Fußball

Buli-Vorschau: Die Verfolger Hoeneß muss jetzt Erfolge organisieren

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Der neue Hoeneß der Bundesliga: Sebastian Hoeneß.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Das Top-Trio der Bundesliga ist enteilt. Oder? Mindestens ein Trainer widerspricht da vehement. Und hat dafür sehr gute Argumente. Andernorts vertraut man die sportliche Zukunft einem Hoeneß an. Keine schlechte Idee. Die Verfolger haben große Ambitionen. Berechtigt oder nicht.

Borussia Mönchengladbach

Wo soll das nur hinführen? "Wir wollen uns weiter nach vorne entwickeln - im Optimalfall verbessern sich dann auch Leistungen und Resultate in allen Wettbewerben" - sagt Marco Rose, Trainer von Borussia Mönchengladbach dem "Kicker". Zur Erinnerung: Rose führte die Mannschaft in seiner Premierensaison in die Champions League, holte 20 Siege in 34 Bundesliga-Spielen - und implementierte der nicht unerfolgreichen aber vergleichsweise biederen Borussia eine aufregende, temporeiche Spielidee.

Das Stammpersonal, das die Tabelle 2019 neun Spieltage angeführt hatte, blieb komplett zusammen, zusätzlich bekam Rose mit Hannes Wolf und Valentino Lazaro zwei Wunschspieler zur Verfügung gestellt. Der Pflichtspielauftakt war eine lockere Nummer: 8:0 schlug man den Bremen-Ligisten FC Oberneuland im Pokal.

Sportlich läuft es, die sicher nicht weniger Avancen, die für die Edeloffensive, aber vor allem auch für Schlüsselspieler Denis Zakaria eingelaufen sind, wurden erfolgreich abgewertet. Alles super also? Ja. Probleme schafft man sich wenn dann eigentlich nur selbst: Im Länderspiel gegen die Schweiz foulte Gladbachs Nationalspieler Matthias Ginter seinen "Fohlen"-Kollegen Breel Embolo derart robust, dass der Angreifer zum Bundesligastart ausfallen wird. Mit Marcus Thuram und Alassane Plea verpassten zwei weitere Topleute aus dem prall gefüllten Offensivarsenal Teile der Vorbereitung.

Mit Hannes Wolf könnte aber einer schnell in die Bresche springen, der Rose schon lange begleitet: Rose führte Wolf durch die Jugend bei Red Bull Salzburg, holte den Angreifer dann später mit zu den Profis. Nach einer kurzen Trennung - Wolf ging von Salzburg nach Leipzig - sind beide nun wieder vereint. Wohl niemand ist mit Roses Idee des intensiven, aggressiven Anlaufens besser vertraut, als der 21-jährige Österreicher. In der Offensive kann Wolf nahezu überall spielen - und könnte ein Faktor für die Weiterentwicklung des Champions-League-Teilnehmers sein. Es spricht wahrlich nichts dagegen, dass die Entwicklung das nächste Etappenziel wieder in der Königsklasse findet.

Bayer 04 Leverkusen

Geredet wird vor allem über den, der nicht mehr da ist: Kai Havertz. Mit seinem Erlös von kolportierten 100 Millionen Euro hat Leverkusen nun einiges auf der hohen Kante. Also her mit den Spielern! Ähm, nein. Sport-Geschäftsführer Rudi Völler gibt sich zurückhaltend, will das Geld "ganz sicher nicht komplett reinvestieren". Dabei wären Neuzugänge nötig, "um das Niveau zu halten oder besser zu werden", gibt er zudem in der "Bild am Sonntag" zu. Neben Havertz hat schließlich auch Kevin Volland den Klub verlassen - ein ebenfalls gewichtiger Spieler, der ob des Hypes um Havertz nur gerne mal vergessen wird.

Sonst aber sieht es durchaus rosig aus für die Werkself. 7:0 - das mutmaßlich höchste Pflichtspiel-Ergebnis dieser Saison ist bereits beim ersten Auftritt eingetütet. Nun ja, Eintracht Norderstedt war kein ebenbürtiger Gegner für das Team von Trainer Peter Bosz. Mit dem Regionalligisten kannte Bayer keine Gnade. Neuzugang Patrik Schick, der offiziell von der AS Rom wechselt, der aber an RB Leipzig ausgeliehen war und damit die Bundesliga bereits kennenlernte, überzeugte mit seinem Tor-Debüt. Ebenfalls traf der, der bereits als Havertz-Nachfolger auserkoren ist: Florian Wirtz.

Seit vergangener Saison ist er bereits der jüngste Bundesliga-Torschütze aller Zeiten - das schürt Erwartungen. Hauptsächlich auf Rechtsaußen eingesetzt, könnte er für Bosz auf Links eine Alternative zu Moussa Diaby werden. Nämlich dann, wenn Leon Bailey tatsächlich den Klub noch Richtung England verlässt. Gerüchten zufolge wird auch Stürmer Lucas Alario noch weiterziehen - mit Schick aber hat ja bereits einer dessen Nachfolge angetreten. Allerdings nur einer, Bosz reicht das nicht, er fordert weitere Zugänge: "Wir haben mit Kai und Kevin 60 Scorerpunkte verloren. Es wäre schön, wenn Patrik 30 Tore schießt und 30 vorbereitet, aber ich glaube, das kann er nicht alleine schaffen. Da müssen noch andere Spieler kommen." Doch auch so ist klar: Bosz muss sich an der Qualifikation für die Champions League messen lassen, nachdem es zuletzt "nur" für die Europa League reichte.

TSG 1899 Hoffenheim

Nein, wir holen die Wucht der Verwandtschaft des neuen Hoffenheim-Trainers jetzt nicht auch noch heraus. An der Seitenlinie bei den Kraichgauern steht jetzt Sebastian Hoeneß. 38 Jahre alt, erste Trainerstation in der Bundesliga, gekommen vom FC Bayern, wo er die Meisterschaft mit dem Drittliga-Team feiern konnte, als Spieler nicht über die Regionalliga hinausgekommen, aber immerhin 165 Spiele für Herthas Zweite. Schon von 2006 bis 2007 in Hoffenheim aktiv. Nicht mehr, nicht weniger. Beim Pflichtspiel-Debüt im DFB-Pokal gegen den Chemnitzer FC musste Hoeneß lange zittern, erst ein 3:2 im Elfmeterschießen verhinderte das blamable Aus in der ersten Runde. Es ging hitzig zu, Hoeneß blieb äußerlich gelassen: "Es ist wichtig, ruhig zu bleiben und klar zu denken, um gute Entscheidungen zu treffen."

Gute Entscheidungen, die können sie bei der TSG gebrauchen. In der Liga, in der Europa League, mit Glück auch weiterhin im DFB-Pokal. Vor allem gute Entscheidungen, was die Taktik betrifft. Da hat Vorgänger Alfred Schreuder offenbar bei so manchem Spieler ein kleines Trauma hinterlassen. Etwa bei Innenverteidiger Kevin Apoguma, der sich plötzlich im Sturm wiederfand, weil der Niederländer es für sein verkopftes Spiel so wollte. Nun, die Last schwand, als Schreuder am 30. Spieltag der vergangenen Saison für Außenstehende überraschend abgesetzt wurde. Die Spiellust kam zurück, in drei Partien gab es 11:1 Tore und die volle Neun-Punkte-Ausbeute.

Darauf kann Hoeneß nun aufbauen. Denn das Team ist weitgehend unverändert zusammen, Steven Zuber verließ den Klub, Mijat Gacinovic kam von der Eintracht aus Frankfurt. Das Ziel ist klar: Die Europa League soll es bitte wieder werden. Auch nach aufregendem Fußball steht den Fans der Sinn, da waren sie einige Jahre verwöhnt, vor allem von ihrer Offensive. Die etablierten Frontmänner Andrej Kramaric (in der abgelaufenen Saison 16 Scorerpunkte) und Christoph Baumgartner (12) könnten ge- und unterstützt von Gacinovic und Co. unter Hoeneß zu neuer Höchtform auflaufen. Doch genau da liegt auch die Gefahr: Nimmt ein Gegner Kramaric die Wucht, wird die TSG bislang zu häufig kopflos. Da muss Hoeneß dringend noch eine gute Entscheidung treffen.

Quelle: ntv.de