Fußball

Neuer Co-Trainer beim FC Bayern? Der perfekte Plan von Miroslav Klose

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Aktuell trainiert Klose die U17 des FC Bayern.

(Foto: imago images/Sven Simon)

Im Umfeld des FC Bayern hieß es schon vor der Coronakrise, dass Miroslav Klose der Favorit für die offene Position des Co-Trainers bei den Profis sei. Damit könnte der 41-Jährige womöglich als Schnittstelle zum Jugendbereich fungieren.

Während des Lockdowns und der damit verbundenen fußballfreien Zeit geistern viele Gerüchte durch die sozialen Netzwerke. Der FC Bayern München ist davon als größter Klub der Fußball-Bundesliga besonders betroffen. Doch eines dieser Gerüchte existierte bereits vor der großen Pause, von der niemand weiß, wie lange sie noch anhalten wird: Miroslav Klose, aktuell Trainer der U17 des Rekordmeisters, soll Favorit auf den Co-Trainer-Posten bei den Profis sein.

Dass die Münchner mit Cheftrainer Hansi Flick kürzlich bis 2023 verlängerten, ist als Grundstein für die Zukunft zu werten. Nicht geklärt ist allerdings, wie Flicks Trainerteam aussehen wird. Für die Interimszeit setzte sich der Hauptstab neben Flick aus Hermann Gerland (Co-Trainer) und Danny Röhl (Co-Trainer Analyse) zusammen. Da Röhl im Sommer fast zur gleichen Zeit wie Flick an die Säbener Straße kam, ist davon auszugehen, dass er den Bayern erhalten bleibt.

Spannender ist die Personalie Gerland. Ursprünglich war angedacht, dass der 65-Jährige seine eigentliche Position als Chef des Nachwuchsleistungszentrums Stück für Stück an Holger Seitz übergibt. Ein langsamer Rückzug in Richtung Ruhestand war damit denkbar. Was der sportliche Erfolg der jüngsten Zeit mit diesen Plänen macht, ist kaum absehbar.

Dass Klose im Umfeld des Klubs als Co-Trainer von Flick gehandelt wird, deutet zwar darauf hin, dass Gerland sich tatsächlich zurückziehen könnte. Die Frage ist aber, ob Klose wirklich ein Ersatz für Gerland sein soll, will er doch bei nächster Möglichkeit den Fußballlehrer-Lehrgang absolvieren. Das würde bedeuten, dass eine Beförderung in die zweite Reihe der Profis für ihn Sinn ergibt, er aber wegen des Lehrgangs nicht ständig verfügbar wäre. Es ist also vorstellbar, dass Gerland entweder bleibt oder es noch eine weitere Verpflichtung geben wird. Zudem ist offen, wie bereit sich Klose für eine solche Rolle fühlt. Der ehemalige Torjäger war schon als Profi jemand, der seine Schritte genau abwägte und nichts überstürzte.

Kloses langsamer Weg nach oben

In den Jahren 1998 und 1999 gelang Klose mit erst 20 Jahren der Sprung in die Regionalliga. Für den FC 08 Homburg erzielte er in 18 Pflichtspielen nur ein Tor. Trotzdem wurde der 1. FC Kaiserslautern auf ihn aufmerksam und so begann im Alter von 22 Jahren der Aufstieg des späteren Weltmeisters. Über Werder Bremen (2004 bis 2007) kam er zu den Bayern, wo er zwischen 2007 und 2011 in 98 Spielen 24 Treffer erzielte und zweimal Deutscher Meister und Pokalsieger wurde.

Seine größten Erfolge sammelte er jedoch mit der Nationalmannschaft, für die er bereits 2002 bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea auf Torejagd ging. 137 Mal lief er insgesamt für den DFB auf, 71 Treffer erzielte er, 2014 wurde er dann zum Ende seiner DFB-Laufbahn Weltmeister. Bei WM-Endrunden traf Klose insgesamt 16 Mal, häufiger als jeder andere Fußballer.

Auch als Trainer ging Klose den für ihn typischen, bescheidenen Weg. 2016 absolvierte er beim DFB ein Ausbildungsprogramm. Fortan wurde er im Trainerteam der A-Nationalmannschaft integriert. Dabei durchlief Klose auch verschiedene Stationen im Nachwuchsbereich. Dorthin zog es ihn dann, als er 2018 an die Säbener Straße wechselte. Klose übernahm die U17 des FC Bayern und erreichte mit ihr im ersten Jahr das Halbfinale der deutschen Meisterschaft.

Sportdirektor Hasan Salihamidzic wollte ihn daraufhin mit aller Macht in die U19 befördern. Klose aber weigerte sich und zeigte sich irgendwann sogar genervt davon, dass man ihn in eine Position drängen wolle, für die er sich noch nicht bereit fühlte. Aus dem Umfeld hieß es damals, dass der äußere Druck beinahe zum abrupten Ende seiner Zeit in München geführt hätte. Salihamidzic ließ nach, Klose blieb bei der U17. In der aktuellen Tabelle liegt diese nach 21 von 26 Spieltagen auf dem dritten Tabellenplatz, fünf Punkte hinter Spitzenreiter Mainz.

Plötzlich der Sprung nach oben?

Angesichts dieser Vorgeschichte verwundert es, dass Klose sich nur ein Jahr später den Schritt zum Co-Trainer von Hansi Flick bei den Profis vorstellen könnte. Doch darin liegt eine Chance für beide Seiten. Offensichtliche Argumente für den Klub sind, dass Klose mit seiner immensen Erfahrung und seiner Nähe zur eigenen Spielerkarriere eine neue Perspektive ins Trainerteam bringen könnte. Klose gilt als selbstbewusst, zielstrebig, lernfähig und kommunikativ. Außerdem kennen er und Flick sich aus der gemeinsamen Zeit beim DFB-Team sehr gut.

Vor allem aber hat Klose in den vergangenen beiden Jahren Spieler aus dem Jahrgang 2003 betreut, der als einer der stärksten in der jüngeren Klub-Geschichte gilt. Die U17-Nationalspieler Bright Arrey-Mbi, Torben Rhein und Lasse Günther stehen beispielhaft für diese Generation. Doch auch die Talente in den Jahrgängen 2002 und 2004 kennt Klose nun sehr genau. Sie werden in den kommenden Jahren in den Fokus der Profimannschaft rücken und dann wäre es gut, jemanden im Trainerteam zu haben, der diese Spieler so gut kennt wie der ehemalige Weltmeister.

Flick und Klose - das könnte aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit bei der Nationalmannschaft sehr gut passen. Fraglich bleibt, wie stark sich Klose schon fachlich einbringen kann, darf und vor allem will - insbesondere mit dem bevorstehenden Fußballlehrer-Lehrgang. Trotz seiner großartigen Spielerkarriere gilt der 41-Jährige immer noch als Anfänger an der Seitenlinie. Im Schatten von Flick könnte er sich jedoch weiterentwickeln, die höchstmögliche Trainerlizenz erwerben und als erweiterte Schnittstelle zum Jugendbereich fungieren. Eine Rolle, die es in dieser Form aktuell nicht gibt, aber großen Nutzen haben könnte.

Denn der FC Bayern rennt seinen Ansprüchen in der Nachwuchsförderung seit Jahren hinterher. Aus dem aktuellen Kader haben nur Thomas Müller und David Alaba die FCB-Jugend durchlaufen. Selbst vielversprechende Talente wie Lukas Mai haben den Sprung zu den Profis bis heute nicht geschafft. Vielleicht wird Klose ja ein wichtiges Puzzleteil, um solchen Spielern den Weg nach oben zu vereinfachen. Für ihn und den Klub wäre das eine große Chance.

Quelle: ntv.de