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Vergebliche Mühe: Münchens Robert Lewandowski im Dreikampf mit Herthas Torhüter Rune Jarstein und Jordan Torunarigha.
Vergebliche Mühe: Münchens Robert Lewandowski im Dreikampf mit Herthas Torhüter Rune Jarstein und Jordan Torunarigha.(Foto: imago/Jan Huebner)
Montag, 26. Februar 2018

Die Lehren des 24. Spieltags: Der FC Bayern menschelt, der HSV bettelt

Von Anja Rau und Stefan Giannakoulis

Auch wenn der FC Bayern mal nicht in letzter Minute gewinnt - Jupp Heynckes bleibt gelassen. Das können sie in Hamburg nicht von sich behaupten, Trainer Bernd Hollerbach übt Parolen. Julian Nagelsmann beschimpft die Fans.

Die Matrix des FC Bayern hat einen Fehler

Was ist da los? Die Berliner Hertha ist zu Gast im Stadion des FC Bayern. Schiedsrichter Guido Winkmann pfeift das Spiel nach 93 Minuten ab. Und - jetzt kommt's - es steht 0:0. Ende, Aus, kein Sieg für den Ligakrösus. Auweia, die Bayern-Matrix hat einen Fehler. Naja, einen kleinen zumindest. Normalerweise steht spätestens in der 92. Minute doch die Münchner Führung zu Buche - twittert auch Ex-Sky-Moderator Rolf Fuhrmann. Nicht so an diesem 24. Spieltag der Fußball-Bundesliga. Obwohl Robert Lewandowski in der 87. Minute einen Strafstoß für sich reklamiert. Obwohl Arjen Robben den guten Berliner Torwart Rune Jarstein in der 91. Minute noch einmal zu einer Glanzparade zwingt. Und obwohl sich die Gastgeber die Führung das gesamte Spiel über deutlich mehr verdient hatten. So aber können die mit sich und der Welt zufriedenen Berliner zwei Dinge von sich behaupten: Sie haben in dieser Saison kein einzige Mal gegen den FC Bayern verloren. Und sie sind nach dem FC Augsburg im Mai 2015 die erste Mannschaft, die Fröttmanung ohne ein Gegentor verlässt.

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Dieses 0:0, es macht die Bayern fast ein wenig sympathisch. Es zeigt, dass auch sie (fast) normale Menschen sind. Das kann man ob ihrer drückenden Liga-Überlegenheit schon mal verzeihen. Ihr Vorsprung auf den Tabellenzweiten, die Dortmunder Borussia, beträgt 20 Punkte. Das ist ja gefühlt nicht von dieser Welt und kann nur marginal korrigiert werden, sollte der BVB heute (ab 20.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen den FC Augsburg gewinnen. Aber nein, es sind keine Außerirdischen, die da in München gegen den Ball treten. Auch wenn es noch eine Statistik gibt, die das durchaus beweisen könnte: Seitdem Trainer Jupp Heynckes am 14. Oktober 2017 zum vierten Mal beim FC Bayern übernommen hat, hat der Klub 16 Bundesliga-Partien gespielt. 14 Mal gingen die Münchner als Sieger vom Platz, nur einmal verloren sie: am 13. Spieltag bei Borussia Mönchengladbach mit 1:2. Und nun eben nur ein Punkt gegen die Hertha. International und im DFB-Pokal kommen übrigens acht Partien hinzu - und damit acht Siege. Heynckes blieb nach dem 0:0 gelassen: "Solche Tage gibt es im Fußball." Kein Wunder, dass Präsident Uli Hoeneß sich darin verbeißt, seinen Trainer über diese Saison hinaus beim FC Bayern zu halten.

Der HSV bettelt um den Abstieg

Beim Hamburger SV herrscht, man kann es nicht anders sagen, nach der Niederlage in Bremen Untergangsstimmung. Und das lässt sich tatsächlich alles nicht besonders gut an. Nach elf Partien ohne Sieg beträgt der Abstand zum Relegationsplatz mittlerweile sieben Zähler, der Tabellenletzte, 1. FC Köln, hat nach dem 2:1-Sieg in Leipzig nach Punkten gleichgezogen. Als Trainer Bernd Hollerbach am 22. Januar den Job antrat und Markus Gisdol ablöste, lagen die Hamburger nur einen Punkt hinter Rang 16. Doch von fünf Bundesligaspielen mit dem HSV hat Hollerbach nun drei verloren, kein einziges gewonnen. Zum Auftakt gab's ein 1:1 in Leipzig, es folgte ein 1:1 gegen Hannover, danach verloren die Hamburger in Dortmund, gegen Leverkusen - und nun beim SV Werder. Selbst in seiner bislang schlechtesten Saison 2013/2014, als der HSV mit nur 27 Punkten über die Relegation den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte vermied, hatte der Klub nach dem 24. Spieltag drei Zähler mehr als jetzt. Und Hollerbach sagt, was Trainer in seiner Lage meist sagen:

  • Was soll er auch sagen? Bernd Hollerbach.
    Was soll er auch sagen? Bernd Hollerbach.(Foto: imago/Nordphoto)
    "Wir sind alle enttäuscht, ich auch."
  • "Wer uns abschreibt, macht einen Fehler."
  • Der HSV glaube "natürlich noch an die Rettung".
  • "Wir haben uns noch lange nicht aufgegeben."
  • Seine Mannschaft müsse nun "die Ärmel hochkrempeln",
  • "alles reinlegen" und dabei
  • bitteschön "konzentriert bleiben".

Und nun? Ist es an der Zeit, gegen den Trend zu argumentieren: Es ist doch noch alles drin. Der Haken ist nur, dass die Hamburger endlich ein Spiel gewinnen müssten. Zum Beispiel das am Samstag (ab 15.30 Uhr im Liveticker bei n-tv.de) gegen den FSV Mainz, der auf besagtem Relegationsplatz steht. Gelänge das am 25. Spieltag tatsächlich, betrüge der Abstand nur noch vier Punkte. Dass der HSV eine Woche drauf beim FC Bayern antreten muss, erwähnen wir lieber nicht.

Hoffenheims Fans schieben Nagelsmann-Frust

Vom Heilsbringer zum Buhmann ist es nicht weit: Hoffenheims Julian Nagelsmann weiß das nun auch. In der vergangenen Saison konnte sich der jüngste Trainer der Liga des Lobes vieler Experten, Kollegen und Fans kaum erwehren. Nun aber pfeifen die Anhänger ihn und seine Mannschaft aus. Ja, das Fußballspielen fällt den Hoffenheimern derzeit nicht so leicht. Das erstmalige Erreichen des Europapokals hatte sowieso schon hochgesteckte Hoffnungen noch größer werden lassen. Was kommt nach der Europaliga, aus der die Hoffenheimer allerdings kläglich ausschieden?  Die Champions League, jawoll! Nun, für die TSG wohl (vorerst) nicht.

Gereizt: Julian Nagelsmann.
Gereizt: Julian Nagelsmann.(Foto: imago/Revierfoto)

Die Tabelle jedenfalls lässt für das Saisonende nichts derart Gutes verheißen. Vor allem nicht die der Rückrunde: 17. ist Hoffenheim da. Nur der HSV ist schlechter. Die Gesamttabelle verheißt allerdings (noch) nichts Dramatisches - sondern eben einfach Mittelmaß. Denn wohlgemerkt: Die TSG ist derzeit Achter. "Wir wären gerne besser, aber dennoch waren wir in dieser Saison noch nie schlechter als Neunter", sagte Nagelsmann nach dem 1:1 gegen den SC Freiburg. Und zu den Pfiffen der erbosten Fans sagte er ebenso erbost: "Was machen dann die Fans der Mannschaften, die hinter uns stehen? Die vom Zehnten stürmen das Feld? Die vom Elften nehmen einen Spieler mit nach Hause? Und die vom Zwölften machen den Mannschaftsbus kaputt?" Gute Frage. Wir gehen davon aus, dass er mit seinen 30 Jahren ganz schnell einen neuen Job finden würde, sollten sie ihn in Hoffenheim nach dieser Publikumsbeschimpfung nicht mehr haben wollen.

Auf Schalke ist die Champions League verboten

Blendet man die Punktzahl aus, ist die Lage der Gelsenkirchener prima. Nach dem 2:0 in Leverkusen steht der FC Schalke 04 wieder auf einem Tabellenplatz, der sie in der kommenden Saison dazu berechtigen würde, bei den ganz Großen in der Champions League mitzuspielen. Nur Trainer Domenico Tedesco hält sich wohlweißlich mit allzu großen Ankündigungen zurück: "Die Fans dürfen davon sprechen und träumen. Bei uns ist das aber schlichtweg verboten. Denn erstens ist die Tabelle unheimlich eng und zweitens würden wir dann Gefahr laufen, den Fokus zu verlieren." Auch sonst scheint Tedesco seine Mannschaft im Griff zu haben. Unter dem Bayer-Kreuz wechselte er nach 66. Minuten tatsächlich Nabil Bentaleb ein, den er in den zwei Partien zuvor wegen disziplinarischer Gründe aus dem Kader verbannt hatte. Und eine Minute vor dem Ende des Spiels durfte der Algerier sogar den Elfmeter zum Endstand schießen. "Er hat mich angefleht zu schießen", sagte Daniel Caligiuri: "Nach den Trainingsleistungen der letzten Wochen hat er es sich verdient."

Wolfsburg remisiert sich an den Abgrund

Der VfL Wolfsburg ist ein Phänomen. Von bisher 24 Spielen endeten 13 unentschieden. Ob nun gegen Spitzenklubs wie den FC Bayern, Bayer 04 Leverkusen, den FC Schalke, Borussia Dortmund; oder gegen Abstiegskandidaten wie den Hamburger SV und jetzt eben den FSV Mainz 05. Gegen Erstgenannte ist es sicherlich als Erfolg zu werten, einen Punkt zu gewinnen. Gegen Letztgenannte schmerzt dagegen eher der Verlust von zwei weiteren möglichen Zählern. Denn ein Punkt ist zwar ein Punkt, macht den Kohl - oder besser das Punktekonto - nicht fett. 25 davon stehen nun zu Buche, das reicht für Platz 15, nur ein Punkt mehr als der Gegner dieses Spieltags, der derzeit auf dem Relegationsplatz rangiert.

Umso dramatischer, dass es auch gegen die Mainzer nur zu einem Punkt reichte. Schließlich hatte Remiskönig-Trainer Martin Schmidt in der Vorwoche das Handtuch geworfen, die Niedersachsen engagierten Bruno Labbadia, damit es endlich bergauf geht. Doch vorerst hilft das nicht, den Unentschieden-Fluch zu besiegen. Und so resümiert auch Labbadia: "Ich kann momentan keine Freude empfinden. Abstiegskampf ist Shit - das muss man einfach so sagen." Dabei beweist doch der VfB Stuttgart, was ein Trefferwechsel bewegen kann. Seit der anfangs so ungeliebte Tayfun Korkut die Schwaben coacht, geht's steil bergauf. Okay in seiner ersten Partie gab es ein Remis - natürlich gegen Wolfsburg - doch seitdem folgten drei Siege, nun sogar mit 1:0 gegen den Tabellenvierten Eintracht Frankfurt. Von Platz 14 kletterten die Stuttgarter zwar nur auf Platz 12 - sind jetzt aber sechs Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Vielleicht kann sich Labbadia etwas von seinem Kollegen abgucken - und endlich das Remisieren abstellen.

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Quelle: n-tv.de