Fußball

Leipzig zittert sich zur Spitze BVB in Unterzahl versaut Klinsmann-Premiere

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Gleich emotional voll dabei: Hertha-Coach Jürgen Klinsmann verliert sein Debüt gegen den BVB.

(Foto: imago images/Matthias Koch)

Borussia Dortmund und der VAR machen Jürgen Klinsmann bei seinem Debüt in der Fußball-Bundesliga als Coach von Hertha BSC einen Strich durch die Rechnung. Leipzig beginnt in Paderborn stark, lässt nach - und springt auf Platz eins. Hoffenheim und Düsseldorf sowie Köln und Augsburg sehen keine Sieger.

Hertha BSC - Borussia Dortmund 1:2 (1:2)

Der in der Kritik stehende Lucien Favre hat mit Borussia Dortmund einen glücklichen Sieg gelandet und Jürgen Klinsmann als Trainer von Hertha BSC am 13 Spieltag der Fußball-Bundesliga den Einstand verdorben. Der BVB gewann in Berlin wenig überzeugend und in der zweiten Halbzeit mit nur noch zehn Mann 2:1 (2:1). Der Dreier dürfte Favre aber etwas Luft verschaffen. Vor 74.667 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion erzielten Jadon Sancho und Thorgan Hazard in der 15. und 17. Minute die Tore für die Borussen. Vladimir Darida (34.) traf für die Hausherren. Ex-Nationalspieler Mats Hummels (45.) musste wegen wiederholten Foulspiels mit Gelb-Rot vom Platz.

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Hertha konnte die Aufbruchstimmung nicht nutzen, nachdem Klinsmann erst am Mittwoch als Nachfolger des glücklosen Ante Covic vorgestellt worden war. Die Berliner befinden sich weiter im Abstiegskampf und sehen angesichts des heftigen Restprogramms bis Weihnachten schweren Wochen entgegen. Klinsmann setzte zum Debüt auf Dreierkette und brachte in Karim Rekik und Dodi Lukebakio für Lukas Klünter und Javairo Dilrosun zwei neue Spieler. Bei Borussia stürmte Jungstar Sancho von Beginn an, nachdem es um den 19-Jährigen rund um das Champions-League-Spiel beim FC Barcelona (1:3) am Mittwoch wegen Undiszipliniertheiten Unruhe gegeben hatte.

Hertha war der frische Wind zunächst anzumerken, die Mannschaft wirkte sehr motiviert, aber zum Teil auch nervös. Dortmund hatte die reifere Spielanlage und überwandt mit schnellem Direktspiel über Außen häufig das Mittelfeld. Nach einer Viertelstunde folgte der brutale Doppelschlag. Erst vollendete Sancho nach brillantem Zuspiel von Julian Brandt, dann war Hazard vor Karim Rekik zur Stelle und erhöhte auf 2:0.

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Klinsmann hielt nichts mehr auf der Bank, der Coach versuchte seine Spieler klatschend aufzumuntern, doch der BVB blieb das gefährlichere Team und war meist schneller als die Hausherren. Hertha brauchte einige Zeit, um den Doppelschlag zu verdauen. In der 34. Minute keimte wieder Hoffnung auf. Lukebakio setzte nach schöner Einzelleistung zum Distanzschuss an, Darida (34.) spitzelte den Ball unhaltbar für Roman Bürki ins Tor. Dortmund erhöhte nun das Tempo, erlaubte sich dabei aber zu viele Abspielfehler. Im Aufbau übertrieben die Gäste oft die Einzelaktionen. Auch in der Abwehr häuften sich die Fehler, kurz vor der Pause sah Hummels im Zweikampf mit Davie Selke unglücklich aus und musste wegen wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Zur zweiten Halbzeit brannten die Fans der Dortmunder zunächst Pyrotechnik ab, auf dem Platz zündete aber die Hertha. Nach Zuspiel von Marko Grujic netzte Selke ein, doch nach Videobeweis wurde auf Abseits entschieden. Dortmund zog sich mit zehn Mann weit zurück, Hertha blieb optisch überlegen, machte aber zu wenig aus der Überzahl.

SC Paderborn - RB Leipzig 2:3 (0:3)

Der Champions-League-Achtelfinalist RB Leipzig hat vorerst die Tabellenführung übernommen. Drei Tage nach dem erstmaligen Einzug in die K.o.-Runde der Königsklasse zitterten sich die Sachsen beim lange überforderten Schlusslicht SC Paderborn zu einem 3:2 (3:0) und schoben sich vorerst an Borussia Mönchengladbach vorbei auf Platz eins. Startelfdebütant Patrik Schick (3.) und Marcel Sabitzer (4.) sorgten für die Leipziger Führung, Top-Torschütze Timo Werner (26.) baute das Ergebnis vor 13.253 Zuschauern aus. Spannend wurde es dennoch, weil Paderborn, das schon in der Vorwoche auswärts Borussia Dortmund ein 3:3 abgerungen hatte, durch Torjäger Streli Mamba (62.) und Kapitän Klaus Gjasula (73.) noch zum Anschluss kam. Mit nur fünf Zählern steht der Aufsteiger weiterhin am Ende der Tabelle.

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Es dauerte keine drei Minuten, bis Sommerzugang Schick im Sechzehner mit einer einfachen Drehung gleich mehrere Paderborner aussteigen ließ und den Ball ins lange Eck chippte. Kurz darauf legte Sabitzer mit einem Flatterball aus rund 20 Metern den zweiten Treffer nach. SCP-Torhüter Leopold Zingerle war dabei nicht ganz schuldlos. Der 23-jährige Schick, der weite Teile der Saison mit Sprunggelenksproblemen verpasst hatte, war nach dem 2:2 gegen Benfica Lissabon als einer von vier Spielern in die Leipziger Elf gerückt. Torwart Peter Gulacsi fiel aufgrund einer Schädelprellung aus, ihn ersetzte der Schweizer Yvon Mvogo. Zudem fehlten der Schwede Emil Forsberg, Ethan Ampadu und Marcelo Saracchi.

Paderborn schüttelte sich und kam etwas besser in die Partie. Gefahr resultierte aus den Bemühungen der Gastgeber aber zunächst kaum. Stattdessen produzierte die Mannschaft von Steffen Baumgart zu viele Fehler. Nach einem Fehlpass von Luca Kilian resultierte der Konter zum 3:0, bei dem Werner vor Zingerle cool blieb. Für den formstarken Nationalspieler war es das bereits 13. Saisontor. Die Gäste, die bereits in den vorherigen sechs Pflichtspielen auf die sagenhafte Quote von 26:6-Toren gekommen waren, hätten durch Christopher Nkunku (42.), Schick und Werner (beide 52.) die Führung ausbauen müssen. So schöpfte das nach der Pause deutlich mutigere Paderborn nach den Treffern des agilen Mamba und Gjasula wieder Mut. Es kam zu einer spannenden und hitzigen Schlussphase.

1. FC Köln - FC Augsburg 1:1 (0:1)

Befreiungsschlag verpasst, aber zumindest ein Pünktchen Hoffnung bei der Heimpremiere von Markus Gisdol: Der krisengeschüttelte 1. FC Köln hat sich im Abstiegskampf trotz einer erneut durchwachsenen Leistung gegen Angstgegner FC Augsburg ein 1:1 (0:1) erkämpft und damit im Tabellenkeller nach wochenlanger Durststrecke zumindest ein kleines Lebenszeichen gesendet. Der Kolumbianer Jhon Cordoba (86.) bescherte den Rheinländern vor 49.200 Zuschauern mit einem späten Treffer nach zuvor vier Niederlagen in Serie wieder einen Punktgewinn. Florian Niederlechner (43.) hatte die Augsburger zuvor in Führung gebracht. Zuvor war Augsburgs Andre Hahn (9.) bereits mit einem Foulelfmeter an Timo Horn gescheitert. In einer hitzigen Begegnung mit zahlreichen Verwarnungen sahen zudem Rafael Czichos (39.) und Hahn (44.) bereits vor der Pause wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote-Karte.

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Köln wartet damit auch nach über acht Jahren und zehn Partien weiter auf einen Erfolg gegen die Augsburger. Die bleiben erstmals in dieser Spielzeit drei Spiele nacheinander ungeschlagen, konnten sich mit dem Punkt im Abstiegskampf aber auch nicht wirklich Luft verschaffen. Der neue Köln-Manager Horst Heldt hatte die Mannschaft vor der Partie in die Pflicht genommen. Das Team müsse jetzt zeigen, dass es Abstiegskampf kann, sagte der 49-Jährige. Gisdol nahm dafür gegenüber seinem Debüt beim 1:4 in Leipzig drei personelle Veränderungen vor und schickte mit Simon Terodde und Anthony Modeste eine Doppelspitze aufs Feld.

Die beiden kreierten im Zusammenspiel auch die einzige Großchance des Aufsteigers vor der Pause, doch Terodde scheiterte allein vor Gästeschlussmann Tomas Koubek (5.). Nach starken Anfangsminuten verloren die Hausherren mit dem von Czichos verursachten Strafstoß komplett den Faden. Die Gisdol-Elf reihte Fehlpass an Fehlpass und setzte vergebens auf lange Bälle auf seine beiden Angreifer. Der FCA übernahm zunehmend das Kommando, kam durch Vargas (27.) zunächst aber auch nur zu einer guten Möglichkeit.

Die Schlussphase des ersten Durchgangs hatte es dann in sich. Der beim Strafstoß verwarnte Czichos musste nach Foul an Niederlechner ebenso frühzeitig in die Kabine, wie der neu in die erste Elf gerückte Hahn kurze Zeit später nach hohem Bein gegen Drexler. Dazwischen fälschte der starke Niederlechner einen verunglückten Schuss von Philipp Max zur Führung ab. Gisdol brachte zur Halbzeit mit Kingsley Ehizibue und Florian Kainz frisches Personal für die bis dahin defensiv anfälligen und offensiv ungefährlichen Flügel, dies half aber nur bedingt. Nach einer frühen Chance von Sebastian Bornauw (50.) nach einer Ecke, war wieder in jeder Aktion des Gastgebers die blanke Verunsicherung zu spüren. Erst in den letzten 20 Minuten kamen Kainz (71.), Terodde (73.) und der eingewechselte Jhon Cordoba (74.) zu guten Gelegenheiten, doch letztlich brachten die Gästen den knappen Vorsprung ohne zu glänzen über die Zeit.

TSG Hoffenheim - Fortuna Düsseldorf 1:1 (1:0)

Fortuna Düsseldorf hat sein anspruchsvolles Adventsprogramm mit einem Teilerfolg eingeläutet, sich bei der TSG Hoffenheim noch ein 1:1 (0:1) erkämpft und zumindest etwas Mut für die bevorstehenden Kracher getankt. Die nächsten Gegner haben es nämlich in sich und heißen: Borussia Dortmund und RB Leipzig. Mit seinem vierten Treffer im vierten Saisonspiel schoss Vize-Weltmeister Andrej Kramaric (6.) die TSG früh in Führung. Für die Düsseldorfer, die erst am 17. Dezember mit dem FC Augsburg wieder auf einen Gegner der gleichen Kragenweite treffen, war der zuletzt überragende Torjäger Rouwen Hennings (86.) mit seinem zehnten Saisontor erfolgreich. Mit einer besseren Leistung wäre locker mehr als ein Punkt drin gewesen.

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Die Gäste fanden vor 25.427 Zuschauern aber schon nicht gut ins Spiel - und das lag keineswegs nur am schnellen Rückstand. Zu technischen Unzulänglichkeiten und Abstimmungsfehlern in der Defensive kamen teils ruppige Zweikämpfe, die einen geordneten Spielfluss nahezu komplett verhinderten. Erst nach knapp 20 Minuten bekam die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel etwas Ruhe in die Partie, auch begünstigt durch passivere Hoffenheimer. Mit dem ihr zugestandenen größeren Anteil an Ballbesitz wusste die Fortuna allerdings kaum etwas anzufangen, sodass sie sich bis zur Pause in einer schwachen Begegnung auch keine Torchance erspielte. Hennings tauchte zunächst gänzlich ab. Zudem besaß Düsseldorf nach zwei Unachtsamkeiten in der Hintermannschaft noch Glück, nur mit einem 0:1 in die Kabine zu gehen. Sargis Adamyan (42.) und Pavel Kaderabek (45.+1) hätten durchaus für die TSG erhöhen können.

Im zweiten Durchgang präsentierten sich die Gäste zu Beginn verbessert. Die Hoffenheimer Verteidiger wurden nun entschlossener angelaufen und die Angriffe zielstrebiger vorgetragen - Andre Hoffmann (48.) besaß die Möglichkeit zum Ausgleich. Auch in der Folge besaß Düsseldorf viel mehr Zugriff als noch im ersten Durchgang, die Druckphase war nach etwas mehr als einer Stunde aber auch wieder beendet. Und das wurde beinahe bestraft: Nach einem Lattentreffer von Stefan Posch köpfte Adamyan den Ball aus einem halben Meter über das Tor (70.). Kaan Ayhan vergab sechs Minuten später die große Chance auf den Ausgleich, kurz vor Schluss machte es Hennings besser.

Quelle: ntv.de, dbe/sid