Fußball

15 Jahre TV-Show aus Wohnzimmer Auf "Kacktor" und Klopp ist Zeigler extra stolz

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Die wunderbare Welt des Arnd Zeigler.

(Foto: dpa)

Es sieht aus wie ein Fußballmuseum, ist aber eine Privatwohnung: das Studio von Arnd Zeigler. Seit 2007 sendet der Stadionsprecher des SV Werder Bremen aus seinem Zuhause seine "wunderbare Welt des Fußballs". Der Grund dafür ist traurig, das Konzept aber inzwischen erfolgreich bewährt.

Aus Sicht einiger Fußballfans lebt Arnd Zeigler einen Traum. Der Stadionsprecher von Werder Bremen und Moderator der Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs" hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Aus seiner Wohnung sendet er seit 15 Jahren mit Klamauk und Augenzwinkern in die fußballbegeisterte Republik.

Die Sendung ist nicht gewöhnlich: Das Studio ist im Erdgeschoss seiner Wohnung und erinnert an das mit Fußball-Fanartikeln vollgepackte Kinderzimmer eines Erwachsenen, der nicht groß werden wollte. "Mein ganzes Leben besteht aus Hobbys", schwärmt der 57-Jährige. Neben der Fernsehkarriere produziert er einen Podcast, moderiert im Radio und tritt mit seiner Tour "Hat schon Gelb!" auf der Bühne auf. Begleitet man ihn in sein Fußball-Reich, steht man im Museum eines Fußball-Nerds: An den Wänden hängen Trikots, vom Regal baumeln Maskottchen von Bundesliga-Klubs. Zeigler besitzt eine riesige Sammlung von Sammelheften und Fußball-Chroniken.

Die Regie sitzt während der Aufnahme in einer Küche im Nebenzimmer. Beruf und Privates verschmelzen manchmal: Dann platzt etwa die kleine Tochter während der Probe hinein und will Zeigler noch einen Gute-Nacht-Kuss geben. "Das ist eine Fernsehsendung, die ist schon sehr schrullig und ungewöhnlich", sagt er lachend. "Das wird nicht wie so eine Hochglanz-Fernsehsendung produziert."

Sender erlaubt Produktion in der privaten Wohnung

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Die Trikotsammlung.

(Foto: dpa)

Eigentlich ist die Entstehungsgeschichte traurig: 2007, im Jahr der Erstausstrahlung, trennte Zeigler sich nämlich von der Mutter seines ältesten Kinds. "Im Prinzip ist mein Sohn der Hauptgrund, warum die Sendung aus meiner Wohnung und nicht aus irgendeinem Studio in Köln kommt", sagt er. "Es war eine schwierige Zeit für meinen Sohn, doch eine Gemeinsamkeit von uns war eben Fußball. Und ich habe ihm versprochen, mit ihm zum Training zu gehen und ins Stadion zu fahren", sagt Zeigler über seinen Sohn Ben, der heute in der Oberliga spielt.

Der Sender, der das Format erst in Köln produzieren wollte, kam Zeigler entgegen und willigte der Aufnahme in den eigenen vier Wänden ein: "Das muss ein totales Wagnis gewesen sein und ein Experiment, das es innerhalb des WDR noch nicht gegeben hat." In seiner ersten Bleibe fand die Sendung sogar zunächst in Zeiglers Wohnzimmer statt, ehe er nochmal umzog. Es ist aber nicht nur Zeigler, hinter ihm steht ein Team, bei dem er das freundschaftliche Verhältnis hervorhebt.

Am Anfang war "ZWWDF" eine reine Bundesliga-Sendung. Ursprünglich sollte Zeigler nur mit Zuschauern telefonieren. Die Diskussionen ähnelten sich aber Woche für Woche und rückten in den Hintergrund. Mittlerweile werden auch die Regionalliga und der Amateurfußball thematisiert. Ein weiteres Kernstück ist die von Zeigler erfundene Rubrik "Kacktor des Monats" bei der eingesendete, merkwürdig entstandene Treffer - auch aus dem Amateurbereich - ausgezeichnet werden. Bei der "Kacktor"-Verleihung einer Trophäe in Form eines Klodeckels feierten manche Amateurklubs "Volksfeste", wie Zeigler sagt.

"Das schafft kein anderes Hobby"

Besonders gerne blickt Zeigler auf ein Interview, das kein "08/15-Gespräch" werden sollte, mit dem damaligen BVB-Trainer Jürgen Klopp zurück. Beide lieferten sich 2010 vor der Kamera einen ulkigen Austausch, in dem sie beide trotz des 4:0-Siegs der Dortmunder bei Hannover 96 und des ersten Tabellenplatzes ein bewusst kritisches Interview führten. Klopp kannte die Sendung, aber er habe nicht genau gewusst, was für ein Interview entsteht. Zeigler: "Ich stellte ihm zwei, drei Fragen und er spielte total gut mit und blieb ernst. Wir haben uns gegenseitig hochgeschaukelt, und es hat total Spaß gemacht."

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Was bedeutet ihm der Sport eigentlich? "Fußball ist eine Möglichkeit, sich Emotionen zu verschaffen, was kein anderes Hobby schaffen kann", sagt Zeigler, "dass du besinnungslos vor Freude bist, weil dein Verein ein Spiel überraschend gewinnt, das kannst du als Achtjähriger und als 88-Jähriger haben."

Seit seiner Kindheit ist er mit Werder verbunden. Erst verteilte er die Zeitung im Weserstadion - heute ist er dort Stadionsprecher. Seine Leidenschaft kann er auch zügeln, wenn es um die Sache geht. In einem Werder-Spiel in der vergangenen Zweitliga-Saison erklärte Zeigler eine Schiedsrichterentscheidung nüchtern und sachlich dem aufgebrachten Publikum. Dafür wird er bald mit dem Fair-Play-Preis des DFB ausgezeichnet. Als Spieler, sagt er, hätte er es nie in die Bundesliga geschafft. Jetzt ist er doch irgendwie ein Teil davon.

Quelle: ntv.de, Felix Schröder, dpa

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