Fußball

Falsche Art der Kritik Alte Erfolgsära des FC Bayern endet im Frust

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Ärgern? Kann sich Lewandowski auch über seine eigene Leistung.

(Foto: imago images / ActionPictures)

Auch wenn Uli Hoeneß gerade erst sagte, dass Titel in dieser Saison des FC Bayern nicht das Wichtigste seien, so entlädt sich nach dem Champions-League-Aus bei einigen Spielern der Frust. Dieser zielt allerdings in die falsche Richtung.

Wer der im vergangenen Krisenherbst verbreiteten These anhängt, dass Niko Kovac als Trainer des FC Bayern Teile der Kabine (so nennt man es tatsächlich, wenn Spieler nicht überzeugt vom Coach sind) nicht oder nicht mehr hinter sich habe, der wird nach dem ernüchternden Achtelfinal-Knockout der Münchener in der Champions League gegen den FC Liverpool nun triumphierend aufzeigen. Seht her, so ist es.

Der wohl auch von der eigenen Eher-nicht-Leistung gefrustete Robert Lewandowski wunderte sich - worüber man sich übrigens auch wundern darf - in einem TV-Interview sehr offensiv über die risikobefreite und zurückhaltende Spielweise der Münchener sowohl beim 0:0 im Hinspiel, noch mehr aber bei der 1:3 (1:1)-Niederlage am Mittwochabend in der heimischen Arena. Auch Mats Hummels gibt weniger attackierend, aber ebenso bestimmt in der Sache zu bedenken, dass dem Spiel seiner Mannschaft gegen ein pressendes Team wie Liverpool die eine oder andere "Begebenheit" mehr in der Spielanlage gut getan hätten.

Er sagt aber auch, dass es nicht am Trainer liege. Und wenn es doch so wäre? Na und: Selbst der unangreifbare Josep Guardiola hat die Bayern Ende April 2014 im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid amtlich vercoacht. Und Bundestrainer Joachim Löw wählte gegen Italien im EM-Halbfinale eine nur auf den Gegner ausgerichtete Taktik und scheiterte. Geschadet hat's beiden nicht.

Frust ist für Klub gefährlich

Wenn's nun aber nicht an Kovac lag, an wem denn dann? Na klar, dann natürlich an den Spielern. Muss ja. Die standen schließlich auf dem Rasen. Und sie waren ihrem Gegner beim ersten Achtelfinal-K.o. seit acht Jahren in allen Belangen unterlegen: im Tempo, in der Physis und in der Ausstrahlung. Ist das des Trainers Taktik Schuld? Wohl kaum. Allein Liverpools Abwehrchef Virgil van Dijk hat an diesem Abend gereicht, um dem FC Bayern jeden Mut zu nehmen. Zu unerschütterlich stand er da. Zu unaufgeregt verteidigte er alles weg, was es weg zu verteidigen gab. In Wahrheit war das nicht besonders viel. Erst recht nicht von Robert Lewandowski.

Für den Polen ist an diesem Mittwochabend die nächste große Chance geplatzt, seinen Ruf als "beste Nummer neun der Welt" endlich mit einem großen internationalen Titel zu dekorieren. Viele Chancen wird der 30-Jährige nicht mehr bekommen. Wie so viele andere auch im Kader des FC Bayern: Der verletzte Arjen Robben verlässt den Klub im Sommer und lässt seine Karriere mutmaßlich in der niederländischen Heimat ausklingen. Franck Ribéry ist auch so einer, der wohl gehen wird. Und was wird aus Mats Hummels und Jérôme Boateng, wenn im Umbruchsommer 2019 mit Benjamin Pavard (fix), Lucas Hernandez (gut möglich) und Matthijs de Ligt (nicht unmöglich) gleich drei neue Verteidiger kommen, die ihren Platz neben dem gesetzten Niklas Süle suchen? Der Frust der nun Gescheiterten im für sie wichtigsten Wettbewerb der Saison - menschlich nachvollziehbar. Für den Klub aber gefährlich.

Erfolgreiche Generation scheidet aus

Beim FC Bayern ist in dieser Saison bekanntermaßen alles im Umbruch. Und wenn sie es mit dem Umbruch ernst meinen - daran bestehen grundsätzlich keine Zweifel - dann brauchen sie Ruhe, Gelassenheit und gelebte Überzeugung vom freiwillig eingeschlagenen Weg in dieser chaotischen Saison und von der Arbeit des Trainers. Auch wenn diese weniger auf Spektakel und mehr auf Kontrolle ausgerichtet ist (das war übrigens schon vor Amtsantritt bekannt) und egal ob diese Spielzeit mit keinem, mit einem oder vielleicht doch noch mit zwei Titeln endet. Kovac wirkt auch trotz aller Beteuerungen der Klub-Bosse noch immer nicht richtig angekommen und gefestigt - zu oft umweht ihn die Aura eines Münchener Kompromiss auf dem Weg zu einer großen Trainer-Lösung. Sportdirektor Hasan Salihamidzic ist emsig bemüht sich zu profilieren, aber auch er schafft es nur selten den Eindruck eines noch intensiv Lernenden zu vermitteln.

Das alles ist in der Sache überhaupt nicht tragisch - wenn im Klub und im Umfeld akzeptiert wird, dass mit dem ebenso gewollten wie nötigen Umbruch auch das Ende einer Erfolgs-Ära einhergeht. Die spielerisch so dominante und sportlich so erfolgreiche Generation der 2010er-Jahre geprägt von Louis van Gaal, Jupp Heynckes, Josep Guardiola, Carlo Ancelotti (eher weniger), erneut Jupp Heynckes, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Xabi Alonso, Ribéry und Robben ist bereits weg oder tritt nun notwendigerweise ab. Und mit ihr eine Spielidee, ein Selbstverständnis. Der Umbruch ist demnach ein fluides Vakuum. Es braucht neue Inhalte. Mit Überzeugung. Mit Vetrauen. Mit Lerneffekten. Mit Kritik. In und aus der Kabine. Nicht aber mit öffentlichem Frust und Unverständnis.

Quelle: n-tv.de

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