" bei der WM 1974 zwischen Deutschland und Polen wach. Vor allem als durch die Nürnberger Greenkeeper schweres Gerät aufgefahren wird.

Mal wieder die Bayern

Den Titel holen mal wieder die Bayern. Bereits am 31. Spieltag können die Münchner durch ein torloses Remis in Wolfsburg den Gewinn der 21. Meisterschaft perfekt machen. Der amtierende Pokalsieger, der 1. FC Nürnberg, und die beiden Aufsteiger aus Rostock und Duisburg müssen runter in die zweite Liga. In Dortmund sorgt der scheidende Trainer Thomas Doll auf einer legendären Pressekonferenz Ende April für mediales Aufsehen.

Seine "Wutrede" geht in der direkten Nachfolge eines Giovanni Trapattoni in die Geschichte der Bundesliga ein: "Wenn man was Schlechtes sehen will, sieht man was Schlechtes. Wenn man die andere Seite sehen will, kann man vielleicht auch mal die andere Seite sehen. Und das ist das, was mich so ärgert. Wir sollen jetzt am Freitagabend eine Mannschaft auf den Platz bringen, die durchs Feuer geht, aus der aber acht Mann hier eigentlich gar keine Rolle mehr spielen. Da lach ich mir doch den Arsch ab. Echt! Und das ist das, was mich ärgert. Und wir brauchen uns hier nicht jedes Mal hinsetzen, ob ’nen Kehl am Wochenende spielt und ob der am Wochenende spielt! Ist doch alles Blablabla. Alles Blablabla ist das."

Alle Artikel unserer wöchentlichen Serie "55 Jahre Bundesliga“ finden Sie hier. Das Buch: "55 Jahre Bundesliga - das Jubiläumsalbum" bei Amazon bestellen. Redelings ist mit seinen Bühnen-Programmen unterwegs: Infos und Tickets zur Tour.

Quelle: n-tv.de