Fußball

Nordirland löst erstmals EM-Ticket Die "Green and White Army" lebt ihren Traum

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Durchaus erfreut: Nordirlands Fans feiern den Sieg gegen Griechenland.

(Foto: REUTERS)

Mit dem Sieg gegen Griechenland gelingt der nordirischen Nationalelf Historisches: Erstmals sichert sie sich die Teilnahme an einer EM. Bei dem Turnier in Frankreich will die "Green and White Army" dann ihr Fußballmärchen fortsetzen.

Die Modernisierungsarbeiten im altehrwürdigen Windsor Park zu Belfast sind noch nicht vollständig abgeschlossen, doch im Nationalstadion der nordirischen Fußball-Nationalmannschaft wurde bereits jetzt eine neue Zeitrechnung eingeläutet. Durch Tore von Steven Davis (35., 58.) und Josh Magennis (49.) besiegte das Team von Trainer Michael O’Neill am Donnerstagabend den Ex-Europameister Griechenland vor 11.700 frenetischen Zuschauern mit 3:1 (1:0) und löste somit vorzeitig das Ticket für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

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Komm' in meine Arme: Trainer Michael O'Neill feiert mit Josh Magennis das zweite Tor der Nordiren.

(Foto: REUTERS)

Mit dem sechsten Sieg in neun Spielen bauten die Nordiren ihre Führung in der Gruppe F weiter aus. Die einzige Mannschaft, die diese Führung am verbleibenden Qualifikationsspieltag rechnerisch noch gefährden könnte, ist Rumänien. Doch bei allen Rechenspielen ist "Norn Iron" der Startplatz in Frankreich nicht mehr zu nehmen, da sich auch der Gruppenzweite direkt für die Endrunde qualifiziert.

Somit steht exakt 246 Tage vor dem Eröffnungsspiel im Stade de France in Saint-Denis fest: Zum ersten Mal in der Geschichte des nordirischen Fußballverbands (Ifa) wird die "Green and White Army", wie sie von ihren Fans genannt wird, an einer Europameisterschaft teilnehmen. Für das kleine Land, das allzu oft im Schatten der "Three Lions" aus England, der "Bravehearts" aus Schottland und schließlich der "Boys in Green" aus dem Süden der irischen Insel steht, ist es der größte Triumph nach den WM-Teilnahmen 1958, 1982 und 1986. Es ist ein Erfolg, der nicht einmal Nordirlands legendärem Mittelfeldgenie George Best vergönnt war.

"Dare to dream"

Vater des jüngsten Erfolgs ist Trainer Michael O'Neill. Der 45-Jährige, der zu seiner aktiven Zeit unter anderem für Newcastle United kickte, betreut die nordirische Nationalmannschaft seit 2011. Nachdem die Qualifikation für die letztjährige Weltmeisterschaft in Brasilien mit nur sieben Punkten aus zehn Spielen klar verfehlt wurde, konnte O'Neill nun die Weichen auf Erfolg stellen. Wohlwissend um die limitierte Qualität seines Kaders war er jedoch stets um Understatement bemüht: "Wir haben nicht genug Spieler, um ganz oben zu spielen", meinte er etwa zu Beginn der Qualifikationssaison.

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Torgarant des nordirischen Nationalteams: Der 27-jährige Kyle Lafferty.

(Foto: REUTERS)

Nichtsdestotrotz wollte man sich den vermeintlichen Favoriten Ungarn, Rumänien und Ex-Europameister Griechenland nicht kampflos ergeben. Die Ifa rief das Motto "Dare to dream" (es wagen, zu träumen) aus und die "Ulstermen" spielten sich in einen Rausch, der nur einmal unterbrochen wurde, als es gegen Rumänien ging. Trotz einer 0:2-Niederlage in Bukarest haben O'Neill und seine Männer nie aufgehört, den großen Traum zu leben. Den Beweis lieferten sie zuletzt beim Heimspiel gegen Ungarn, als Kyle Lafferty einen späten 0:1-Rückstand der dezimierten "Norn Iron" egalisierte - und das Tor nach Frankreich weit öffnete.

Überhaupt ist es Kyle Lafferty, der neben Trainer O’Neill entscheidenden Anteil an Nordirlands Einzug in die Runde der 24 besten Nationalmannschaften Europas hat. Der 27-Jährige, der gegen Griechenland eine Gelbsperre absitzen musste, traf in acht Spielen siebenmal und macht dafür wiederum O’Neill verantwortlich: "Dank Michael glaube ich wieder an mich selbst", so der Stürmer, der beim englischen Premier-League-Klub Norwich City in dieser Saison bisher nur zu einem 13-minütigen Einsatz kam.

DFB-Konkurrent um WM-Platz

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Patrick "Paddy" McNair von Manchester United gilt als eines der größten nordirischen Nachwuchstalente.

(Foto: REUTERS)

Wie Lafferty verdienen auch die anderen Spieler des aktuellen nordirischen Aufgebots ihr Geld als Legionäre - fast alle kicken auf der englischen Nachbarinsel. Noch ist Kapitän Steven Davis der Topverdiener, doch schon bald könnte der Mittelfeldspieler vom FC Southampton von Patrick "Paddy" McNair abgelöst werden. Der 20-Jährige spielt zusammen mit Bastian Schweinsteiger bei Manchester United - und gilt als eines der größten Abwehrtalente des Klubs. Trainer Louis van Gaal behauptete jüngst sogar, dass McNair die Position des rechten Außenverteidigers bei ManU für die nächsten zehn Jahre einnehmen könnte.

Doch trotz eines Lafferty, Steven Davis oder McNair ist - verzeihen Sie die Phrase - die Mannschaft der eigentliche Star bei Nordirland. Unter Michael O'Neill wuchs das Team aus jungen sowie erfahrenen Spielern über sich hinaus und trotzte mit bedingungslosem Kampf den Vorhersagen der Buchmacher - und der aktuellen politischen Situation. Weil alte Gräben aus dem Nordirlandkonflikt wieder aufzubrechen drohen, befindet sich das Land derzeit in einer der größten politischen Krisen seit dem Friedensschluss durch das Karfreitagsabkommen. Dessen ist sich O'Neill bewusst: "Eine nordirische Mannschaft zu haben, die stark und erfolgreich ist, hilft der Identität. Und das ist meiner Meinung nach sehr, sehr wichtig."

Mittlerweile hat sich bei der nordirischen Nationalmannschaft ebenjener Erfolg eingestellt. Dies sollte auch für die DFB-Elf Grund genug sein, Lafferty & Co. im Auge zu behalten, denn der Weltmeister kämpft im Herbst 2016 gegen die Auswahl von Michael O'Neill um einen Platz bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Zuvor jedoch kann die "Green and White Army" vom großen Coup in Frankreich träumen.

Quelle: n-tv.de