Fußball

Buli-Check: Borussia Dortmund Deutscher Meister. Wahrscheinlich. Vielleicht

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Mit Borussia Dortmund ist Mats Hummels bereits Deutscher Meister geworden.

(Foto: imago sportfotodienst)

Wird Borussia Dortmund am Ende der Bundesliga-Saison 2019/20 Deutscher Meister, dann ist das keine Überraschung, sondern bloß eine erfüllte Zielvorgabe. Mutig wie selten geht der BVB in eine neue Spielzeit. So rechtfertigt der Klub auch sein wuchtiges Investitionspaket.

"Hoppy" macht es sich schon mal gemütlich. An diesem Donnerstag bezieht das geflügelte Nashorn sein neues Domizil am Borsigplatz. "Hoppy" ist das erste Nashorn an diesem geschichtsträchtigen Ort. Und an geschichtsträchtigen oder wichtigen Orten in Dortmund stehen sie seit 2006 nunmal, diese geflügelten Riesenrosse. Kaum zu erklären also, dass der Borsigplatz bis zu diesem Donnerstag wahrzeichenfrei war. Denn hier wurde im Jahr 1909 ja der wichtigste Verein der Stadt gegründet: die Borussia. Und hier feiert dieser Verein seine Meisterschaften. Die nächste wohl im kommenden Mai. Denn nichts anderes als den Titel in der kommenden Saison der Fußball-Bundesliga haben sich die Borussen vorgenommen. Es wäre die neunte Meisterschaft der Vereinsgeschichte. Und das Ende einer ermüdenden Serie - denn erstmals seit 2013 würde der nationale Champion nicht FC Bayern heißen. Bekannter Fun-Fact: der letzte Meister vor den Münchenern war selbstverständlich Borussia Dortmund. Damals noch mit Jürgen Klopp. Und mit Mats Hummels.

Was gibt Neues?

Mats Hummels ist zurück. Und trotz der spektakulären Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard sowie dem DFB-Außenverteidiger Nico Schulz ist die Verpflichtung des Innenverteidigers der schwarzgelbe Königstransfer. Mit ihm bekommt die in der vergangenen Rückrunde schwächelnde Abwehr des BVB viel Stabilität, viel Erfahrung und eine neue Option zur Spieleröffnung aus der Defensive. So erhoffen es sich die Verantwortlichen, die für den 30-Jährigen über 30 Millionen Euro nach München überwiesen. Die größte Dortmunder Einzelinvestition im Gesamtpaket von 120 Millionen Euro. Ob er nur der beste deutsche Innenverteidiger ist - beim BVB sagen sie ja, beim FC Bayern sagen sie nein - oder nicht, das spielt bei der Bewertung des Transfers keine entscheidende Rolle. Denn noch wichtiger als die sportliche Klasse, die ist trotz seines Patzers im DFB-Pokal vorhanden, sind die Führungsqualitäten von Hummels. Unbestritten sind seine Meinungsstärke und seine Wortführung. In einer Mannschaft ohne Alphatiere schadet es sicher nicht, wenn auch mal jemand laut werden kann. Diese Eigenschaft wird auch Trainer Lucien Favre abgesprochen, der von Amtswegen jemand wäre, dem die klare Ansprache zusteht. Dem Schweizer sprechen sie in Dortmund andere Qualitäten zu: taktische Raffinesse und die Entwicklung von Spielern bis ins kleinste Detail. So korrigierte er einst bei Abdou Diallo - in diesem Sommer zu Paris St. Germain weitergezogen - die Armhaltung für ein besseres Gleichgewicht beim Ballabschirmen.

Wenn Hummels der wichtigste Transfer der Borussen ist, dann ist Brandt ganz sicher der spektakulärste. In einer sensationellen Rückrunde zauberte der Nationalspieler Bayer Leverkusen gemeinsam mit Kai Havertz noch in die Champions League. Dass Brandt für 25 Millionen Euro zu haben war, ist angesichts dessen Talents ein Schnäppchen, das es im europäischen Fußball so schnell nicht mehr geben wird. Der ohnehin schon hochwertigst besetzten Offensive der Schwarzgelben um die unverzichtbaren Marco Reus und Jadon Sancho verpasst Brandt nochmal einen Qualitätssprung.

Auf wen kommt's an?

Auf Mats Hummels. Und seine Topleistungen der vergangenen Rückrunde. Auf Paco Alcácer. Und seine Treffsicherheit der vergangenen Hinrunde. Auf Mario Götze. Und seine sehr stark ansteigende Form der vergangenen Rückrunde. Auf Axel Witsel. Und seine chefige Abgezocktheit der vergangenen Hinrunde. Auf Julian Brandt. Und seinen Spielwitz der vergangenen Rückrunde. Auf Marco Reus. Und dessen Gesundheit der vergangenen anderthalb Jahre. Auf Jadon Sancho. Und dessen unbekümmerten Freigeist. Und natürlich auf Lucien Favre, der sein immer noch sehr großes Aufgebot bei Laune halten muss. Mindestens 18 Feldspieler duellieren sich auf höchstem Niveau um die zehn Plätze in der Startelf. Hinzu kommen Ex-Kapitän Marcel Schmelzer, der flexible Marius Wolf und die Talente Leonardo Balerdi, Mateu Morey und Tobias Raschl. Nicht mehr auf der Liste der Spieler, die einen Platz beanspruchen, sind Ömer Toprak (Werder Bremen), Maximilian Philipp (Dynamo Moskau), André Schürrle (Spartak Moskau) und  Shinji Kagawa (Real Saragossa).

Was fehlt?

Es herrscht Uneinigkeit darüber, ob die Borussia noch einen "großen" Stürmer braucht. Während Klubchef Hans-Joachim Watzke seine Mannschaft mit Alcácer und Götze bestens aufgestellt sieht, sehen viele Fans und Experten noch Bedarf. Denn für das im internationalen Fußball nie zu verdrängende Last-Minute-Mittel "lange Bälle" taugen die beiden einzigen Angreifer im Kader nicht als Abnehmer. Die naheliegende Lösung aus dem eigenen Kader, der junge Schwede Alexander Isak, wurde trotz guter Leistungen während seiner Leihe zu Willem II Tilburg (16 Spiele, 13 Tore) verkauft. Nicht alle beim BVB waren von seinen Qualitäten überzeugt. Er spielt nun in der Primera Division bei Real Sociedad San Sebastián. Seit Wochen mal mehr, mal weniger intensiv gehandelt wird Patrick Schick. Der Tscheche ist bei der AS Rom unzufrieden. Auch im Verteiler: Musa Barrow, ein 20 Jahre alter Gambier von Atalanta Bergamo.

Was sagt der Experte?

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Ottmar Hitzfeld sagt: "Ich bin überzeugt davon, dass Lucien Favre mit seinem goldenen Händchen, das er oft bewiesen hat, sicherlich die richtige Mischung und auch die richtige Rotation in der nächsten Saison finden wird."

(Foto: imago/Xinhua)

"Man kann schon sagen, dass Borussia Dortmund unglaublich stark ist, nicht nur die erste Elf, sondern der gesamte Kader", sagt Trainerlegende Ottmar Hitzfeld im Interview mit n-tv. "Man hat unglaublich viele Alternativen. Letzte Saison wurde es Dortmund auch zum Verhängnis, dass man keine guten oder gar überragenden Ersatzspieler hatte." Hitzfeld, von 1991 bis 1997 für den BVB sportlich verantwortlich, findet aber auch: "Auf der anderen Seite ist es nicht so einfach, 18 Topspieler bei Laune zu halten. Ich bin überzeugt davon, dass Lucien Favre mit seinem goldenen Händchen, das er oft bewiesen hat, sicherlich die richtige Mischung und die richtige Rotation in der nächsten Saison finden wird." Das Meisterduell ist für Hitzfeld, der auch den FC Bayern zweimal coachte, offen. Mit allerdings leichten Vorteilen für die Münchener: "Dortmund ist fast auf Augenhöhe mit dem FC Bayern, aber das müssen sie dann erst noch mit der deutschen Meisterschaft beweisen."

Wie lautet das Saisonziel?

Deutscher Meister.

Die n-tv.de-Prognose

Deutscher Meister. Und verspätete Einweihungs-Party mit "Hoppy". Benannt ist das geflügelte Nashorn übrigens nach Dieter Kurrat. Kurrat spielte von 1960 bis 1974 im Mittelfeld des BVB. 1974 war er sogar kurzfristig Trainer. 2017 starb Kurrat.

Quelle: n-tv.de