Fußball

Drittklassiger Überlebenskampf Die Pleiteliga von Effenberg, Magath und Co.

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Stefan Effenberg will mit dem KFC Uerdingen so schnell wie möglich raus aus der 3. Liga.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zum Start in die Rückrunde wartet die dritte Fußball-Liga mit großen Namen auf. Auch auf einen Rekordumsatz kann sie zurückblicken. Doch hinter dieser Fassade tobt ein verzweifelter Existenzkampf, dem die Klubs so schnell wie möglich entfliehen wollen - am besten mit einem Aufstieg.

Die Zuschauerzahlen steigen kontinuierlich, alle Fußballspiele laufen live im Fernsehen und zur prominenten Besetzung gehören einstige Weltmeister, Europacup-Sieger und deutsche Meister. Auf den ersten Blick erscheint die dritte Liga ein echtes Erfolgsmodell zu sein. Das sehen die meisten Vereine allerdings anders. Für sie heißt vor dem Auftakt nach der Winterpause an diesem Freitag das Motto: Nichts wie raus!

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Drittklassig: Felix Magath.

(Foto: imago images/HMB-Media)

Bis zu den künftig vom früheren Meister-Trainer Felix Magath unterstützen Würzburger Kickers auf Platz 13 hoffen angesichts der engen Tabellen-Konstellation mehr als ein Dutzend Teams auf den Aufstieg. Dabei ist es nicht nur der sportliche Ehrgeiz, der alle treibt. Sondern vor allem die finanzielle Sorge. In der dritten Liga müsse jeder Verein "jeden Tag ums Überleben kämpfen", sagte Ex-Nationalspieler Manfred Schwabl. Der Präsident der SpVgg Unterhaching fordert schon seit einer Weile die Eingliederung der dritten Profiliga unter das Dach der Deutschen Fußball Liga.

Die DFL nimmt auch Ingo Wald, Präsident des Herbstmeisters MSV Duisburg, in die Pflicht, wenn er eine baldige Umverteilung des TV-Geldes fordert. "Ich glaube, DFL und DFB sind gut beraten, Lösungen zu finden, mit der sich die wirtschaftliche Diskrepanz zwischen den Ligen nicht so etabliert." Der MSV könne in dieser Liga auf Dauer kaum überleben. Dies ist zum einen sicher ein "Systemfehler", wie der Unterhachinger Schwabl moniert.

Wettrüsten der Vereine

Der Unterschied beim TV-Gelde nach einem Abstieg betrage mindestens acht Millionen Euro, rechnet MSV-Präsident Wald vor: "Bei Vereinen, die längere Zeit in der zweiten Liga gespielt haben, ist die Differenz noch deutlich größer." So schnell kämen die Vereine aber nur schwerlich von ihrem Kosten-Niveau der zeiten Liga herunter, sagte Wald. Um dieser Kostenfalle zu entgehen, stürzen sich viele Vereine ins Risiko - und übernehmen sich. Der DFB monierte schon einmal ein "gegenseitiges Wettrüsten" der Vereine.

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Laut DFB-Finanzbericht wird für die Saison 2018/2019 ein durchschnittlicher Fehlbetrag von mehr als 1,5 Millionen Euro verbucht werden - das ist mehr als das Fernsehgeld von 1,28 Millionen pro Saison. "Dieser deutlich negative Rekordwert wird jedoch stark durch einzelne Klubs beeinflusst", schreibt der DFB. Insgesamt hatten die 20 Vereine zum Stichtag am 31. Dezember 2018 zusammen 113 Millionen Euro Schulden angehäuft. Alleine in den vergangenen drei Jahren stellten vier Drittligisten den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Große Namen und hohe Verbindlichkeiten

Große Nöte haben auch die früheren deutschen Meister Eintracht Braunschweig und 1. FC Kaiserslautern. Die Braunschweiger hatten bei ihrem überraschenden Zweitliga-Abstieg 2018 keine Schulden und ein Eigenkapital von 7,6 Millionen Euro. Nach nur einem Jahr in der dritten Liga ist ein Teil davon schon aufgezehrt. In der vergangenen Saison machte die Eintracht 4,4 Millionen Euro Minus. "Und dieser Millionenverlust ist dank der harten und teilweise auch sehr schmerzhaften Sparmaßnahmen deutlich geringer ausgefallen als zunächst befürchtet", sagte Präsident Sebastian Ebel. So lösten die Braunschweiger ihre Scouting-Abteilung auf und stuften die zweite Mannschaft in die Landesliga zurück. Fast alles Geld geht an die Profis, damit die in die zweite Liga aufsteigen.

Als Vierter belegen die Niedersachsen nach 20 Spieltagen ebenso wenig einen Aufstiegsplatz wie die Lauterer auf Platz neun. Einen Rang vor den Pfälzern liegt noch der KFC Uerdingen, wo seit 2018 der Rio-Weltmeister Kevin Großkreuz unter Vertrag steht und Champions-League-Sieger Stefan Effenberg seit Oktober als Sportdirektor tätig ist.

Der FCK scheint sich mit dem neuen Aufsichtsrat um Ex-Weltschiedsrichter Markus Merk endlich professioneller aufzustellen und legte sportlich in 2019 einen starken Schlussspurt hin. Dennoch ist es ein ständiger Tanz auf der Rasierklinge. Die Lizenz für diese Spielzeit wurde nur durch die Aufnahme von Fremdkapital in Höhe von zwölf Millionen Euro gesichert, die Verbindlichkeiten betragen fast 25 Millionen Euro. Das Saison-Minus dürfte sich wie im Vorjahr auf mindestens fünf Millionen belaufen.

Rostocks Trainer Jens Härtel schlug derweil einen "Boxing Day" vor. Durch das Durchspielen im Winter hätte die Liga ein Alleinstellungsmerkmal. "Interessant" nennt Wald die Idee. Die zuständige DFB-Direktorin Heike Ullrich sagte dem "Kicker", das sei "eine Diskussion wert. Wir sind für alle Themen und Anregungen offen, die dazu beitragen können, die dritte Liga noch attraktiver zu gestalten." Damit diese nicht nur auf den ersten Blick ein Erfolgsmodell ist.

 

Beim Blick auf die Neuverpflichtungen zur Rückrunde fällt auf, dass mehrere prominente Fußball-Persönlichkeiten in die dritte Liga gewechselt sind - allerdings nicht als Spieler. Stefan Effenberg ist seit Oktober Sportdirektor beim KFC Uerdingen, Markus Merk sitzt seit Dezember im Aufsichtsrat des 1. FC Kaiserslautern und vor wenigen Tagen ist Felix Magath bei den Würzburger Kickers als Funktionär eingestiegen. Für das Geschehen auf dem Rasen haben die 20 Klubs in diesem Winter bislang insgesamt 47 Transfers (25 Zu- und 22 Abgänge) getätigt.

Quelle: ntv.de, Holger Schmidt, dpa