Fußball

Mega-Transfers? Mega-Talente! Die Bayern-Zukunft heißt auch Alphonso

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Alphonso Davies hatte die Wahl zwischen den europäischen Topvereinen - und entschied sich für den FC Bayern.

(Foto: dpa)

Toptalente sollen kommen, routinierte Topstars wie Jérôme Boateng und Arturo Vidal gehen: Der FC Bayern richtet seine Personalpolitik neu aus und verjüngt sein Team radikal. Symbol der Strategie: Der 17-jährige Alphonso Davies, der knapp 20 Millionen kosten könnte.

Es war offensichtlich ein hartes Stück Arbeit für die Strategen des FC Bayern. Dann aber konnte Karl-Heinz Rummenigge berichten: "Er hat unterschrieben." Auch Hasan Salihamidzic klang erleichtert, als er betonte, er wolle mal danke sagen an alle, "die an diesem Transfer mitgearbeitet haben: Das war hervorragendes Teamwork". Der Fußball-Rekordmeister, da besteht kein Zweifel, ist verdammt stolz, dass er den 17 Jahre alten Alphonso Davies unter Vertrag genommen hat.

Die Münchner versuchen gerade mit einer bemerkenswerten Wucht, ihren Kader zu erneuern und dabei zu verjüngen. Jérôme Boateng und Arturo Vidal stehen zum Verkauf, womöglich auch Thiago und Juan Bernat. Franck Ribéry und Arjen Robben gehen in ihre wohl letzte Saison beim FC Bayern. Im Kader stehen schon Nachfolger wie Kingsley Coman und Serge Gnabry, der Wechsel von Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart ist offenbar nur eine Frage der Zeit. Nun also Davies, ein junger Mann aus Kanada.

Mit 14 Nachwuchskickern auf US-Tour

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Für Bayerns Neu-Trainer Niko Kovac steht die US-Tour unter dem Motto Jugend forscht.

(Foto: USA TODAY Sports)

Davies, geboren in Liberia, aufgewachsen als Flüchtlingskind zunächst in Ghana, dann in Edmonton, kommt für eine fixe Ablöse von umgerechnet 11,5 Millionen Euro von den Vancouver Whitecaps aus der nordamerikanischen Profiliga MLS. Durch erfolgsabhängige Zahlungen kann sich die Summe auf 19,3 Millionen Euro erhöhen. Davies wird die Saison in Vancouver beenden, dann im Januar an die Säbener Straße kommen. Der dann 18-Jährige soll bei den Profis trainieren und zunächst bei der U23 spielen.

Für die Münchner ist Davies nun eine Art Aushängeschild. Der Beweis, dass sie es ernst meinen mit ihrem Vorhaben, den Mega-Millionen-Transfers mit dem Aufspüren und Entwickeln junger und vielversprechender Spieler entgegenzuwirken. Zum Kader ihrer derzeitigen US-Reisegruppe, die gerade in Philadelphia 0:2 gegen Juventus Turin verlor, gehören 14 Nachwuchsspieler, darunter der luxemburgische Junioren-Nationalspieler Ryan Johansson oder das Eigengewächs Oliver Batista Meier. Beide sind Jahrgang 2001.

Mit jungen, vielversprechenden Spielern haben sie beim FC Bayern nicht immer richtig gelegen. Der Däne Pierre-Emile Höjbjerg etwa kam als 16-Jähriger, konnte sich aber nie durchsetzen. Als 21-Jähriger wurde er zum FC Southampton verkauft, immerhin für eine Ablöse von 15 Millionen Euro. Der neue Trainer Niko Kovac versucht gerade, den bislang 35 Millionen Euro teuren Renato Sanches nach zwei verlorenen Jahren doch noch in die Spur zu bringen. Es gibt freilich auch erfolgreiche Gegenbeispiele wie Joshua Kimmich oder Kingsley Coman.

Toptalent ohne Limit

Und es gibt Owen Hargreaves. Auch den holten die Münchner einst aus Kanada, als 16-Jährigen, von den Calgary Foothills. Er half unter anderem mit beim Gewinn der Champions League 2001. Diese Vorgeschichte, glaubt Whitecaps-Präsident Bob Lenarduzzi, habe beim Transfer von Davies nun womöglich eine Rolle gespielt, in erster Linie aber sei natürlich "Alphonso selbst der wichtigste Grund: Wenn man sich seinen Aufstieg anschaut ...". Er könne kein Limit für Davies erkennen, sagt Lenarduzzi.

Bei den Whitecaps schien es ihnen wichtig gewesen zu sein, zu wissen, wo der auch von Paris St. Germain, vom FC Liverpool oder Real Madrid umworbene Davies landet und was sein neuer Klub mit ihm plant. "Es geht um mehr als ums Geld, wir hatten das Gefühl, dass Bayern München fantastisch zu uns und dem Spieler passt", sagte Lenarduzzi. Der Plan, den der FC Bayern für ihn habe, "hat mir die Augen geöffnet, sie haben mir alles sehr gut erklärt", berichtet Davies.

Quelle: n-tv.de, Thomas Häberlein, sid

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