Fußball

"Das ist die reine Verarschung" Bayerns Vidal schwalbt, Werder ist entsetzt

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Bayerns Arturo Vidal hebt ab Richtung Berlin.

(Foto: imago/MIS)

Spielentscheidend oder nicht - Arturo Vidal begeht beim Sieg des FC Bayern gegen Bremen im Halbfinale des DFB-Pokals einen Betrug der dreisteren Art. Sein Gegenspieler ist fassungslos, der Schiedsrichter bittet um Entschuldigung.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob dieser Elfmeter, der keiner hätte sein dürfen, das Spiel entschieden hat. Aber unverschämt war es schon, was Arturo Vidal vor 75.000 Zuschauern im ausverkauften Münchner Stadion da am Dienstagabend inszenierte. 71 Minuten waren im Halbfinale des DFB-Pokals zwischen dem FC Bayern und dem SV Werder Bremen gespielt, die Gastgeber führten nach Thomas Müllers Tor in der 30. Minute mit 1:0, als der kurz zuvor eingewechselte Vidal nach einer körperkontaktlosen Begegnung mit Bremens linkem Verteidiger Janek Sternberg durch den Strafraum segelte - wie sonst nur der verletzte Kollege Arjen Robben. Es war, um es deutlich zu sagen, ein Betrug der dreisteren Art.

Das sah auch Thomas Müller so: "Es war so eine Art Schutzhochspringen von Arturo - aber das entschuldigt nicht, dass er ohne Kontakt hinfällt. Es war eine Schwalbe." Den geschenkten Elfmeter nutzte Müller dann zum 2:0. "Reinmachen muss ich ihn trotzdem." Die Münchner freuen sich nach diesem glanzlosen Sieg nun auf das Endspiel am 21. Mai im Berliner Olympiastadion, bereiten sich auf ihr möglicherweise entscheidendes Spiel um die deutsche Meisterschaft am Samstag bei Hertha BSC vor und fliegen dann weiter nach Madrid, wo am Mittwoch nächster Woche im Estadio Vicente Calderón bei Atlético ihr Halbfinalhinspiel in der Champions League ansteht.

"Davon ausgegangen, dass er Schwalbe pfeift"

Und die Bremer? Fahren am Freitag in der Bundesliga nach Hamburg, um im Volkspark das zum Abstiegskampfgipfel degradierte Nordderby zu bestreiten. Und sie fühlen sich ein wenig betrogen. Werders Sternberg jedenfalls, der mit seinen 23 Jahren erst im Februar einen Profivertrag in Bremen unterschrieben hat, rang um Fassung: "Ich bin fest davon ausgegangen, dass er Schwalbe pfeift. Als er dann auf den Punkt gezeigt hat, war ich entsetzt und habe gedacht, das ist die reine Verarschung." Innenverteidiger Jannik Vestergaard gab zu Protokoll: "Das hat wenig mit Fußball zu tun." Kapitän Clemens Fritz assistierte: "Ich werte das als Schwalbe. Es ist ärgerlich, weil es gerade in einer Phase passiert ist, in der Bayern unsicher war, wir hoch attackiert und mutig gespielt haben. Genau da fiel dann das 2:0."

Und Claudio Pizarro, Werders Rekordtorschütze in der Liga und zwischen 2001 und 2007 sowie von 2012 bis 2015 in Diensten der Münchner, klagte: "Der Elfmeter war eine Schwalbe, das hat man gesehen. Aber solche Dinge können passieren, der Schiedsrichter muss auf solche Dinge besser aufpassen. Man kann ein bisschen besser pfeifen, alle knappen Geschichten wurden zugunsten der Bayern gepfiffen." Er räumte aber auch ein: "Die Bayern waren besser und haben verdient gewonnen."

"Die Szene hat das Spiel überschattet"

Schiedsrichter Tobias Stieler, der sich vom Schauspiel Vidals hatte täuschen lassen, und der, anders als die Zuschauer vor den Fernsehern keine Möglichkeit hat, sich das Geschehen noch einmal in der verlangsamten Wiederholung anzusehen, bat hinterher um Entschuldigung: "Das geht so schnell und ich stand so gut. Ich habe einen Kontakt gesehen, aber es war keiner. Es war eine Fehlentscheidung. Es tut mir leid. Die Szene hat das Spiel überschattet." In der Tat.

Bremens Manager Thomas Eichin hatte das Ganze so gesehen: "Vidal sieht natürlich, dass Sternberg mit Tempo kommt und wartet auf den Kontakt. Der kam aber nicht." Allerdings war er um Mäßigung bemüht: "Ich muss den Schiedsrichter aber in Schutz nehmen, das ist in der Geschwindigkeit schwer zu sehen." Trainer Viktor Skripnik mochte ebenfalls nicht auf den Unparteiischen schimpfen. Abgesehen davon, dass das nichts bringe, sei es doch so: "Nach dem Spiel ist man immer schlauer. Der Schiedsrichter soll entscheiden - und er hat seine Entscheidung getroffen." Auch wenn Stieler irrte. Doppeltorschütze Müller zeigte zu guter Letzt so etwas wie Verständnis für die betrogenen Bremer: "Wenn so ein Elfmeter gegen uns passiert, stehe ich hier sicher in einer anderen Tonart." Klingt interessant.

Quelle: ntv.de