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Verstoß gegen 50+1-Regel DFL-Gutachten belastet Hannover 96

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Martin Kind ist Gegner der 50+1-Regel - und versucht sie zum umgehen.

(Foto: imago/Sven Simon)

Ein bislang geheimes Gutachten der Deutschen Fußball Liga bezichtigt Bundesligist Hannover 96 und dessen Boss Martin Kind einer Regelwidrigkeit. Demzufolge soll der Klub 2008 gegen die 50+1-Regel verstoßen haben. Folgen aber blieben aus.

Einem Gutachten aus dem Jahr 2008 zufolge hat Fußball-Bundesligist Hannover 96 gegen die 50+1-Regelung verstoßen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte das Gutachten bei einer Kanzlei beauftragt.

Die DFL folgte aber bei der Lizenzerteilung nicht der Einschätzung des Gutachtens, wie ein DFL-Sprecher sagte. Die Konstruktion von 96 sei mit der 50+1-Regel noch vereinbar, weil das Letztentscheidungsrecht beim Mutterverein verbleibe, erklärte die DFL. "Der Mutterverein kann als Alleingesellschafter den Gesellschaftsvertrag jederzeit so abändern, dass dem Aufsichtsrat Aufgaben entzogen, seine Zusammensetzung verändert oder er insgesamt aufgelöst wird", sagte der Sprecher.

Kind will Ausnahmeregel nutzen

Dem Klub war das Gutachten eigenen Angaben zufolge bislang unbekannt. "96 hat vorher und nachher immer alle Lizenzierungsunterlagen eingereicht und auch immer die Lizenz bekommen", sagte Hannovers Klubboss Martin Kind auf Anfrage. "Wir haben alles immer sauber dokumentiert."

Der 73 Jahre alte Hörgeräte-Unternehmer steht aktuell kurz davor, endgültig die Kontrolle bei 96 zu übernehmen. Kind ist einer der großen Kritiker der 50+1-Regel im deutschen Profifußball, nach der Investoren anders als zum Beispiel in der englischen Premier League nicht mehr als 49 Prozent der Klub-Anteile halten dürfen.

Kind will aufgrund seines 20-jährigen Engagements von einer Ausnahmeregel Gebrauch machen, die eine Mehrheits-Übernahme dank intensiver Klub-Entwicklung zulässt. Dazu hat er einen Antrag an die DFL gestellt. Sie peilt bis zum Jahresende eine Entscheidung an.

Gutachten belastet den Unternehmer

Allerdings hat er auch Kritiker in den eigenen Reihen, weswegen sich die Übernahme der Mehrheitsanteile durch Kind verzögern könnte. Ein von der Vereinsopposition in Auftrag gegebenes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Baker Tilly kommt zu dem Ergebnis, dass sich Kind "sittenwidrig einen erheblichen Vermögensvorteil" verschafft.

Das Papier setzt den Wert der Anteile auf mindestens zehn Millionen Euro an, Kind will hingegen lediglich 12.750 Euro bezahlen. Bereits der ehemalige DFL-Geschäftsführer Christian Müller hatte in einem Gutachten den Verkauf zu diesem Preis als "unvertretbar" eingestuft. Kind hatte diese Kritik stets zurückgewiesen und wiederholte dies auf Anfrage. Ein Kauf zum Nominalwert der Gesellschaft sei korrekt. "Entsprechende Gutachten liegen uns vor", sagte Kind.

Aus Protest gegen Kind boykottieren zudem Teile der 96-Fans bei den Bundesligaspielen des Aufsteigers Anfeuerungsrufe und -gesänge. Die Ultras beteiligen sich nicht mehr an der Unterstützung der 96-Profis.

Quelle: n-tv.de, ara/dpa/sid

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