Fußball

Dortmund nur noch Mittelmaß Der BVB muss um Europa bangen

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Erling Haalands 2:2 wurde zunächst vom VAR zurückgenommen, später rettete der Norweger den BVB trotzdem.

(Foto: Uwe Kraft/Pool)

Der BVB kann nicht gegen Hoffenheim gewinnen und verpasst wichtige Punkte im Kampf um die internationalen Plätze. Torwart Hitz agiert wieder unglücklich. Leverkusen verfehlt den Sieg gegen Mainz durch zwei ganz späte Gegentore. Ein 17-Jähriger rettet Hertha BSC in Stuttgart.

Borussia Dortmund - 1899 Hoffenheim 2:2 (1:1)

Borussia Dortmund ist auf dem Weg ins Bundesliga-Mittelmaß. Der BVB kam mit seiner kriselnden Ansammlung von Hochtalentierten gegen die TSG Hoffenheim nicht über ein 2:2 (1:1) hinaus, die Champions-League-Qualifikation gerät akut in Gefahr. Nur eines der vergangenen sechs Ligaspiele hat der BVB gewonnen. Jadon Sancho traf in einer chaotischen Phase, in der serienweise Spieler beider Mannschaften allein vor dem gegnerischen Torwart standen, zum 1:0 (24.). Munas Dabbur glich für die offensiv ansprechenden, aber ebenfalls schwach verteidigenden Gäste aus (31.). Beim 1:2 faustete BVB-Torwart Marwin Hitz den Ball an den Kopf von Ihlas Bebou (51.). Erling Haaland (81.) rettete den BVB vor der vierten Heimniederlage der Saison.

Bei der Borussia hat überdies der Kapitän anscheinend seinen Stammplatz verloren. Marco Reus saß beim Anpfiff dick eingepackt auf der Bank, Gio Reyna, zuletzt ebenfalls weit von Bestform entfernt, sollte im offensiven Mittelfeld das Spiel lenken, was zu selten gelang. TSG-Trainer Sebastian Hoeneß setzte auf vier Neue, darunter den nach langer Verletzungspause zurückgekehrten Pavel Kaderabek auf der rechten Abwehrseite. Top-Stürmer Andrej Kramaric fehlte wegen Sprunggelenksproblemen.

Der BVB hatte seinen besten Torjäger auf dem Platz, der scheiterte allerdings mit seiner ersten Großchance: Haaland (10.) brachte den Ball nach Steilpass von Raphael Guerreiro freistehend nicht an Torhüter Oliver Baumann vorbei. Nun war die "Scheißegal-Mentalität" gefragt, die BVB-Profi Thomas Delaney für den Fall gefordert hatte, dass es wieder mal holprig läuft. Erst recht, nachdem Bebou aus beinahe identischer Position für die TSG Hitz angeschossen (18.) und auch beim zweiten Mal Nerven gezeigt hatte (23.).

Sancho bestrafte dies umgehend mit der Dortmunder Führung - umgehend schlug auch Hoffenheim zurück. In beiden Abwehrreihen klafften fast minütlich gewaltige Lücken, dadurch war das Spiel keineswegs hochklassig, aber bei Eiseskälte zumindest erwärmend unterhaltsam. Haalands vermeintliches Tor zum 2:2 nahm Schiedsrichter Bastian Dankert nach Videobeweis wegen einer Abseitsposition korrekterweise zurück (57.). BVB-Trainer Edin Terzic brachte nun doch Reus für den abermals enttäuschenden Julian Brandt, vorne sollte es Jungstar Youssoufa Moukoko neben Haaland richten. Dem BVB fiel aber nur noch wenig ein, ein Hauch Resignation war zu spüren. Hoffenheim stand sicherer. Dann traf Haaland doch noch regelkonform.

Werder Bremen - SC Freiburg 0:0

Keine Tore, kein Sieger: Im Duell der Trainer-Dinos mussten sich Christian Streich und Florian Kohfeldt mit einer tristen Nullnummer begnügen, Werder Bremen und der SC Freiburg treten auf der Stelle. Während Kohfeldts Grün-Weiße durch die gerechte Punkteteilung immerhin zum vierten Mal hintereinander ungeschlagen blieben, verpassten Streichs Freiburger einen weiteren Schritt in Richtung der internationalen Plätze. Eine Woche nach dem 2:1-Erfolg gegen Borussia Dortmund und zwei Tage nach der Vertragsverlängerung mit Streich hätte sich der SC zumindest für eine Nacht auf den siebten Platz vorschieben können.

Im Duell der beiden dienstältesten Bundesliga-Trainer erlebten Kohfeldt (seit Herbst 2017 bei Werder) und Streich (seit Dezember 2011 in Freiburg) wenig Spektakel. Beide Teams neutralisierten sich bei Minusgraden im Weserstadion weitgehend und scheuten lange Zeit das Risiko. Werder präsentierte sich nach der unfreiwilligen Spielpause wegen der Absage der Partie bei Arminia Bielefeld zunächst abwartend und wenig zielstrebig nach vorn. Freiburg stand hoch, ging vorne früh drauf und verlagerte das Spiel so zunächst fast ausschließlich in die Bremer Hälfte. Mehr als ein Fernschuss von Jonathan Schmid aus rund 22 Metern über das Tor (11.) sprang bei den Bemühungen im ersten Abschnitt allerdings nicht heraus.

Anders die Grün-Weißen. Je länger die Partie dauerte, desto angriffslustiger wurde die Kohfeldt-Elf. Die größte Chance zur Führung vergab dabei Milos Veljkovic. Nach einer Ecke kam der Verteidiger wie aus dem Nichts völlig frei zum Kopfball, brachte das Leder aus drei Metern aber nicht im Freiburger Kasten unter, sondern köpfte direkt in die Arme von SC-Keeper Florian Müller. Ansonsten war es am ehesten noch Milot Rashica, der für so etwas wie Gefahr sorgte. Der Werder-Stürmer, der erstmals seit dem neunten Spieltag wieder in der Liga von Beginn an spielte, gab in der ersten Halbzeit immerhin fünf der sieben Bremer Schüsse auf das gegnerische Tor ab.

Auch im zweiten Abschnitt boten beide Mannschaften fußballerische Magerkost und passten sich damit den frostigen Temperaturen an. Zwingende Torchancen gab es lange nicht, ehe Nils Petersen eine große Möglichkeit zur Gäste-Führung beinahe fahrlässig vergab (76.). Eine besondere Personalie machte übrigens vor Anpfiff die Runde: Denn Martin Petersen, der als Videoschiedsrichter für die Partie vorgesehen war, wurde vom Deutschen Fußball-Bund wegen seines Fehlers beim Zweitligaspiel am Freitagabend zwischen Holstein Kiel und Würzburg kurzfristig abgesetzt, für ihn war Marco Fritz als VAR im Einsatz.

VfB Stuttgart - Hertha BSC 1:1 (1:0)

Hertha BSC hat den erhofften Befreiungsschlag erneut verpasst. Die Berliner kamen beim VfB Stuttgart nicht über ein 1:1 (0:1) hinaus und stecken nach nun sieben Spielen ohne Sieg in Folge im Abstiegskampf fest. Daran konnte auch Rio-Weltmeister Sami Khedira, der erstmals nach knapp elf Jahren zu einem Spiel gegen seinen Heimatverein nach Stuttgart zurückgekehrt war, bei seinem gut halbstündigen Einsatz nichts ändern. Sasa Kalajdzic brachte den VfB in der Nachspielzeit der ersten Hälfte (45.+1) in Führung. Der kurz zuvor eingewechselte erst 17-jährige Luca Netz glich für die Gäste in der 82. Minute immerhin noch aus. Khedira leistete mit einem missglückten Schussversuch die Vorarbeit.

Hertha-Trainer Pal Dardai, an den als Nachfolger von Bruno Labbadia große Hoffnungen geknüpft sind, wartet auch nach dem dritten Spiel auf den ersten Sieg. Aufsteiger Stuttgart verpasste zwar den zweiten Heimsieg der Saison, etabliert sich aber unter Pellegrino Matarazzo weiter im gesicherten Mittelfeld. Die Hertha, die zuletzt beim 0:1 gegen Bayern München durchaus gute Ansätze gezeigt hatte, begann bissig und setzte den VfB früh unter Druck. Der konnte sich zunächst nicht befreien, kam aber auch nicht in Gefahr, da das Spiel der Berliner nach vorne zu harmlos war. Matheus Cunha oder Dodi Lukebakio konnten nicht für die erhofften Ideen und Offensivaktionen sorgen.

Nach 20 Minuten ließ die Hertha nach, der VfB kam immer besser ins Spiel und zu zahlreichen Chancen. Erik Thommy traf nur das Außennetz (22.). Danach vergaben der zunächst unglücklich agierende Kalajdzic (30./38./40.) und Konstantinos Mavropanos (34.) die zu diesem Zeitpunkt längst überfällige Führung für die Schwaben. Die besorgte dann der Österreicher Kalajdzic nach Freistoß von Borna Sosa per Kopf. Der VfB musste allerdings einige Zeit zittern, da der Treffer wegen einer angeblichen Abseitsposition überprüft wurde.

Der VfB blieb auch nach dem Wechsel zunächst am Drücker. In der 58. Minute reagierte Dardai und brachte die Winterzugänge Khedira und Nemanja Radonjic. Wenige Sekunden später hätte Cunha bei der bis dahin ersten Chance fast den Ausgleich erzielt, doch Waldemar Anton rettete auf der Linie. Die Hertha erhöhte nun den Druck, es fehlten oft aber die Mittel. Teenager Netz erlöste dann die Alte Dame.

Bayern 04 Leverkusen - FSV Mainz 05 2:2 (1:0)

Bayer Leverkusen hat in der Pflichtaufgabe gepatzt: Die Mannschaft von Trainer Peter Bosz gab beim 2:2 (1:0) gegen den beherzt kämpfenden FSV Mainz 05 den zweiten Heimsieg in Folge nach einer 2:0-Führung noch aus Hand und verlor wichtige Punkte im Kampf um einen Champions-League-Platz. Kevin Stöger (90.+2) erzielte den späten Ausgleich für die Mainzer. Leverkusens Top-Torjäger Lucas Alario (14.) und Patrik Schick (84.) hatten zuvor für das 2:0 gesorgt. Robert Glatzel (89.) traf zum Anschlusstor für die Rheinhessen. Mainz steckt mit 14 Zählern als 17. weiter mittendrin im Tabellenkeller.

Gegen erwartet tiefstehende Mainzer tat sich Leverkusen in der Anfangsphase schwer und fand erstmal keine Lücken im 5-3-2-System der Gäste. Erst ein erneuter Glanzmoment des formstarken Moussa Diaby, der bereits vergangene Woche gegen den VfB Stuttgart drei Tore aufgelegt hatte, hauchte Bayer offensiv Leben ein. Der Franzose spielte Mainz-Neuzugang Danny da Costa tunnelte auf der linken Außenbahn und bereitete Alarios Führungstreffer mit einem schönen Querpass vor.

Vom frühen Gegentor zeigte sich Mainz jedoch zunächst alles andere als beeindruckt: Karim Onisiwo (16.) traf freistehend per Kopf den Pfosten, Kapitän Danny Latza schoss aus der Distanz drüber (20.). Bei Bayer lief fast jeder Angriff über die linke Seite, die Diaby gewohnt quirlig beackerte. Mainz-Keeper Robin Zentner wurde durch Leon Bailey (22.) und Kerem Demirbay (30.) gefordert - gegen Diaby, der knapp verzog, hätte Zentner keine Chance gehabt (31.).

Auch in der Folge spielte nur Bayer. Aus der Doppelchance von Bailey, der an die Latte köpfte, und Demirbay, dessen Kopfball Moussa Niakhate vor der Linie klärte, hätte bereits die Vorentscheidung resultieren müssen. In der Halbzeit musste Bosz reagieren und wechselte Niklas Lomb für Stammtorhüter Lukas Hradecky ein, der Probleme an der Ferse hatte. Lomb musste beim Schuss von Onisiwo direkt eingreifen (53.). Bei zwei Riesenchancen von Leandro Barreiro (55./56.) hatte der 27-Jährige Glück, dass Barreiro verfehlte.

Mainz kämpfte weiter und drängte gegen überraschend verunsicherte Leverkusener auf den Ausgleich. Erneut parierte Lomb gegen Onisiwo, den Nachschuss von Latza klärte Timothy Fosu-Mensah (65.). Niakhates (71.) vermeintlicher Ausgleich wurde wegen Handspiels nicht gegeben. Ebenso Demarai Grays Tor auf der Gegenseite wegen eines Handspiels des eingewechselten Schicks.

Quelle: ntv.de, dbe/sid

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