Fußball

Gegen Real reicht's nicht Der FC Bayern stößt an seine Grenzen

Wieder geht's in der Königsklasse gegen Real Madrid, wieder verliert der FC Bayern. Und nun? Versuchen es die Münchner auf paradoxe Art: Die Schwäche von gestern soll die Stärke von morgen sein. Aber sind sie wirklich gut genug?

Kaum war es vorbei, verteidigte Jupp Heynckes seine Mannschaft: "Ich mache den Spielern gar keinen Vorwurf, sie haben alles gegeben." Das ist sehr ehrenwert und ein feiner Zug des Trainers. Doch auch er wusste, dass dieses 1:2 (1:1) seines FC Bayern gegen Real Madrid im Halbfinalhinspiel der Fußball-Champions-League am Mittwochabend einerseits der Stärke, dem Selbstbewusstsein und der Abgeklärtheit des Gegners geschuldet war; andererseits aber auch den Schwächen der Münchner. "Eigentlich waren beide Gegentreffer Geschenke." Und weil sie vor 70.000 Zuschauern im ausverkauften Stadion in Fröttmaning dann auch noch eine Vielzahl an Torchancen verschluderten, hatte es wieder einmal nicht gereicht.

So weit, so schlecht. Paradoxerweise sehen die Münchner aber genau darin einen Ansatz, trotz allem moderat zuversichtlich ins Rückspiel zu gehen, das am Dienstag, den 1. Mai (ab 20.45 Uhr im Liveticker bei n-tv.de), im Estadio Santiago Bernabéu stattfindet. Heynckes sagte, er habe selten eine Mannschaft aus Madrid gesehen, die so viel zugelassen habe. "Deshalb geben wir nicht auf." Real sei, was durchaus stimmt, verwundbar in der Defensive. Das hatte sich schon im Viertelfinale gegen Juventus Turin gezeigt, als die Madrilenen im Rückspiel mit 0:3 zurücklagen. Nur ein Elfmetertor Cristiano Ronaldos hatte sie in der Nachspielzeit ins Halbfinale gebracht. Der portugiesische Stürmer war in München nahezu unsichtbar. Aber dafür trafen andere, nachdem Joshua Kimmich die Bayern in der 28. Minute mit einem frechen Schuss in Führung gebracht hatte: Marcelo, der famose Linksverteidiger (44.), und der zur zweiten Halbzeit für Isco eingewechselte Marco Asensio (57.).

Theaterauftritte in der Bundesliga

Doch auch wenn Reals deutscher Mittelfeldfeldspieler Toni Kroos einräumte, dass das Resultat "schon glücklich" sei - für die Bayern hat es nicht gereicht. Wieder einmal. Im vergangen Jahr verloren sie im Viertelfinale zu Hause mit 1:2 und in Madrid mit 2:4, da allerdings erst nach Verlängerung. Nun folgte die sechste Niederlage gegen Real in den vergangenen sechs Spielen. Eine längere Serie an Niederlagen haben die Münchner gegen kein anderes Team. Und: Sie haben nur drei ihrer letzten 26 Heimspiele in der Champions League verloren - alle drei gegen die Königlichen. Die traten am Mittwoch keineswegs wie eine Übermannschaft auf. Aber sie haben ihre Chancen mit brutaler Effizienz genutzt.

Für die Münchner dürfte genau das besonders bitter sein. Dabei hatten sie dem Spiel richtiggehend entgegengefiebert. Endlich ein ernsthafter Gegner, mögen sie sich gedacht haben. Während die Auftritte des FC Bayern in der Bundesliga immer mehr Theaterauftritten gleichen, deren Ausgang längst feststeht und selbst das geneigte Publikum immer weniger in ihren Bann zieht, geht es ja in der Champions League noch um etwas. Und so war den Münchnern vor dem alljährlichen Treffen mit den Königlichen aus Madrid tatsächlich so etwas wie Freude anzumerken. "Das wird ein Genuss für den Fußballkonsumenten. Das sind die Spiele, für die man arbeitet. Das sind Höhepunkte", hatte Heynckes befunden, dem mit all der Erfahrung seiner 72 Jahre eine solche Expertise durchaus zusteht. In der europäischen Königsklasse gilt bisweilen noch, was einst ein anderer großer Trainer, Sepp Herberger war's, gesagt hat: "Die Leute gehen ins Stadion, weil sie nicht wissen, wie es ausgeht."

Tja, es sei denn, es geht gegen Real Madrid. Damit bleiben die großen Fragen dieser Saison vorerst unbeantwortet, die da lauten: Kann dieser national so dominante FC Bayern auch mit den ganz Großen in Europa mithalten? Wie bewährt sich die Mannschaft im Stresstest, wenn sie endlich maximal gefordert wird? Es war ja nicht so, dass sie keine Chancen hatten. Und eine gewisse Wertigkeit hat die Mannschaft auch international. Nur deutete sich an diesem für die Münchner so unerfreulichen Abend dann doch an, dass sie an ihre Grenzen gestoßen sind und es in dieser Saison wieder nicht für den ganz großen Wurf reichen dürfte. Das Endspiel am 26. Mai in Kiew jedenfalls ist in weitere Ferne gerückt, als es sich die Bayern vor der Partie eingeredet hatten. Aber wie sagte es Heynckes? "Man sollte erst einmal abwarten. Ein Semifinale besteht aus zwei Begegnungen. Abgerechnet wird am Ende." Na dann: Vorhang auf.

Quelle: n-tv.de

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