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Reli-Hinspiel gegen Union Berlin Der VfB hat keine Lust auf "Horrorszenarien"

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Der VfB Stuttgart sicherte sich am vorletzten Spieltag den Relegationsrang - das 3:0 gegen den VfL Wolfsburg kam durch die stärkste Saisonleistung zustande. Das stimmt Mario Gómez zuversichtlich.

(Foto: imago images / Sportfoto Rudel)

In der Bundesliga-Relegation kann der VfB Stuttgart eine schwache Saison noch zu einem versöhnlichen Ende bringen. Anstatt mit dem Horrorszenario Abstieg beschäftigen sich die Schwaben lieber mit Tipps von einem echten Klassenerhaltsexperten.

Ereilt den VfB Stuttgart das nächste sportliche Desaster nach dem Abstieg 2016? Oder bleibt dem 1. FC Union Berlin auch in diesem Jahr der erstmalige Aufstieg in die Fußball-Bundesliga verwehrt? Eine erste Antwort auf diese Fragen können beide Mannschaften im Relegations-Hinspiel heute Abend (20.30 Uhr im Liveticker auf n-tv.de) in Stuttgart geben.

Die Rollenverteilung

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Trotz desolater Saison startet der VfB als Favorit in die Partie. Das glaubt auch Eurosport-Experte Matthias Sammer. "Aber, wie es immer ist in zwei Finalspielen, man sollte die Tagesform nicht unterschätzen", sagte der 51-Jährige. Stuttgarts Mario Gómez sieht seine Mannschaft gut auf die beiden Endspiele um den Klassenerhalt vorbereitet: "Wenn ich mir unsere Formkurve und die aktuelle Stimmung in der Mannschaft anschaue, dann gehe ich sehr fest davon aus, dass wir nächstes Jahr in der ersten Liga spielen", sagte der ehemalige Nationalspieler im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

"Wir haben ein Finale vor uns, das wir uns nicht durch gute Leistungen erspielt haben, sondern durch schlechte. Aber in den vier Spielen unter Nico Willig haben wir eine ansprechende Entwicklung hinter uns gebracht, deshalb hätte ich bei jedem Gegner gesagt: Egal, ob Hamburg, Paderborn oder Union, da müssen wir uns durchsetzen." Sieben Punkte sammelte der VfB aus vier "Willig-Spielen", dreimal gelang es der gerade rechtzeitig zum Schlussspurt wieder kompakter agierenden Abwehr um den Weltmeister Benjamin Pavard, zu null zu spielen.

Der gelobte Interimstrainer, der zur neuen Saison unabhängig von Erfolg oder Misserfolg vom neuen VfB-Coach Tim Walter wieder abgelöst wird, warnt aber: "Die Unioner haben genug Qualität, um dem VfB wehzutun, wenn er seine Leistung nicht bringt." Union werde eine "harte Nuss", sagte Willig. VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger erwartet "zwei hart umkämpfte Spiele gegen einen starken Gegner. Es ist nicht einfach, gegen Union Tore zu erzielen."

Bollwerk und Offensivduo

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Sebastian Polter (l.) traf im vorletzten Saisonspiel zweimal - zum direkten Aufstieg konnte der ehemalige Wolfsburger sein Team aber nicht schießen.

(Foto: imago images / Bernd König)

Und Hitzlspergers Respekt ist angebracht: Vor allem die Defensive der Köpenicker ist schwer zu überwinden. Lediglich 33 Gegentore hat Union in dieser Saison kassiert und damit die mit Abstand wenigsten aller Zweitligisten. Aber auch das Sturm-Duo der Berliner ist gefährlich: Sebastian Andersson (12) und Sebastian Polter (9) erzielten zusammen fast 40 Prozent aller Zweitliga-Tore Unions in der Spielzeit 2018/19. Der Schönheitsfehler: Beim 2:2 in Bochum gingen beide Stürmer am 34. Spieltag leer aus - mit einem Sieg wären die Berliner durch die parallele Niederlage des SC Paderborn in Dresden (1:3) direkt aufgestiegen.

Beim VfB wiederum sollte man nicht auf ein Offensiv-Feuerwerk freuen: 70 Gegentoren stehen nur 32 eigene Treffer gegenüber, Relegations-Routinier Gómez ist mit lediglich sieben Saisontoren gefährlichster Angreifer des Bundesligisten.

Statistik

Aber unabhängig aller Offensiv- oder Defensivqualitäten spricht die Statistik klar gegen die Berliner. Seit der Wiedereinführung der Relegation 2009 setzte sich in acht von zehn Fällen immer der Erstligist durch. "Wenn man sich die letzten zehn Jahre anschaut, in denen nur zweimal der Zweitligist gewonnen hat, ist der VfB Stuttgart wohl der Favorit", meinte Union-Trainer Urs Fischer. Seinem Stürmer Sebastian Polter ist diese Rollenverteilung indes egal: "Es geht einzig darum, mit dem Aufstieg Geschichte zu schreiben."

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Mario Gómez erinnert sich an seine eigene Relegationsteilnahme 2017: "Im Gegensatz zu anderen Endspielen heißt die Alternative nicht: Erfolg oder zweiter Platz. Sondern: Du steigst ab, oder du steigst nicht ab. Da geht es um eine Region mit einem riesigen Umland, um Strukturen, um Klubmitarbeiter. Aber es bringt ja nichts, sich Horrorszenarien vorzustellen." Gómez setzte sich 2017 mit dem VfL Wolfsburg gegen den damaligen Zweitliga-3. Eintracht Braunschweig durch und schaffte so den Klassenerhalt.

Für den Zweitligisten lohnt sich vor allem ein Blick auf die eigene Heimbilanz: Die Köpenicker verloren in der regulären Saison lediglich ein Heimspiel, dagegen stehen an der "Alten Försterei" elf Union-Siege. Dem VfB Stuttgart wiederum gelang nur ein Sieg in der Fremde.

Tipps von Stevens

Um die von VfB-Präsident Wolfgang Dietrich als "katastrophal" bezeichnete Saison zu einem halbwegs versöhnlichen Ende zu bringen, setzt Interimscoach Willig auf Tipps von Ex-Coach Huub Stevens. Nach dem Spiel beim FC Schalke 04 am vergangenen Samstag erzählte ihm Stevens, der den VfB bereits zweimal vor dem Abstieg bewahrt hatte, wie es auch diesmal klappen kann. "Huub Stevens hat mir gesagt: Ich drücke euch alle Daumen, gebt Gas und schaut auch, dass ein bisschen Spaß dabei ist", sagte Willig. "Ich nehme seine Erfahrungen gerne auf und das soll uns helfen." Geht es schief und der VfB steigt ab, würden den so ambitioniert in die Saison gestarteten Schwaben rund 15 Millionen Euro Fernsehgeld wegbrechen, dazu kämen Verluste aus Marketing- und Sponsorenerlösen. Es geht in den anstehenden beiden Spielen um mehr als "nur" eine Ehrenrunde im Unterhaus.

Quelle: n-tv.de, ter/dpa/sid

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