Fußball

Terzic erlöst den BVB mit Sieg An der Seitenlinie ein Klopp

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Emotional und angriffslustig: Klopp ... äh, Terzic.

(Foto: imago images/Revierfoto)

Edin Terzic meistert sein Debüt als Cheftrainer von Borussia Dortmund. Spielerische Leichtigkeit kann er dem Fußball-Bundesligisten bei nur zwei Tagen Vorbereitung zwar noch nicht vermitteln, dafür aber die richtige Mentalität. Sein Verhalten an der Seitenlinie erinnert an Jürgen Klopp.

Edin Terzic stand mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und gab verbal Vollgas. "Geh ran, gute Aktion", schrie er. Der 38-Jährige lobte seine Spieler namentlich, gab ständig Anweisungen und stand sichtbar unter Strom. Als Raphael Guerreiro Borussia Dortmund in der 12. Minute mit 1:0 gegen Werder Bremen in Führung brachte, genehmigte sich der neue Trainer nur einen kurzen Jubel, ehe er seine Spieler wieder anpeitschte: "Weiter geht's, weiter geht's." Was für ein Kontrast: War der am Sonntag freigestellte Lucien Favre ein ruhiger Vertreter an der Seitenlinie, so erinnert Terzic mit all seiner Emotionalität an Jürgen Klopp.

Der Deutsch-Kroate lebt vor, was er von seiner Mannschaft erwartet: "Wir haben mitgefiebert, von außen und auf dem Platz. Da war eine Einheit. Das war super." Mit dem 2:1 in Bremen hat Borussia Dortmund die Negativserie in der Fußball-Bundesliga beendet. Zuvor war der BVB drei Spiele in Folge sieglos geblieben. Das 1:5 gegen den VfB Stuttgart war der Tiefpunkt und gleichzeitig der Auslöser für die Freistellung von Favre. "Wir haben die Verantwortung für das gespürt, was am Samstag passiert ist", sagt Terzic. "Wir wollten eine Reaktion zeigen. Das ist uns gelungen."

"Großes Kompliment" von Marco Reus

Viel Zeit hatte der Übungsleiter nicht, um die Mannschaft auf das Spiel in Bremen vorzubereiten. Erst am Sonntag wurde er vom Assistenz- zum Cheftrainer befördert. Kapitän Marco Reus lobt: "In der kurzen Zeit war es unheimlich schwierig für ihn. Ein großes Kompliment, wie er das gemeistert hat." Doch was genau hat Terzic überhaupt verändert?

Zunächst einmal die Formation. Ließ Favre den BVB hinten mit einer Dreierkette agieren, stellte Terzic auf eine Viererkette um. Dadurch wurde nicht automatisch alles besser. Der Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 resultierte zum Beispiel aus einem Abspielfehler des Innenverteidigers Manuel Akanji. Und im Spiel nach vorne konnte sich Dortmund trotz der spielerischen Dominanz wenig Großchancen herausspielen. Beide Tore resultierten in gewisser Weise aus Standardsituation. Guerreiro traf über Umwege infolge eines Freistoßes, Marco Reus später bei seinem Elfmeter per Nachschuss.

"Wir haben die Grundformation verändert. Dass die Abläufe da noch nicht so stimmen, ist normal", sagt Reus. "Aber der Glaube war da, dass wir eine gute Mannschaft sind, wenn wir alles zusammen machen, als Einheit, sowohl defensiv als auch offensiv." Heißt also: Anstatt spielerisch zu glänzen, haben sich die Dortmunder den Sieg erarbeitet.

Genau diese Mentalität hatte der Trainer von seiner Mannschaft erwartet: "Wir haben eine Mannschaft gesehen, die neben und auf dem Platz alles für den Sieg getan hat. Darum geht es, wenn es spielerisch mal nicht so leicht funktioniert." Weiter sagt Terzic: "Die Leichtigkeit ist uns verloren gegangen. Es geht darum, den Glauben wieder zu wecken, dass wir das Potenzial haben, jeden Gegner zu besiegen."

Terzic stellt 16-Jährigen in die Startformation

Der Trainer veränderte zwar die Grundformation, nahm aber lediglich eine Veränderung an der Startelf vor. Emre Can wurde auf die Bank gesetzt. Stattdessen durfte der erst 16-jährige Youssoufa Moukoko sein Startelf-Debüt geben. Der Auftritt des jungen Mittelstürmers hatte Höhen und Tiefen. In der 60. Minute vergab er eine 100-prozentige Torchance, als er nach einer Vorlage von Reus den Ball nicht auf das Tor brachte. Nur 19 Ballkontakte war der geringste Wert aller Startelf-Spieler.

Trotzdem hatte das Ausnahmetalent die Erwartungen seines Trainers erfüllt. "Es war wichtig, jemanden im Zentrum haben, der Wege macht und den Gegner permanent beschäftigt", sagt Terzic. "Wir sind Borussia Dortmund und dürfen unsere offensive Stärke nicht in die Hände eines 16-Jährigen legen. Es ging nicht darum, dass er heute das Siegtor macht. Es ging darum, dass er für die Mannschaft arbeitet. Das hat er super gemacht."

Wird Terzic für Dortmund zur Dauerlösung?

Zwei Spiele hat Borussia Dortmund im Jahre 2020 noch zu bestreiten. Freitag (20.30 Uhr) steht das Auswärtsspiel bei Union Berlin an. Kommenden Dienstag (20 Uhr, beide im ntv.de-Liveticker) folgt das DFB-Pokalspiel bei Eintracht Braunschweig. Der Vertrag des Trainers läuft bis zum Saisonende. Gleichwohl lässt sich nicht ausschließen, dass aus der Interimslösung eine Dauerlösung wird. Sky-Experte Dietmar Hamann lobt den Einfluss von Terzic: "Er macht einen sympathischen und authentischen Eindruck. Der größte Kritikpunkt war, dass die Mannschaft Samstag nicht als Einheit aufgetreten ist. Das haben sie heute getan. Mich würde es nicht wundern, wenn es (mit dem Trainer, Anm.d.Red.) länger gehen sollte als so mancher denkt."

Ob er vielleicht sogar eine Ära prägen könnte wie einst Jürgen Klopp? Michael Erzen, ein ehemaliger Mitspieler von Terzic, hatte den Vergleich in der "tz" gebracht als er sagte, Terzic sei "ein total leidenschaftlicher Trainer. Er ist schon ein Jürgen-Klopp-Typ". Es gibt Parallelen: Als der heutige Cheftrainer im Jahre 2010 beim BVB als Nachwuchstrainer und Scout einstieg, hatte er selbst noch unter Klopp gearbeitet. Trotzdem geht Terzic solchen Vergleichen lieber aus dem Wege.

"Ich sehe das nicht so", sagt er. "Natürlich hat Jürgen nicht nur Dortmund und den Verein, sondern auch alle Mitarbeiter geprägt. Und ich bin glücklich, dass ich das aus der Nähe miterleben durfte. Aber genauso wurde ich von meinen anderen Trainerkollegen geprägt - Hannes Wolf, Slaven Bilić und zuletzt Lucien Favre, wo ich von allen lernen durfte. Ich bin glücklich, dass ich alle kenne und als Freunde nennen darf. Der Rest ist nicht mein Thema." Für ihn gehe es einfach darum, die Mannschaft bestmöglich zu unterstützen.

Genau das wird er am Freitagabend wieder tun, wenn er mit verschränkten Armen am Spielfeldrand steht und verbal Vollgas gibt.

Quelle: ntv.de

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