Fußball

Buli-Vorschau: Gallier und Chaos Droht Schalke 04 die nächste Horror-Saison?

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Schalke-Coach David Wagner steht vor einer Mammutaufgabe.

(Foto: imago images/RHR-Foto)

Quo vadis, FC Schalke 04? Der Revierklub muss seine letzte Katastrophen-Rückrunde vergessen machen, aber droht, vom Abstiegsstrudel erwischt zu werden. Auch der SC Freiburg und der FC Köln wissen nicht genau wohin. Union Berlin will sich mit Max Kruse etablieren.

Schalke 04

Diese Zahlen muss man sich noch einmal vor Augen halten: 16 Spiele ohne Sieg, Platz 17 in der Rückrundentabelle mit einem Punkt Vorsprung auf den Absteiger aus Paderborn, neun Treffer in 17 Partien (selbst Paderborn erzielte 8 mehr) und 37 Gegentore. Die Rückserie des FC Schalke 04 war eine historisch schlechte - aber der Revierklub machte fröhlich weiter mit den Hiobsbotschaften für seine Fans: Peinliche Testspielpleiten, Corona-Infizierte im Trainingslager, Testspiel-Absage wegen Spieler-Mangel.

Schalkes Chefcoach David Wagner warnte: "Wir haben mit der Spitze nichts mehr zu tun." Damit wird er recht behalten - und sollte seinen Blick lieber nach ganz unten richten. Kevin Kuranyi urteilte sogar, dass der Verein einfach keine Idole mehr hätte: "Wenn ich jetzt einen Blick auf den Schalker Kader werfe, frage ich mich: Zu wem soll ein Ahmed Kutucu bitteschön aufschauen?" Zum US-Amerikaner Weston McKennie auf jeden Fall nicht mehr, denn dieser wurde zu Cristiano Ronaldo nach Turin verkauft. Zu Alexander Schwolow auch nicht: Der Torhüter, an dem Schalke interessiert war, entschied sich lieber für einen Wechsel vom SC Freiburg zu Hertha BSC. Die als Fehleinkäufe abgestempelten Nabil Bentaleb oder Sebastian Rudy wurden vor allem wegen des dünnen Kaders begnadigt und sollen wieder eine Chance erhalten. Der im vergangenen Jahr von Wagner aussortierte Mark Uth kehrte zurück - macht aber kein Hehl daraus, dass er lieber beim 1. FC Köln geblieben wäre.

Einen Neuen gibt es auf Schalke dann doch, aber der ist ein eher älterer. Vedad Ibisevic soll vorne für Tore sorgen und könnte auch die von Kuranyi geforderte Idol-Funktion ausfüllen. Mit einem Mini-Gehalt ausgestattet sagte der Stürmer: "Was ich bekommen muss, werde ich spenden. Ich spiele halt für Prämien." Ausnahmsweise mal nichts für das Chaos konnte der FC Schalke bei der Verlegung seines Erstrundenspiels im DFB-Pokal: Die absurde Klage-Posse passt aber zu dem Gemütszustand der Königsblauen, die alles tun müssen, um diese Saison nicht ganz tief in den Abstiegsstrudel zu geraten. Leicht wird das nicht.

SC Freiburg

Torhüter Schwolow ist weg, Nationalspieler Robin Koch ist weg, Stürmertalent Luca Waldschmid ist weg, Routinier Mike Frantz ist weg: Aber beim SC Freiburg ist trotzdem alles wie immer. Mit vielen jungen Wilden will Trainer Christian Streich mit seinem "kleinen" Klub die "großen" Konkurrenten ärgern. Eine Art Gallisches Dorf. In der vergangenen Saison funktionierte das so gut, dass die Breisgauer Gallier beinahe in den Europapokal einzogen. Ein mickriges Pünktchen fehlte. Aber auch in diesem Jahr trauen viele den Freiburgern wieder wenig zu - oder gar den Abstieg. Aber Streich wird seine Ärger-Pläne jetzt schon bereitliegen haben.

Und das ist gut so, denn Freiburg tickt, wie immer, erfrischend anders und das ist wichtig für die Bundesliga. Rekordtorschütze Nils Petersen äußerte sich jüngst kritisch gegenüber der Gehaltsstruktur im Profifußball: "Wenn ich meine Freundin, die als Justizangestellte arbeitet, im Büro besuche und sehe, was sie leistet und was sie im Vergleich zu mir verdient, dann ist diese Schere mehr als grenzwertig", sagte er. "Über gewisse Auswüchse sollte man sich schon Gedanken machen." Streich hatte Ende August die jüngste Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt in den USA gelobt. Es sei "unabdingbar", dass Profisportler politisch seien, sagte er im SWR-Interview. So sprechen aufständische Gallier. Von solchen Aussagen können sie sich in München, Dortmund und Leipzig ruhig mal eine Scheibe abschneiden. Sportlich kann Freiburg mit den drei großen Klubs zwar nicht ganz mithalten, aber zwischen dem letzten Europapokalplatz und Rang 13 ist alles möglich.

1. FC Köln

Ein Stürmer (Jhon Córdoba) geht nach Berlin, ein anderer Angreifer kommt aus der Hauptstadt (Sebastian Andersson). Der 29-jährige Schwede kommt allerdings von Union, während Córdoba von nun an für die Hertha auf Torejagd geht. Auch ein Zehner aus Berlin verstärkte jetzt den Effzeh: Ondrej Duda von Hertha BSC soll den zu Schalke zurückgekehrten Marc Uth ersetzen. "Ondrej ist ein klassischer Zehner, der das Spiel unfassbar schnell machen kann, einen guten Überblick hat, und seine Standards sind eine Waffe", lobte Sportchef Horst Heldt schon mal vorsorglich.

Ziemlich verrückt ist die Wechsel-Situation um den Griechen Dimitrios Limnios von Paok Saloniki, mit dem sich die Kölner längst einig sind. Aufgrund eines positiven Corona-Tests durfte der 22-Jährige seine Heimat bisher nicht verlassen. Dann hieß es auf einmal, sein Test sei negativ gewesen, einer am Tag danach aber wieder positiv, verriet Heldt: "Das ist für mich nicht nachvollziehbar. Der positive Test wird nun nochmal überprüft. Ich hoffe, dass das der falsche war." Letzter Stand: Limnios kommt laut Heldt am Montag nach Köln. Der Effzeh wird mit oder ohne Limnios eine gut verstärkte Mannschaft auf den Platz bringen - für viel mehr als die letztjährige Platzierung (Rang 14) wird es aber nicht reichen.

Union Berlin

Zwar schmerzt der Andersson-Abgang die Berliner sehr, schließlich erzielte der Schwede in der vergangenen Saison zwölf der 41 Unioner Treffer. Allerdings schafften es die Köpenicker, mit Max Kruse einen weiteren Torgaranten und echten Coup zu landen. Viele sahen den Offensivkünstler schon bei seinem Ex-Klub Werder Bremen, dann folgte die Überraschung: "Ich bin glücklich, wieder in der Bundesliga zu spielen und mit Union einen coolen neuen Verein kennenzulernen", sagte Kruse. Bremen war ihm nicht hip genug. Er wollte in die Hauptstadt, wo mehr Halligalli ist, um es "den Leuten in Deutschland einfach noch mal zeigen", wie er dem "Berliner Kurier" nun verriet.

Für Union bedeutete der Wechsel auch, den Konkurrenten zu zeigen, dass man nun ein ernstzunehmendes Liga-Mitglied ist. Eines, das nicht gewillt ist, sich bald wieder in eine tiefere Spielklasse zu verabschieden. Eines, das ähnlich wie die Freiburger zum nächsten Gallischen Dorf aufsteigen will. Der Bundesliga-Neuling der Vorsaison will unbedingt wieder nichts mit dem Abstieg zu tun haben - mit Kruse als Führungsperson, als offensiver Kreativgeist, könnte das durchaus funktionieren. Mit U21-Nationalspieler Nico Schlotterbeck vom SC Freiburg, Torwart Andreas Luthe aus Augsburg und dem ehemaligen Wolfsburger Robin Knoche bauten sich die Köpenicker einen schlagkräftigen Mix aus jung und erfahren auf. Alles über Platz 16 ist trotzdem ein Erfolg.

Quelle: ntv.de