Fußball

Berater macht Probleme Bayerns aussichtsloser Kampf um Coman

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Zahavi-Schützlinge unter sich: Alaba, Coman und Lewandowski bejubeln ein Tor.

(Foto: Christian Kolbert/kolbert-press/Pool)

Der nächste Fußballprofi sorgt beim FC Bayern München für Unruhe. Die Vertragsgespräche mit Kingsley Coman stocken, im Hintergrund lotet ein legendärer Berater das Interesse für den französischen Nationalspieler aus. Der deutsche Rekordmeister möchte nicht nachgeben.

Weiter Vertrags-Zoff beim FC Bayern München. Der Rekordmeister kann in diesem Sommer keine Ruhe finden. Nach dem Abgang von David Alaba laufen die Bayern nun in eine weitere unangenehme Situation: Die Vertragsgespräche mit Flügelspieler Kingsley Coman (Vertrag bis 2023) stocken, Berater Pini Zahavi sucht in England nach Vereinen. Der Einfluss des 77-Jährigen beim FC Bayern wächst. Das sollte den Bundesligisten beunruhigen.

Aber von vorne: Der französische Nationalspieler Kingsley Coman ist ein besonderer Spieler. Er hat die eingebaute Titel-Garantie. Der 24-Jährige sicherte sich in der abgelaufenen Spielzeit nicht nur seine sechste Deutsche Meisterschaft in Folge, sondern seine zehnte nationale Meisterschaft in zehn Profijahren. Auf zwei französische Titel mit Paris St. Germain ließ er in den Jahren 2014 und 2015 noch zwei italienische Meisterschaften mit Juventus folgen. Dazu kommen diverse nationale Pokalerfolge und natürlich der Gewinn der Champions League 2020 in Lissabon. Damals, im August 2020, erzielte Coman im Finale gegen Paris Saint-Germain den Treffer zum 1:0 Erfolg.

Eine Euphorie-Welle trug ihn durch die letzte Saison. In insgesamt 39 Spielen verzeichnete er 23 Torbeteiligungen, darunter acht eigene Treffer und 15 Vorlagen, nur in seinem ersten Bayern-Jahr 2015/2016 war ihm zuvor eine zweistellige Anzahl an Assists gelungen. Die Spielzeit 2020/2021 war seine bislang beste im Dress der Bayern. Trotz der neuen Konkurrenz durch Leroy Sané, der für gutes Geld (50 Millionen Euro) von Manchester City zurück in die Bundesliga gelockt wurde, um noch besseres Geld (angeblich 17 Millionen Euro pro Jahr) zu verdienen.

Sané kommt, Alaba will mehr Geld

Zeitgleich bahnten sich Probleme bei der Vertragsverlängerung mit David Alaba an. Der Österreicher hatte einen neuen Berater, Pini Zahavi, und der passte den Bayern nicht. Sie haderten mit den Gehaltsforderungen des Abwehrspielers, kurze Zeit später beschimpfte Bayerns Ehrenpräsident Uli Hoeneß den Alaba-Berater als "geldgierigen Piranha." Doch der zuckte nur mit den Schultern.

Früh vom Journalismus ins Beratergeschäft gewechselt, hatte der Israeli sich im neuen Jahrtausend auf einen neuen Markt konzentriert: Deals vermitteln, reiche Investoren mit Renditeversprechen in den Fußball locken und Spieler verschieben. "Ich bin kein Berater mehr, ich besitze Spieler. Ich besitze sie wirklich", habe er zum damaligen Chef der englischen Premier League, Richard Scudamore, einmal gesagt, erinnerte sich dieser im 2017 erschienen Buch "Football's Secret Trade".

Kaum einer betrieb das "Third Party Ownership", das Halten von Transferrechten an Spielern, so intensiv wie er. Manchmal, wie beim FC Porto, schien es so, als kontrolliere er ganze Vereine wie den FC Locarno, der ersten Station Gonzalo Higuains in Europa. Zwar lief der Argentinier nie für die Schweizer auf, er war bald bei Real Madrid gelandet, aber Steuern konnten gespart werden und über eine seiner Firmen, HAZ, hielt er auch noch die Transferrechte. Ein gelungener Deal. Zahavi brachte Spieler aus Südamerika nach Europa, er vermittelte den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch an Chelsea, und sein Einfluss wuchs mit jedem Deal. Im Jahr 2015 verbot die FIFA die "Third Party Ownerhsip". Zahavi kümmerte es wenig. Zwei Jahre später vermittelte er den spektakulären Wechsel Neymars von Barcelona zu Paris Saint-Germain. Er war schon lange Freund der Familie.

Freunde hat sich Zahavi nun auch im Kader der Bayern gemacht. Schon seit längerer Zeit vertritt er Rekordstürmer Robert Lewandowski, der zwar immer noch da ist, aber in jedem Sommer Abwanderungsgedanken mit sich rumträgt. Der Pole durfte nicht gehen. Und so vergrößerte Zahavi seinen Einfluss. Vielleicht hat es ihn angespornt. Nach dem Abgang Alabas hat Zahavi nun Coman übernommen. Er soll ihn in England anbieten, berichtet die "Sport Bild". Schon vor Monaten gab es Interesse aus der Liga. Parallel dazu verhandelt ein "langjähriger Freund der Familie" mit dem FC Bayern über einen neuen Vertrag. Oder besser gesagt: Verhandelte. Die Gespräche stocken massiv.

Respektloses Auftreten

"Ich bin mir sicher: Mit dieser Mannschaft können wir eine Ära prägen", sagte Coman zwar noch im Januar, doch als sich die Bayern dann um die Verlängerung seines bis 2023 laufenden Vertrags bemühten, wollte er seine Leistungen schon honoriert wissen. Besser natürlich. Der Franzose wolle in eine ähnliche Gehaltsklasse wie Leroy Sané aufsteigen, berichtete die "Sport Bild". Das Gehalt Lewandowskis, dem Top-Verdiener im Bayern-Kader, ist dem Zahavi-Schützling ebenfalls bekannt. Mit dieser Idee habe das Coman-Team bei den Bayern keine offenen Türen eingerannt, die finanziellen Forderungen von rund 20 Millionen brutto haben nun vielmehr zum Abbruch der Gespräche geführt. Der Bundesligist soll 13 Millionen brutto bieten. Bayerns Kaderplaner Marco Neppe soll das Auftreten der Gegenseite als "respektlos und arrogant" empfunden und seinen Unmut auch lautstark verkündet haben. Die Unruhe geht weiter. Und wieder ist Zahavi mittendrin.

Zuletzt hatte sich Karl-Heinz Rummenigge besorgt über den "Turbokapitalismus" im Fußball gezeigt. Dieser, so der scheidende Bayern-Boss, sorge für eine Entfremdung zwischen Spielern und Zuschauern. "Sicher, es gab Zeiten, da hatte die ganze Welt nur das Schneller-Höher-Weiter im Blick. Der Turbokapitalismus im Fußball macht auch mir zwischenzeitlich große Sorgen, denn er lässt die Fans zu sehr außer Acht", hatte er im "Kicker" erklärt und ergänzt: "Ich glaube, sehr wenige Menschen haben in dieser existenziellen Krise Verständnis, wenn ein Fußballprofi schon 15 Millionen im Jahr verdient und dann mit 19,5 Millionen nicht zufrieden ist."

Quelle: ntv.de, sue

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