Fußball

Außergewöhnliche Quali-Regeln Der komplizierte DFB-Weg zur WM in Katar

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Mit oder ohne Joachim Löw: Auf dem Weg zur WM 2022 geht das DFB-Team großen Gegnern aus dem Weg.

(Foto: REUTERS)

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft steht nach dem 0:6 in Spanien vor einem Scherbenhaufen, muss aber den Blick nach vorn richten. Noch vor der EM werden Anfang Dezember die Weichen für die WM 2022 in Katar gestellt.

Selbst die krachende 0:6-Klatsche in Spanien hat nichts daran ändern können, dass Deutschland auf dem Weg zur WM 2022 in Katar den schweren Gegnern aus dem Weg geht. Durch den 1:0-Erfolg im Test gegen Tschechien und den 3:1-Sieg gegen die Ukraine hatte sich das DFB-Team bereits vor der Schmach von Sevilla einen Platz in Lostopf 1 bei der Auslosung der WM-Qualifikation gesichert. Ein schnelles Wiedersehen mit Spanien, Duelle mit Weltmeister Frankreich, Europameister Portugal oder dem Weltranglistenersten Belgien sind ausgeschlossen. Bei der Suche nach möglichen Gegnern für Deutschland lautet die Formel: 5 aus 45.

Wie läuft die Auslosung?

Die 55 europäischen Fußballnationen werden in sechs Lostöpfe verteilt. Ausschlaggebend dafür ist die Fifa-Weltrangliste. Die zehn bestplatzierten Teams aus Europa bilden Lostopf 1, die fünf schlechtesten Teams finden sich in Topf 6 wieder. Bei der Auslosung am 7. Dezember werden die Mannschaften in fünf Fünfergruppen und fünf Sechsergruppen gelost.

Wer ist in welchem Lostopf?

Topf 1: Belgien, Frankreich, England, Portugal, Spanien, Italien, Kroatien, Dänemark, Deutschland, Niederlande.

Topf 2: Schweiz, Wales, Polen, Schweden, Österreich, Ukraine, Serbien, Türkei, Slowakei, Rumänien.

Topf 3: Russland, Ungarn, Irland, Tschechien, Norwegen, Nordirland, Island, Schottland, Griechenland, Finnland.

Topf 4: Bosnien-Herzegowina, Slowenien, Montenegro, Nordmazedonien, Albanien, Bulgarien, Israel, Belarus, Georgien, Luxemburg.

Topf 5: Armenien, Zypern, Färöer, Aserbaidschan, Estland, Kasachstan, Kosovo, Litauen, Lettland, Andorra.

Topf 6: Malta, Moldau, Liechtenstein, Gibraltar, San Marino.

Gibt es Einschränkungen?

Ja, gleich mehrere Sonderfälle machen das Prozedere kompliziert. Belgien, Frankreich, Spanien und Italien werden garantiert in eine Gruppe mit nur fünf Mannschaften gelost, da sie für die Endrunde der Nations League qualifiziert sind und es sonst zu Terminkollisionen kommen würde. Somit findet sich Deutschland höchstwahrscheinlich in einer Sechsergruppe wieder.

Außerdem schließt das Fifa-Reglement schon im Vorfeld diverse Begegnungen aus politischen Gründen aus. Unter anderem darf Kosovo nicht gegen Serbien, Bosnien-Herzegowina oder Russland spielen. Auch eine Begegnung zwischen Russland und der Ukraine ist ausgeschlossen.

Darüber hinaus können nur maximal zwei Nationen mit einem Risiko für extreme Wetterbedingungen in eine Gruppe gelost werden. Hierzu zählen unter anderem Russland, Norwegen, Island und die Färöer. Und auch extrem lange Flugreisen sollen zumindest begrenzt werden. Bedeutet zum Beispiel, dass Teams aus dem äußersten Osten nur gegen maximal ein Team aus dem äußersten Westen Europas spielen dürfen.

Wer sind Deutschlands mögliche Gegner?

Alle Mannschaften aus den Lostöpfen 2 bis 6 kommen als Gegner infrage. Das sind 45 Teams, aus denen sehr wahrscheinlich fünf Teams in die "deutsche Gruppe" gelost werden. Die dicksten Brocken in Topf 2 wären wohl die Schweiz, die man in zwei Nations-League-Duellen nicht schlagen konnte, und Polen mit Torjäger Robert Lewandowski. In Topf 3 lauern EM-Kontrahent Ungarn und Russland, aber auch Norwegen um Erling Haaland. Die größten Namen in Topf 4 sind die WM-erfahrenen Teams aus Bosnien-Herzegowina, Slowenien und Bulgarien. In Topf 5 und Topf 6 warten dagegen fast ausschließlich Teams aus der Kategorie "Fußballzwerg".

Mögliche "schwere" Gruppe: Deutschland, Polen, Norwegen, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Malta.

Mögliche "leichte" Gruppe: Deutschland, Slowakei, Nordirland, Luxemburg, Andorra, San Marino.

Wie läuft die Qualifikation?

Für das Turnier in Katar, der letzten Weltmeisterschaft mit 32 Teilnehmern, qualifizieren sich nur die zehn Gruppensieger. Die zehn Gruppenzweiten müssen den Umweg über die Playoffs gehen. Dort ermitteln sie zusammen mit zwei Nations-League-Qualifikanten drei weitere europäische WM-Starter.

Was hat die Nations League damit zu tun?

Die zwei besten Gruppensieger aus der gerade beendeten Nations League 2020 haben einen Platz in den WM-Playoffs sicher, sollten sie in der Quali nicht auf Platz 1 oder 2 landen. Heißt: Frankreich und Belgien könnten jedes Qualispiel verlieren, würden aber dennoch eine WM-Chance über die Playoffs erhalten. Da es aber natürlich vollkommen unrealistisch ist, dass Frankreich, Belgien, Italien und Spanien in ihren WM-Quali-Gruppen eine Top-Platzierung verpassen, könnten sich möglicherweise Wales und Österreich als Gruppensieger aus der B-Liga über diesen "Fallschirm" freuen.

Rangliste der Nations-League-Gruppensieger: 1. Frankreich, 2. Belgien, 3. Italien, 4. Spanien, 5. Wales, 6. Österreich, 7. Tschechien, 8. Ungarn, 9. Slowenien, 10. Montenegro, 11. Albanien, 12. Armenien, 13. Gibraltar, 14. Färöer.

Die zwölf Teams - die zehn Gruppenzweiten aus der WM-Qualifikation und die zwei bestplatzierten nicht direkt qualifizierten Nations-League-Gruppensieger - werden dann in drei "Pfade" mit jeweils vier Mannschaften gelost. Aus jedem "Pfad" qualifiziert sich eine Mannschaft für das Turnier in Katar.

Wann wird gespielt?

Die zehn Spieltage in der Qualifikation werden von März bis November 2021 ausgetragen, die Playoffs gehen im März 2022 über die Bühne.

Quelle: ntv.de