Fußball

Buli-Vorschau: Die Ehrgeizigen Der Kampf um Europa wird immer Hertha

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Warum sollte es in der Bundesliga jetzt besser werden? Hertha will nach dem Pokal-Aus trotzdem nach Europa.

(Foto: imago images/Eibner)

Die Bundesliga-Spitze scheint zementiert, dahinter formieren sich ambitionierte Herausforderer - und dann kommen die, die einfach hoffen müssen, noch einen Fuß in die Tür nach Europa zu bekommen. Da helfen auch weder große Sprüche, große Namen oder große Ziele. Und eine Auftaktblamage schon gar nicht.

VfL Wolfsburg

"Wenn du selbst keine Begeisterung aussendest, dann kann der Funke auch nicht überspringen." Klingt nach einer Glückskeks-Weisheit, ist aber eine Glasner-Weisheit. Oliver Glasner ist Trainer des VfL Wolfsburg und hat große Ziele für die kommende, seine zweite Saison in der Bundesliga. "Wir müssen es noch mehr schaffen, in der Mannschaft, im Betreuerteam, im gesamten Klub Euphorie zu entfachen", sagte der Österreicher bundesliga.de und weiß es ja selbst: Euphorie in diesen Tagen zu entfachen ist schon schwer genug, zumal in Wolfsburg.

Und dann ist es ja so, dass der Klub seit zwei Jahren nahe am Limit ist, was die Platzierungen betrifft. Zweimal hintereinander qualifizierte man sich für die Europa League - und das ist angesichts der enteilt scheinenden absoluten Bundesliga-Spitze aller Ehren wert. Aber Glasner will mehr. "In Wolfsburg wollen wir die Art des Fußballs verändern, einen gemeinsamen Weg gehen", ein Platz unter den Top sechs soll es werden.

Dafür müssen seine Spieler vor allem offensiv mehr Lösungen finden: 48 eigene Treffer in der vergangenen Saison waren der schwächste Wert aller Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Euphorie entfacht man mit diesem Minus-Programm natürlich nicht, zumal allzu oft der brachiale Wout Weghorst den Ball am Ende reinarbeitete. Aber Glasner ist auch da auf Kurs Begeisterung: "Die Richtung stimmt. Im Spiel nach vorne haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht", ist der Österreicher zuversichtlich. Die Pokal-Pflichtaufgabe gegen den Viertligisten Union Fürstenwalde erledigten die Glasner-Schützlinge jedenfalls zuverlässig.

Ein positiver Faktor für eine erneut erfolgreiche Saison könnte die Kader-Kontinuität bei den Niedersachsen sein: Zwar gab es zahlreiche Abgänge, die allerdings eher in den Bereich Verschlankung fallen. Die Schlüsselspieler blieben beisammen, mit Admir Mehmedi spielte sich ein Ergänzungsspieler während der Vorbereitung zurück in den Fokus. Nun ist Kontinuität ja nicht gerade besonders begeisternd oder gar euphorisierend. Wenn am Ende aber wieder eine Qualifikation für die Qualifikation zur Europa League herausspringt, wird sich keiner beschweren. Mehr ist aber auch nicht drin.

Eintracht Frankfurt

Nach der zweimaligen Teilnahme an der Europa League steht bei Eintracht Frankfurt in dieser Saison wieder das Brot-und-Butter-Geschäft aus Bundesliga und DFB-Pokal im Fokus. Durchatmen, Kräfte sammeln, oben angreifen lautet die Devise des Klubs. Ziel muss es sein, wieder international zu spielen. Die Voraussetzungen dafür sind gut: Mit Mijat Gacinovic (Hoffenheim) und Lucas Torro (CA Osasuna) haben zwar zwei namhafte Fast-Stammspieler die Eintracht verlassen. Ein weiterer Aderlass nach der Vorsaison, als die SGE ihre "Büffelherde" aus Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastian Haller ziehen lassen musste, bleib somit aus - bisher. Goncalo Paciencia wird wohl noch zum FC Schalke wechseln. Ein Fragezeichen bleibt bei Filip Kostic, den die Eintracht zwar unbedingt halten will, für den sie aber auch rund 30 Millionen Euro Ablöse kassieren könnte.

Zum Prunkstück der Eintracht könnte sich in der neuen Saison erneut die Offensive entwickeln: Bas Dost erstmals nachhaltig schmerzfrei, dazu Andre Silva, den Frankfurt gerade nach einer Leihe fest verpflichtet hat. Und dann wäre da auch noch Ragnar Ache, U21-Nationspieler und gebürtiger Frankfurter, Neuzugang aus Rotterdam, auf den die Eintracht große Stücke hält und in der Zukunft setzt. Nicht zu vergessen: Offensiv-Wirbelwind Daichi Kamada, der bei den SGE-Fans Erinnerungen an Jay-Jay Okocha weckt. Vorne stimmt's also. Aber ob es eine erfolgreiche Saison wird, entscheidet die Defensive. Das hat bereits die letzte Saison gezeigt, als Frankfurt mit 59 Toren zwar den sechstbesten Angriff stellte, gleichzeitig die sechstschlechteste Abwehr mit 60 Gegentoren allen internationalen Ambitionen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Hertha BSC

Nun kann sich die Hertha voll auf die Meisterschaft konzentrieren. Puh, abgehalfterter ist wohl kein Witz im Fußballgeschäft. Doch wenn ein Klub so viele Millionen Euro ausgibt, um zum selbsternannten "Big City Klub" zu reifen, muss er mit den Erwartungen umgehen können. Daran ist Hertha BSC in der ersten Runde des DFB-Pokals krachend gescheitert. 4:5 endete die Partie gegen Eintracht Braunschweig, dem Drittliga-Aufsteiger. "Ein Albtraum-Spiel", kommentierte Torwart-Neuzugang Alexander Schwolow. Lyon-Transfer Lucas Tousart dürfte sich eindringlich fragen, warum genau er vom Champions-League-Halbfinalisten zum Bundesliga-Mittelfeldklub wechselte.

Warum sollte es in der Bundesliga jetzt besser werden? Das ist nach einer Horror-Vorbereitung eine berechtigte Frage. Niederlagen gegen Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven, den Hamburger SV und dann im Pokal gegen Braunschweig. Zum Auftakt dieser Bundesliga-Saison geht es gegen den SV Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr im ntv.de-Liveticker). Der Kader sollte mehr hergeben, als es die Vorbereitung offenbarte. Bruno Labbadia hat mit Deyovaisio Zeefuik einen neuen, jungen Verteidiger im Kader, Mittelfeldmann Tousart darf Monate nach seinem Transfer jetzt endlich mitspielen. Stürmer Jhon Cordoba vom 1. FC Köln unterschrieb jüngst bei Hertha, als Tausch muss wohl Ondrej Duda schon wieder weichen. Nach seiner Leihe zu Norwich City war er gerade erst nach Berlin zurückgekehrt, jetzt geht's vermutlich weiter zum Effzeh.

Es ist Saison eins nach Jürgen Klinsmann, nach Facebook-Äußerungen, nach Ante-Covic-und-Alexander-Nouri-Missverständnis, nach Salomon Kalous Corona-Leak. Labbadia hat bewiesen, dass er einen Draht zum Team hat, dass er ein Konzept hat, dass er die Hertha voranbringen kann. Doch nach dieser ersten Klatsche müssen er und seine Mannschaft sich strecken, das selbsternannte Ziel Europa nicht gleich zu gefährden.

Quelle: ntv.de