Fußball

Die Lehren des 16. Spieltags Der FC Rumpel-Bayern sagt brav danke

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Nicht toll gespielt, dafür Hinrundenmeister: Leroy Sané und der FC Bayern sind weiter auf Kurs in der Liga.

(Foto: Bernd Feil/M.i.S/Pool)

Der FC Bayern erledigt mehr schlecht als recht seine Pflichtaufgabe in der Fußball-Bundesliga und bedankt sich bei der noch schwächeren Konkurrenz. Dortmund schwankt zu viel für eine Chance auf die Meisterschaft und bei Union Berlin haben sie Rassismus noch nicht ganz verstanden.

Für die Liga reicht's trotzdem

Bayern-Trainer Hansi Flick hatte nach dem "brutalen Weckruf" von Kiel beim Zweitrunden-Aus im DFB-Pokal betont: "Es gibt keine Entschuldigung mehr!" Das Spiel gegen Freiburg werde zeigen, "ob wir ein Spitzenteam sind". Nun ja, so halb, müsste derzeit die ehrliche Antwort lauten. Zwar knipste Robert Lewandowski sein 21. (!) Hinrundentor, was einen neuen Bundesligarekord bedeutete, und Thomas Müller sorgte für den 2:1-Sieg gegen das Team von Christian Streich. Aber von der Dominanz des Triple-Jahres ist der FC Bayern weiterhin weit entfernt.

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Am Ende war's eine Zitterpartie.

(Foto: Peter Schatz / Pool)

Vielmehr ist der Rekordmeister immer noch anfällig wie lange nicht mehr. Nils Petersen brauchte nur ein paar Sekunden auf dem Platz zu stehen, um direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 einköpfen zu können. Nach einer Ecke fehlte den Münchnern komplett die Zuordnung. Kurz vor Schluss stand der Torschütze abermals sträflich allein, Manuel Neuer war bei seinem Gewaltschuss schon geschlagen, aber die Latte rettete. Alles drängte sich in den finalen Minuten im Strafraum der Bayern, das ist der Rekordmeister sonst nicht gewohnt. Etwas behäbig und nervös kamen seine Aktionen in diesen Szenen daher.

"Von der Spielweise können wir uns steigern. Am Ende haben wir gezittert", gab auch Jérôme Boateng zu. Aber nach dem Pokal-Frust entkommen die Münchner letztendlich gerade noch so dem nächsten Dämpfer und bauen tatsächlich trotz Schwächephase ihre Führung in der Tabelle aus. Die Quintessenz lautet also: Selbst mit diesem Formtief reicht es für den Bundesligatitel, denn ...

... die Konkurrenz will und kann nicht

Stets gab es die gleichen Bekundungen von den Verfolgerklubs: Ja, der FC Bayern ist übermächtig, aber unsere Aufgabe ist es, da zu sein, wenn die Großmacht einmal wankt. Nun, vor dem Freiburg-Spiel hatten die Münchner aus den vergangenen sechs Liga-Partien die für ihre Verhältnisse mangelhafte Ausbeute von elf Punkten geholt. Dann der Fauxpas im Pokal bei Holstein Kiel. Der Titan wankte (zumindest bis zum Sonntagnachmittag) und die Nachhut? War geschlossen mit eigener Stolperei beschäftigt.

RB Leipzig hätte mit einem Sieg in Wolfsburg die Tabellenführung mindestens für eine Nacht übernehmen können. Am Schluss mussten Trainer Julian Nagelsmann und Co. aber froh sein, dass Wout Weghorst den VfL-Siegtreffer kurz vor Ende verpasste und sie immerhin mit einem Punkt nach Hause fuhren. In den vergangenen vier Partien haben die Sachsen gerade einmal fünf Punkte gesammelt. Sogar Werder Bremen holte zwei mehr. "Es ist kein Naturgesetz, dass alle anderen Mannschaften gewinnen, wenn Bayern das mal nicht tut", musste Nagelsmann nach dem Spiel auch eingestehen. "Ich thematisiere nicht das Bayern-Jagen, sondern unser eigenes Punkte-Sammeln." Am Ende ist Leipzig vielleicht doch noch kein richtiger Dauer-Topklub: In der vergangenen und dieser Spielzeit gelang RB gegen die Großen der Liga - Bayern, Dortmund, Leverkusen, Wolfsburg und Mönchengladbach - nur ein einziger Dreier.

"Bayer 04 Leverkusen", antwortete Leverkusen-Coach Peter Bosz kurz vor Weihnachten nach der unverdienten 1:2-Niederlage gegen Bayern München auf die Frage, welche Mannschaft denn Deutscher Meister wird. Auch wenn die Antwort womöglich nicht ganz ernst gemeint war, die Ambitionen der Werkself waren damals klar erkennbar. Seitdem holte man allerdings nur noch ein mickriges Pünktchen in drei Ligaspielen (einen Zähler aus vier Partien gab es unter Bosz zuvor noch nie). Auch bei der 0:1-Pleite gegen Union Berlin tat sich die Bosz-Mannschaft überaus schwer. Nichts war mehr zu sehen von der Leichtigkeit und Treffsicherheit aus der Endphase von 2020 - am Dienstag kommt der BVB in einem wegweisenden Spiel zu Besuch.

BVB-Schwankungen nicht erklärbar

Borussia Dortmund ist allerdings ebenfalls ein schwankender Bayern-Verfolger und fährt nicht gerade mit Selbstbewusstsein nach Leverkusen. Nach zwei wichtigen Siegen in den Verfolgerduellen gegen Wolfsburg und Leipzig hatte man im Team rund um den neuen Trainer Edin Terzic wieder Morgenluft gewittert und heimlich ganz nach oben in der Tabelle geschielt. Besonders der entfesselte Auftritt in der zweiten Hälfte gegen RB machte Lust und Hoffnung auf mehr.

Nun aber das maue 1:1 gegen Mainz 05, bei dem Marco Reus auch noch einen Elfmeter verschoss. Zum ersten Mal überhaupt zielte der BVB-Kapitän vom Punkt am Tor vorbei. Es hätte die Wende im Spiel sein können - wer nach der verpassten Chance auf das 2:1 aber einen gelb-schwarzen Sturmlauf erwartete, wurde bitter enttäuscht. Kaum ein Aufbäumen war erkennbar, es blieb beim Unentschieden. Nur ein Dreier aus den vergangenen fünf Heimspielen steht zu Buche, Angstgegner Mainz entführte in den vergangenen vier Partien sieben Zähler aus Dortmund.

Ob es nach dem 1:1 noch für das Titelrennen reicht, ist fraglich. Bei einer Niederlage in Leverkusen könnte der Rückstand auf die Bayern bereits auf zehn Punkte anwachsen: Sky-Experte Didi Hamann beantwortete die Frage daher mit einem ganz einfachen "Nein". Er könne sich "die Schwankungen nicht erklären" im BVB-Spiel. Terzic muss schnell solche Erklärungen finden, sonst ist sogar die Qualifikation für die Champions League in Gefahr.

Stoppt der mutmaßliche Rassismus-Eklat den Union-Hype?

Zu einem ernsthaften Konkurrenten der Dortmunder ist auch Union Berlin geworden, obwohl sich manch Fan und Experte immer noch fragt, wann denn die Eisernen eigentlich anfangen mit stolpern. Union hat nun seit dem Stadtderby am zehnten Spieltag nicht mehr verloren. Davor gab es lediglich die Niederlage vom Auftakt gegen Augsburg. Sollten die Köpenicker auch RB Leipzig zum Ende der Hinrunde Punkte abjagen - und damit womöglich auf einem Platz landen, der zur Teilnahme an der Champions League berechtigen würde - wäre die Sensation endgültig perfekt.

Doch nun könnte ein mutmaßlicher Rassismus-Skandal die heile Union-Welt einreißen. Berlins Florian Hübner soll nach dem Freitagsspiel "Scheiß Afghane" in Richtung des Leverkusens Nadiem Amiri gesagt haben. Der deutsche Nationalspieler besitzt afghanische Wurzeln, die Thematik beschäftigt nun die Ermittler des DFB. Hübner ging direkt im Anschluss in die Bayer-Kabine und bat Amiri um Entschuldigung. Nur wofür, das ist immer noch nicht klar. Jonathan Tah machte die rassistische Beleidigung öffentlich, räumte aber später ein, dass er die Worte "selber nicht gehört" habe. Leverkusen und Amiri äußerten sich nicht weiter, als dass das Thema "erledigt" sei.

Union-Geschäftsführer Oliver Ruhnert verwirrte aber wenige Stunden nach dem Abpfiff mit seiner Aussage, Hübner könne ja gar kein Rassismus vorgeworfen werden, da dieser mit einer "nicht weißen" Frau zusammen sei. Solch ein Trugschluss wird in den USA häufig von Anhänger einer weißen Vorherrschaft und Überlegenheit (auch Donald Trump machte davon schon Gebrauch) verwendet, um zu rechtfertigen, dass sie gegenüber Schwarzen nicht rassistisch sein. Die krude Argumentation wird in den Staaten gerne als Beispiel für einen gewissen Widerstand bei Weißen gegen antirassistisches Denken angeführt. "Chillt mal, wir sind in Deutschland hier", ist eine weitere Aussage, die gefallen sein soll, als sich Leverkusens Leon Bailey nach einem Foul nicht aufhelfen hatte lassen wollen. TV-Aufnahmen legen das Nahe, zeigen aber nicht, wer sprach. Der Ruf des weltoffenen Klubs hat Kratzer bekommen.

Auch Kacktore bringen Punkte

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Getroffen und gewonnen.

(Foto: imago images/Nordphoto)

ARD-Moderator Arnd Zeigler kürt jeden Monat die "Kacktore" der verschiedenen deutschen Ligen. Über den Treffer des Werderaners Felix Agu gegen Augsburg dürfte Zeigler sich doppelt gefreut haben: Erstens sicherte es den Hanseaten wichtige drei Punkte im Abstiegskampf und der ARD-Mann ist bekennender Bremen-Fan. Und zweites war das 2:0 ein echtes "Kacktor", wie Agu im Anschluss an die Partie verkündete.

Der Torschütze lachte über seinen Treffer sogar. "Als der Ball reinging, da musste ich ein bisschen schmunzeln", sagte Agu, der sich selbst ans Standbein schoss, von wo der Ball unhaltbar ins Augsburger Tor flog. Aber, auch das hielt der Startelf-Debütant fest, der zusätzlich noch das 1:0 vorbereitet hatte: "Nach der letzten Saison ist nicht wichtig, wie schön der Fußball ist, sondern wie die Ergebnisse sind." Damit brachte Agu es auf den Punkt. Werder kann derzeit nicht anders, als sich mit "Kacktoren" zu helfen, das Offensivspiel war erneut extrem unkreativ und uninspiriert. Aber auch "Kacktore" bringen Punkte - und eine Zeigler-Nominierung dürften auch weitere Bremer Torschützen dankend in Kauf nehmen, wenn am Ende damit der Klassenhalt eingetütet werden sollte.

Quelle: ntv.de