Fußball

Kapitän berauscht BVB-Offensive Das wuchtige Krisen-Ende von Marco Reus

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BVB-Kapitän Marco Reus traf gegen Fortuna Düsseldorf doppelt und bereitete auch noch ein Tor vor.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Womöglich war das die beste Saisonleistung von Borussia Dortmund. Ganz sicher aber war es der bislang beste Auftritt von Marco Reus in dieser Spielzeit. Angeführt vom Kapitän rauschen die Schwarzgelben über Fortuna Düsseldorf hinweg. Krise nun endgültig beendet?

Nach dem Abpfiff war es wie immer in den letzten Monaten, wenn Borussia Dortmund in der Fußball-Bundesliga, im DFB-Pokal oder in der Champions League angetreten war: Der Erste, der vor die Kameras trat, war Marco Reus. In der Medienarbeit ist der "Fußballer des Jahres" ein echter Kapitän: Der Nationalspieler marschiert mutig voran, stellt sich, übernimmt Verantwortung. Mal blafft Reus einen Reporter an, es gehe ihm "so auf die Eier, Ihr immer mit Eurer Mentalitässcheiße", um sich nach dem eine Halbzeit lang hochgradig peinlichen Auftritt gegen Paderborn das Büßerhemd überzustreifen: "Wir müssen uns bei allen Leuten hier im Stadion entschuldigen für diese Leistung. Man hat sich richtig geschämt für die Zuschauer. So dürfen wir nie, nie wieder auftreten. Das war absolute Scheiße."

Auch am Samstagnachmittag nach dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ging der 30-Jährige voran, dieses Mal allerdings in einer sehr viel angenehmeren Mission, als in den Wochen zuvor, in denen er erklären musste, was wieder Mal nicht funktioniert hatte. Dieses Mal hatte der BVB gegen Fortuna Düsseldorf mit 5:0 (1:0) gewonnen und dabei über weite Strecken mitreißenden Fußball geboten. Dieses Mal war Marco Reus auf dem Spielfeld nicht abgetaucht, wie während seiner rätselhaft schwachen Auftritte zuvor, sondern war mit zwei Treffern und einer Torvorlage einer der Protagonisten einer Gala gewesen, auf die sie im Revier so lange gewartet hatten. Außer ihm trafen Jadon Sancho (2) und Thorgan Hazard.

Borussia Dortmund - Fortuna Düsseldorf 5:0 (1:0)

Tore: 1:0 Reus (42.), 2:0 Hazard (58.), 3:0 Sancho (63.), 4:0 Reus (69.), 5:0 Sancho (74.)
Dortmund:
Bürki - Piszczek (78. Balerdi), Akanji, Zagadou - Hakimi, Brandt (78. Dahoud), Witsel, Guerreiro - Hazard, Reus (73. Mario Götze), Sancho; Trainer: Favre.
Düsseldorf: Steffen - Matthias Zimmermann, Adams, Andre Hoffmann, Gießelmann - Bodzek - Zimmer (59. Kownacki), Baker (67. Fink), Morales, Thommy (67. Barkok) - Hennings; Trainer: Funkel.
Schiedsrichter: Siebert (Berlin)
Zuschauer: 81.365 (ausverkauft)

Tatsächlich hatten nicht nur die Darbietungen des selbsternannten Meisterschaftsaspiranten Rätsel aufgegeben, sondern auch die seines wichtigsten Spielers. Reus wirkte zunehmend verunsichert, sein Trainer und Förderer Lucien Favre indes nicht. "Ein Spieler kann nicht regelmäßig in einer Top-Top-Form sein", gab der Schweizer vor Spielbeginn zu Protokoll: "Du hast manchmal ein Loch. Das gilt für jeden Spieler in Deutschland - und auf der Welt." Das sollte so viel heißen wie: Abwarten, das wird wieder. Geduld und Gelassenheit gehören zu den guten Charaktereigenschaften des Schweizers. Und siehe da: Er sollte recht behalten. All die Debatten "berühren mich nicht", gab Reus nach seiner tollen Leistung zu Protokoll. "Ich bin lange genug dabei und weiß selbst, dass ich in den letzten Wochen nicht meine besten Leistungen gebracht habe. Die Kritik war ja berechtigt."

"Sind komplett unter die Räder gekommen"

Der BVB hätte das Ergebnis dank der mitreißenden Darbietungen von Marco Reus und seinen Mitstreitern noch deutlicher gestalten können, "wir sind hier komplett unter die Räder gekommen", konstatierte Düsseldorfs Innenverteidiger Andre Hoffmann. Der sich ebenfalls in blendender Verfassung befindliche Regisseur Julian Brandt betonte, "dass wir vor Spielfreude geradezu gestrotzt haben. Man hat gesehen, was in uns steckt". Die Aussage war bemerkenswert, denn in den holprigen letzten Wochen hatten es die Dortmunder immer wieder geschafft, das üppig vorhandene Talent und die technischen Fähigkeiten zu verstecken, die zweifellos in diesem Edelkader vorhanden sind. Gegen Düsseldorf raffte sich der BVB zu seiner besten Saisonleistung auf, ging wesentlich robuster, wehrhafter und entschlossener zu Werk, als bei seinen merkwürdig leblosen Auftritten und überrollte die bemitleidenswert unterlegene Fortuna mit Tempo- und Kombinations-Fußball.

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Ist Stürmer Erling Haaland ein Transferziel des BVB?

(Foto: imago images/GEPA pictures)

Für den Moment erscheint alles harmonisch beim börsenorientierten Fußballunternehmen, die Formdelle der Mannschaft im Allgemeinen und von Marco Reus scheint geglättet zu sein. Alles gut also bei der Borussia, die in dieser Verfassung alles hat, nur kein Offensivproblem. Dennoch fahnden sie in Dortmund nach einem weiteren Stürmer, der verpflichtet werden soll, wenn das winterliche Transferfenster öffnet. Zuletzt kursierte der Name Erling Haaland im vorweihnachtlichen Revier. Der norwegische Himmelsstürmer hat in dieser Saison für RB Salzburg in 20 Pflichtspielen 27 Tore erzielt, in fünf Champions-League-Einsätzen traf er acht Mal. Auf den 19-Jährigen, der mit 1,91 Metern exakt dem gesuchten Profil eines Brechers entspricht, in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Düsseldorf angesprochen, grinsten sich Favre und BVB-Pressesprecher Sascha Fligge vielsagend an. Es sei "noch kein Thema, darüber zu sprechen", betonte der Schweizer: "Wir sind an mehreren Spielern interessiert, aber man weiß, dass es im Winter sehr schwer wird, einen Transfer zu machen."

Vielleicht würde es ja den Gang der Dinge erleichtern, wenn die Meldung stimmt, Haaland habe beim österreichischen Meister in seinem Arbeitspapier eine auf 20 Millionen Euro festgeschriebene Klausel verankert, die den Dortmundern und anderen Interessenten einen Transfer erheblich erleichtern würde. Auf die Personalie beim Bezahlsender "Sky" angesprochen, blieb sich Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc treu und übte sich in der ihm eigenen westfälischen Zurückhaltung: "Der Spieler gehört Red Bull Salzburg, es ist eine Frage des Respekts, dass wir nicht über ihn sprechen. Dabei sollten wir es belassen."

Quelle: ntv.de