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Der Bundesliga-Check: Mainz 05 Bruchweg-Aufbruch zum Ausbruch

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René Adler ist die neue Identifikationsfigur beim FSV Mainz 05.

(Foto: imago/Jan Huebner)

Ein Eigengewächs als Trainer, ein Torhüter als neue Identifikationsfigur und ganz viel Aufbruchstimmung: Mainz soll eben nicht Mainz bleiben. "Granaten" gibt es nicht - dafür stimmt die Trefferquote des Sportchefs.

Was für eine gebrauchte Saison 2016/17 - und das nach einem hervorragenden sechsten Platz im Vorjahr. Nur Eintracht Frankfurt holte in der Rückrunde weniger Punkte, erst am 33. Spieltag stand der Klassenerhalt fest. Die magere Bilanz: raus in der zweiten Runde im DFB-Pokal gegen Greuther Fürth, raus in der Gruppenphase der Europa League - und nur Platz 15 in der Liga. Der Klub braucht einen Neustart - unter anderem mit dem gebürtigen Mainzer Sandro Schwarz.

Was gibt's Neues?

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Rouven Schröder und Sandro Schwarz - das neue Mainzer Duo.

(Foto: imago/Jan Huebner)

In Mainz sehen die meisten Schwarz. Dank Sandro Schwarz. Auf der Trainer-Position bleibt der Klub seiner Linie treu. Wie seine Vorgänger - Klopp, Tuchel und Schmidt - kommt auch Schwarz aus dem Verein, hat sich hochgearbeitet. Er spielte im Mittelfeld des FSV und wurde danach Übungsleiter. Zunächst war er Co-Trainer bei Wehen Wiesbaden, dann Trainer beim 1. FC Eschborn, bevor er ab 2013 bei der A-Jugend am Bruchweg anheuerte und über die zweite Mannschaft aufstieg. Nach dem 50-jährigen Martin Schmidt, der vielen in Mainz zu pomadig agierte, soll es nun der erst 38-jährige Schwarz - von einem Redaktionskollegen als "Mentalitätsmonster" gewürdigt - richten.

Nicht nur junge Trainer boomen in der Bundesliga, auch junge Franzosen sind heiß begehrt. Siehe Ousmane Dembélé vom BVB oder Correntin Tolisso von den Bayern. Schnell haben sich die Mainzer die Dienste von Innenverteidiger Abdou Diallo gesichert. Der Kapitän der französischen U21-Mannschaft wurde immerhin beim Meister AS Monaco ausgebildet. "Über Jean-Philippe Gbamin und Gaetan Bussmann habe ich auch nur Gutes über Mainz 05 gehört und mein erster Eindruck bestätigt das total", sagte Diallo. Fünf Millionen Euro hat der 21-Jährige gekostet - eine Million Euro beträgt sein Marktwert. Übrigens muss man sich in Mainz für fünf Millionen schon rechtfertigen: "Andere Vereine zahlen für einen solchen Spieler das Doppelte. Wir hatten das Geld und der Spieler wollte nur zu uns", sagt Sportvorstand Rouven Schröder.

Apropos Schröder: Der Verein beschäftigt einen versierten Sportchef mit einer überragenden Trefferquote: Wen er kauft, der steht schnell in der Startelf - wohl auch in dieser Saison, siehe "Auf wen kommt es an?". Damit ist er laut "Bild"-Zeitung erfolgreicher als sein Vorgänger Christian Heidel. Der holte zwar gute Kicker, dazwischen waren aber immer wieder Flops - siehe Maximilian Beister.

Auf wen kommt es an?

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Auf die Identifikationsfigur, das Vorbild, den Fanliebling und den Führungsspieler. Für all diese Positionen wurde Torhüter René Adler verpflichtet. Er soll dafür sorgen, dass der FSV am Saisonende weniger als die 55 Gegentreffer aus der abgelaufenen Saison kassiert. Seinen Trainer jedenfalls hat er bereits überzeugt: "Noch nie habe ich mich mit einem Torhüter so intensiv über Fußball unterhalten", so Schwarz.

Damit die Torbilanz insgesamt stimmt, müssen die Offensiven Kenan Kodro oder Viktor Fischer einschlagen. Der Bosnier, der in Spanien aufwuchs und vom CA Osasuna kommt, wollte unbedingt in die Bundesliga. Wie bei Diallo spielten auch bei Kodro die Nationalmannschaftskollegen mit Bundesliga-Erfahrung eine Rolle: Sie haben "ausnahmslos sehr positiv über den Verein gesprochen". Der Däne Fischer kommt vom FC Middlesbrough an den Bruchweg. Er galt in seiner Zeit bei Ajax Amsterdam als Rohdiamant, konnte bislang aber nicht funkeln. Die Vorschusslorbeeren von Schröder jedenfalls sind hoch: Fischer sei "ein technisch versierter, trickreicher und abschlussstarker Angreifer".

Dann ist da ja noch Alexandru Maxim, der sich seinem Ex-Trainer Hannes Wolf zufolge "zu sehr über Einzelaktionen" definiert. Nach einer eher unrühmlichen Zeit in Stuttgart sucht er einen Neuanfang. Und nach Leihende von Bojan Krkic und dem Winterabgang von Yunus Malli braucht Mainz einen Zehner.

Was fehlt?

Uli Hoeneß würden die echten "Granaten" fehlen. Malli ist bereits im Winter nach Wolfsburg gezogen - und stand am Saisonende immer noch als Toptorjäger in der Vereinsstatistik. Krkic wurde als "Mini-Messi" gefeiert - ging in Mainz unter und ist auch schon wieder weg. Jhon Cordoba hat den Klub ebenfalls verlassen und ist zum Liga-Konkurrenten 1. FC Köln gewechselt, wo er ganz nebenbei auch in der Europa League sein Können beweisen kann. Zudem fehlt ein wichtiges Bekenntnis: "Wir wollen mitten in der Stadt und in den Herzen unserer Fans landen", hatte Ex-Trainer Martin Schmidt vor den beiden vergangenen Spielzeiten gesagt. Oh Schreck, das hat in dieser Vorbereitung noch niemand erwähnt! Aber vielleicht ist das nach der vergangenen Saison ja auch ein gutes Omen …

Wie lautet das Saisonziel?

… wobei - auch der Neue klingt ein bisschen wie der Alte: "Ich möchte in jedem Spiel das Gefühl haben, dass eine Mannschaft auf dem Platz steht, die sich komplett für Mainz 05 und seine Fans zerreißt", sagt Schwarz. Wie in der vergangenen Saison sollte es aber nicht laufen. Und so sagte Schröder bei der Verpflichtung seines neuen Trainers: Schwarz "verkörpert Mainz 05, das ist das, was wir brauchen. Wir brauchen diesen Aufbruch." Und wohin soll dieser Aufbruch führen? Der Trainer gibt sich im "Kicker" ganz bescheiden: "Für uns zählt, dass wir den Klassenerhalt so früh wie möglich erreichen."

Die Prognose von n-tv.de

Wenn Kodro und Fischer ballern, Maxim seinen Teamgeist entdeckt und Adler nicht nur zum Fanliebling avanciert, sondern auch seine Torwart-Qualitäten auspackt, spielen die 05er in diesem Jahr nicht gegen den Abstieg. Doch Träume von einer erneuten Teilnahme an der Europa League sollte nach der Ernüchterung niemand hegen. In der Endabrechnung werden die Mainzer im unteren Mittelfeld parken - und damit den Trainer glücklich machen.

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Quelle: n-tv.de

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