Fußball

Nicht alle sind begeistert Das Ende der Geisterspiele im Fußball

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Erwin, das krawallig-melancholische Schalke-Maskottchen, kann sich endlich wieder auf Fans freuen.

(Foto: picture alliance / Uwe Kraft)

Am Freitag endet die Zeit der Geisterspiele im deutschen Profi-Fußball. Der Zweitliga-Auftakt zwischen den Bundesliga-Urgesteinen Schalke 04 und dem Hamburger SV kann wieder im Stadion verfolgt werden. Nicht alle sind davon begeistert.

Im Stadion mit den Freunden ein Bier trinken, dabei eine Bratwurst essen und die Lieblingsmannschaft anfeuern: Fast eineinhalb Jahre mussten die Fans nahezu vollständig darauf verzichten. Die letzten ausverkauften Stadien gab es im März 2020, danach überrollte die Corona-Pandemie auch Fußball-Deutschland. Zur Auftaktpartie der 2. Bundesliga am kommenden Freitag zwischen Schalke 04 und dem Hamburger SV (20.30 Uhr/u.a. im Liveticker auf ntv.de) dürfen zwar noch nicht alle 62.271 Plätze in der Veltins-Arena besetzt werden, doch mit bis zu 25.000 erlaubten Zuschauern kehrt erstmals wieder ein bisschen Normalität zurück.

Für Schalke-Torjäger Simon Terodde ist die Fanrückkehr "etwas Besonderes". "Das ist ein großer Unterschied. Das war ein Riesen-Nachteil für Traditionsvereine. Aber da hat jetzt jeder Bock drauf, vor Fans zu spielen", betonte der 33 Jahre alte Mittelstürmer im Sky-Interview. An diesem Wochenende endet offiziell die lange Zeit der Geisterspiele in Deutschlands zweithöchster Fußballliga. Zwar gilt anfangs noch eine maximale Stadionauslastung von 50 Prozent, wobei die Zuschauerzahl bei 25.000 gedeckelt ist, dennoch kann seit Langem mal wieder so etwas wie Stadionatmosphäre entstehen.

Die Rückkehr wirft auch Fragen auf

Die Zeit der leisen Arenen, in denen die Fernsehzuschauer jedes noch so kleine Wort der Trainer verstanden haben, ist damit zumindest vorerst beendet. "Ich freue mich vor allem, dass wir dann auch wieder Zuschauer begrüßen dürfen", sagte Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis in einem Interview der Sportschau mit Blick auf das Spiel gegen den HSV. Freude herrscht gleichermaßen bei den Vereinen und bei den Fans. Doch die aktuell steigenden Zahlen der Corona-Neuinfektionen, insbesondere durch die Delta-Variante, dämpfen die ganz große Euphorie. Auch die Europameisterschaft wirft gerade in dieser Hinsicht einige Fragen auf.

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Mit den Fans werden auch die Proteste in die Stadien zurückkehren.

(Foto: picture alliance / Kirchner-Media)

Trotzdem ist es gerade für die Vereine wichtig, die auf die Zuschauererlöse angewiesen sind. Sie können mit der Rückkehr nun etwas aufatmen und mit Geldern rechnen, die vor Corona-Zeiten gang und gäbe waren. Doch ganz so einfach wie früher ist der Stadionbesuch aktuell noch nicht. Denn auch hier gilt die 3-G-Regel: geimpft, genesen oder getestet. Außerdem dürfen nur personalisierte Tickets ausgestellt werden, und es herrscht Maskenpflicht bis zum Sitzplatz.

Gästefans erst später erlaubt

Gästefans sind flächendeckend erst ab dem dritten Spieltag wieder zugelassen. Ab dann bekommt die Gastmannschaft zunächst fünf Prozent der Tickets. Damit beginnt dann aber auch das verstärkte Reisen innerhalb Deutschlands wieder. Auch dies wird von Experten zum Teil kritisch beurteilt. Beim jeweils ersten Heimspiel der Vereine gilt dies allerdings noch nicht. Die Vereine sollen zunächst "Erfahrungswerte bei der Rückkehr von Fans in die Stadien" sammeln können, heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Fußball Liga (DFL). Ausnahmen gibt es trotzdem. So kündigte der SV Darmstadt 98 an, bereits zum ersten Heimspiel fünf Prozent der Tickets den Gästen zur Verfügung zu stellen. Von der Gesamtkapazität entfallen 484 Plätze (250 Sitz- und 234 Stehplätze) auf das Kontingent für Gästefans.

Die neue Regelung zur Rückkehr der Zuschauer mit bis zu 50 Prozent Auslastung mit maximal 25.000 Zuschauern aber sehen Teile der Bevölkerung kritisch. Nur 24 Prozent finden diese laut einer YouGov-Umfrage richtig. Mehr als die Hälfte der Deutschen ist demnach der Meinung, dass die Regelung in der Fußball-Bundesliga zu weit geht. In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts meinten 36 Prozent, dass angesichts der Coronavirus-Pandemie weniger Zuschauer zugelassen werden sollten. 19 Prozent sind gar der Ansicht, dass die Stadien auch in der neuen Saison völlig leer bleiben sollten. Lediglich zwölf Prozent der Bundesbürger finden, dass die Fußball-Stadien in der neuen Spielzeit besser gefüllt werden sollten. Sechs Prozent wünschen sich sogar bis auf den letzten Platz gefüllte Arenen. Am Ende wird alles auch an der Inzidenz hängen. Aktuell ist eine Rückkehr der Zuschauer noch an diese gekoppelt. Ab einer Inzidenz von 35 würden die Spiele wieder unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Nicht alle Vertreter des Profifußballs sind damit zufrieden.

Quelle: ntv.de, sue/dpa/sid

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