Fußball

Lässt kaum ein Fettnäpfchen aus DFB-Präsident Grindel rückt ins Abseits

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Hat derzeit wenig zu Lachen: Reinhard Grindel.

(Foto: imago images / Christian Schroedter)

Hohe Zusatzeinkünfte, irritierende Aussagen und späte Erklärungsversuche: DFB-Präsident Reinhard Grindel gerät immer mehr in Bedrängnis. Der verbandsinterne Druck wächst. Dabei hat sich der frühere Bundestagsabgeordnete offenbar keinen richtig schlimmen Fehler geleistet.

Reinhard Grindel kann am Montag nur kurz durchatmen. Bei der Eröffnung der Hall of Fame im Dortmunder Fußballmuseum zählt der DFB-Präsident zu den Laudatoren, wie auch Thomas Gottschalk. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird seine "Gründungself" angemessen feiern, ein an sich angenehmer Termin. Im Anschluss aber drohen Grindel wieder bohrende Nachfragen zu den neuerlichen Negativschlagzeilen, die, so wird spekuliert, sogar seine Wiederwahl im September infrage stellen könnten.

Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete am Freitag von angeblich heimlichen Zahlungen an den DFB-Präsidenten zwischen Juli 2016 und Juli 2017: Insgesamt 78.000 Euro, die Grindel als Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien GmbH erhielt. Zusätzlich zu seinen Einkünften, die sich auf 14.400 Euro belaufen, davon 7200 Euro Aufwandsentschädigung und ein Verdienstausfall in gleicher Höhe. Den bekam er, weil er sein Bundestagsmandat aufgegeben hatte. Zuvor hatte er für das ZDF gearbeitet, nach der Aufgabe seines Mandats wäre er eigentlich ­automatisch wieder Angestellter des Senders geworden. Dem Boulevard waren die 78.000 Euro die Schlagzeile wert, dass der 57-Jährige über die Summe "stolpern" könnte.

DFB-Mitglieder wollen offenbar Rücktritt

Ex-DFB-Chef

Schon Niersbach war Aufsichtsratsvorsitzender der DFB-Medien GmbH.

(Foto: Georgios Kefalas/KEYSTONE/dpa)

Dass von verschleierten Überweisungen kaum die Rede sein kann, weil Grindel den Vorsitz wie sein Vorgänger Wolfgang Niersbach legal und auch erst Wochen nach seiner Wahl zum DFB-Chef (April 2016) übernahm, spielte keine große Rolle. Dass der DFB auf die Vorwürfe reagierte und sagte, Grindel habe korrekte Angaben gemacht, ebenfalls nicht. Die moralische Dimension des tatsächlich sehr hohen Zusatzverdienstes wurde sofort zum Diskussionsthema, das sich einfügte in die Reihe von Fehltritten, mit denen Grindel in den vergangenen Monaten teils selbst verschuldet, teils unglücklich aufgefallen war.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" schrieb, dass "Mitglieder des DFB-Präsidiums und Funktionäre aus einigen Landesverbänden" deshalb darauf hinwirken wollen, dass Grindel beim DFB-Bundestag nicht erneut antritt. Dass es innerhalb des DFB eine Opposition zu geben scheint, steht nach den häufigen Medienberichten über Vertrags- und Gesprächsinhalte außer Frage - aus der Deckung haben sich die Grindel-Gegner aber bislang nicht gewagt.

Kritik an Löw polarisiert

In der Öffentlichkeit hat das Image des DFB-Präsidenten, der für seine internationalen Ämter bei Uefa und Fifa für etwa acht Sitzungen pro Jahr knapp eine halbe Million Euro erhält, längst Schaden genommen. Auch, weil Grindel selten ein Fettnäpfchen auslässt. Das abgebrochene Interview mit der Deutschen Welle, das in den sozialen Medien für Hohn und Sport gesorgt hatte ("Aber Herr Grindel"), ärgerte den 57-Jährigen selbst enorm. Etlichen Fragen war der frühere Bundestagsabgeordnete relativ professionell ausgewichen, ehe er doch die Nerven verlor.

Auch nach dem anschließenden, langen Flug zur Council-Sitzung der Fifa in Miami war der Ärger nicht verraucht. Zwischen den Palmen des vom Weltverband gebuchten Luxushotels sagte der DFB-Chef aber wieder zu viel. Als einziger Uefa-Vertreter nahm Grindel zu der herben Niederlage bei der Abstimmung über die reformierte Klub-WM Stellung - in Deutschland beachtet wurden aber einzig die knappen, als Kritik an Joachim Löw verstandenen Aussagen zur Ausbootung von Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller. Am folgenschwersten waren Grindels Stellungnahmen im vergangenen Sommer rund um den geräuschvollen Rücktritt von Mesut Özil, der den früheren CDU-Politiker als Rassisten beschimpfte, was Tausende Fans des umstrittenen Ex-Nationalspielers ungeprüft übernahmen.

Die bei vielen Themen im Nachgang geäußerten Erklärungsversuche halfen Grindel weniger, als dass sie das Bild eines in seiner Meinung stark schwankenden DFB-Präsidenten festigten. Unabhängig davon, ob Grindel ein guter oder schlechter Anführer des weltgrößten Sportfachverbandes ist - die ständigen Diskussionen verdeutlichen, dass das Amt kaum noch von einer Person allein geführt werden kann. Die Amateure beim DFB, der Profi-Fußball, die Nationalmannschaft, die Verpflichtungen bei der Fifa und Uefa - dass Grindel ständig in die Schlagzeilen gerät, liegt auch daran, dass er auf etlichen Hochzeiten tanzt. Der Grat, auf dem er sich dabei bewegt, wird jedoch immer schmaler.

Quelle: ntv.de, Jan Mies, sid