Fußball

Montagsspiel in der Bundesliga Das laute Schweigen der Eintracht-Fans

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Solch farbenfrohe Darbietungen der Fans von Eintracht Frankfurt werden beim heutigen Spiel gegen Leipzig nicht zu sehen sein.

(Foto: imago/Hartenfelser)

Montagsspiele - sie gehören bereits zum festen Zweitliga-Bestandteil, nun ereilt auch die 1. Fußball-Bundesliga dieses Schicksal. Vor dem Spitzenduell zwischen Frankfurt und Leipzig gerät das Sportliche zur Nebensache.

Wenn der zwölfte Wettkampftag bei den Olympischen Winterspielen beendet ist, wartet der heutige Sporttag mit einem weiteren Ereignis auf. Heute Abend wird im Frankfurter Stadion Fußball gespielt. In der 1. Bundesliga. An einem Montag. So weit, so ungewöhnlich. Alles andere als normal werden auch die Begleitumstände der Partie zwischen der SG Eintracht Frankfurt und Rasenballsport Leipzig sein. "Es wird eine enorme Welle des Protests sichtbar werden", sagte SGE-Vorstand Axel Hellmann der "Bild am Sonntag". Das erste von insgesamt fünf Montagsspielen in dieser Saison im Fußball-Oberhaus verspricht in jeglicher Hinsicht besonders zu werden.

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Auch Eintracht-Trainer Niko Kovac ist nach eigener Aussage "kein Freund der Montagsspiele".

(Foto: imago/Jan Huebner)

Dass das Überraschungsteam aus Frankfurt mit einem Sieg die Rasenballsportler aus Leipzig überholen und so auf einen Champions-League-Platz klettern kann, verkommt vor der Partie (ab 20.30 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) beinahe zur Nebensache. Vielmehr steht der von verschiedenen Fangruppen angekündigte Protest gegen die Spielansetzung im Fokus. Im Rahmen des neuen TV-Vertrags gibt es erstmals ab dieser Saison regulär fünf Montagsspiele.

Insbesondere die Frankfurter Fanszene möchte bei dem Heimspiel nach eigener Aussage "deutlich zeigen", dass sie von derlei Terminen wenig hält. Die gewohnt stimmungsvolle Atmosphäre im einstigen Waldstadion wird demnach ausbleiben - nicht nur, weil von 43.000 Eintrittskarten bislang nur 32.000 verkauft wurden. "Wir haben nicht vor, der DFL als stimmungsvolles Klatschvieh eine farbenfrohe und lautstarke Kulisse zu liefern", schreibt der "Nordwestkurve-Rat", an dem auch die Ultras mitwirken. Die Fanorganisation appelliert, sämtliche Fanutensilien wie Fahnen und Banner "zu Hause zu lassen und auf die Unterstützung unserer Mannschaft zu verzichten" - auch wenn dies in Anbetracht der bislang großartigen Saison schwer falle. Angeblich wird für den Protest auch ein Schreckgespenst vieler Fans reanimiert: die Vuvuzela. Gerüchteweise wurden in Frankfurt 5000 Exemplare geordert. Zudem sollten die Fans auf Tapeten ihre Meinung zu Montagsspielen kundtun.

1200 Kilometer am Montagabend

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Dabei ist die Haltung aktiver Fußballfans bereits jetzt klar. Sie lehnen Montagsspiele ab, weil sie solche Termine als fanunfreundlich empfinden. Die 2. Liga veranschaulicht schon länger, welchen Aufwand es erfordert, den Lieblingsklub an einem Montag zu einem Auswärtsspiel zu begleiten. Beispiel: Um den 1.FC Nürnberg in St. Pauli zu unterstützen, mussten "Glubb"-Anhänger am vorvergangenen Spieltag mehr als 600 Kilometer anreisen. Und 600 Kilometer wieder zurück. Ohne ausreichend Geld, Urlaubstage und schlussendlich Nerven sind solche Unternehmungen auf Dauer nicht machbar. Über allem steht die Kritik, Montagsspiele symbolisierten die steigende Profitgier von Vereinen und Verbänden - und die damit verbundene Abkehr von Faninteressen.

Die Frankfurter Klubführung gibt sich indes verständnisvoll, wenn auch vage: "Jetzt gibt es fünf Erstliga-Spiele und viele Fans befürchten, dass es irgendwann zehn Spiele werden und der Montag zu einem Regel-Ausweichspieltag wird", schrieb Hellmann jüngst im "Kicker". "Ich verstehe, wenn sie sagen: Wehret den Anfängen! Die Fans sind oft das schwächste Glied in der Kette, weil sie sich nicht an den Gesprächen der Klubs mit der Liga beteiligen können."

DFL und DFB wiegeln ab

Adressiert werden die heutigen Proteste an die Deutsche Fußball Liga (DFL) sein. Die kann die Kritik wenig nachvollziehen. "Wir reden über 5 von 306 Saisonspielen. Es ist nicht geplant, dass es mehr werden. Und die Chance, dass es weniger werden, ist eher größer als kleiner", sagte DFL-Boss Christian Seifert dem Hessischen Rundfunk (HR): "Insofern sollte man die Kirche mal im Dorf lassen." Demnach entfallen auf die Montagsspiele "weniger als ein Prozent der Medienerlöse". Darüber hinaus seien die Termine "als Interessensausgleich zwischen mitreisenden Fans einerseits und dem Amateurfußball andererseits, der nach wie vor sehr viele Spiele am Sonntag absolviert", eingeführt worden.

Darauf weist auch DFB-Vizepräsident Rainer Koch hin. "Wir dürfen nicht übersehen, dass an jedem Wochenende in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen als Spieler, Trainer, Vereinsverantwortliche oder Zuschauer auf Amateurfußballplätzen anzutreffen sind!", schrieb Koch bei Facebook. Deshalb seien Montagsspiele eine geeignete Alternative zu zusätzlichen Sonntagsterminen - insbesondere für international spielende Klubs wie Leipzig. "Meine Meinung daher: Sport geht vor, deshalb keine Samstagsspiele für Europa-League-Teams mit Spielen am Donnerstagabend!", schrieb Koch.

Auch beim BVB wollen sie (nicht) mitmischen

Noch am Donnerstag hielt Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl von dieser Fürsorge wenig. "Für uns liegt das Spiel zwischen den Partien gegen den SSC Neapel. Ich hätte lieber mehr Zeit vor dem Rückspiel gehabt", sagte er. So hätte er "lieber am Sonntag" gespielt. Einen Tag vor dem Spiel sah er es dann weniger verbissen: "In Leipzig ist es noch nicht so lange her, dass man montags gespielt hat, und in Frankfurt sind die Zweitligazeiten ja auch noch nicht so lange her." Sein Trainer-Kollege Niko Kovac zeigte mehr Verständnis für die allgemeine Aufregung. "Wir spielen Fußball für die Zuschauer. Wenn die ihre Rechte angegriffen sehen, haben sie das Recht, dagegen zu demonstrieren", sagte er. Auch Teile der Rasenballsport-Fans kündigten an, das Spiel gegen die SGE zu boykottieren.

Nach dem heutigen Schlusspfiff kann sich die Bundesliga auf die nächsten Proteste einstellen. In exakt einer Woche empfängt Borussia Dortmund den FC Augsburg zum Montagabendspiel. Das BVB-Bündnis Südtribüne, dem Fanklubs und Ultragruppen angehören, hat angekündigt, der Partie fernzubleiben. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ruderte deshalb bereits zurück. "Wir dürfen keine Politik gegen das Gefühl unserer zehn Millionen Fans in Deutschland machen", sagte er - auch wenn der Klub ohne Montagsspiele "vielleicht ein, zwei Millionen Euro weniger einnehmen" werde. Weil auch Watzke dem bis 2021 laufenden TV-Vertrag zustimmte, dürften diese Worte die Fans vorerst allerdings kaum milde stimmen.

Quelle: ntv.de, cri