Fußball

6500 Tote seit der WM-Vergabe Druck auf Katar soll durch FIFA steigen

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Wegschauen ist keine geeignete Lösung.

(Foto: imago/MIS)

Gianni Infantino als Wächter über die Menschenrechte? Ganz so weit soll es nicht kommen, aber: Der FIFA-Präsident wird dazu aufgerufen, den Druck auf WM-Gastgeber 2022 hochzuhalten. Denn die Aufmerksamkeit sorge für Fortschritte. Ausbeutung gehört aber weiter zum Alltag der Gastarbeiter.

Amnesty International hat den Fußball-Weltverband FIFA aufgefordert, mehr Druck auf den kommenden WM-Gastgeber Katar auszuüben, um die Bedingungen für die Arbeiter in dem Golfstaat zu verbessern. "Katar hat in den letzten Jahren eine Reihe positiver Reformen durchgeführt, zum Teil als Reaktion auf die verstärkte Kontrolle nach der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft", hieß es in einer Erklärung der Menschenrechtsorganisation, "aber zu oft werden diese nicht richtig umgesetzt. Tausende von Arbeitsmigranten werden weiterhin ausgebeutet und missbraucht."

Amnesty International kritisierte, dass die Vorschläge, die von Katars beratendem Shura-Rat debattiert würden, "einen Großteil des Fortschritts, den die Reformen gebracht haben, wieder zunichtemachen, unter anderem durch die erneute Einschränkung der Rechte, den Arbeitsplatz zu wechseln und das Land zu verlassen". Die vorgeschlagenen Änderungen bedürfen allerdings der Zustimmung der Regierung. Offizielle Quellen in Doha haben der französischen Nachrichtenagentur AFP mitgeteilt, dass diese nicht akzeptiert werden sollen.

FIFA-Präsident Gianni Infantino rief zuletzt zu Fairness bei der Beurteilung der Menschenrechtslage in Katar auf. Amnesty International legte Infantino nahe, eine "unabhängige und regelmäßige" Überwachung aller Baustellen und Projekte für 2022 einzuführen, um Rechtsverletzungen aufzudecken und zu verhindern. "Die FIFA hat die Möglichkeit, dazu beizutragen, Katar zu einem besseren Ort für Wanderarbeiter zu machen", hieß es in dem Statement.

Am Samstag trat ein Mindestlohn von 275 Dollar pro Monat (umgerechnet 230 Euro) für alle Arbeiter in Katar in Kraft, was von der Regierung in Doha als einmalig in der Region angepriesen wurde. Das Arbeitsministerium erklärte, die Maßnahmen würden "Investitionen in die lokale Wirtschaft ankurbeln und das Wirtschaftswachstum vorantreiben".

In der Vergangenheit stand Katar vor allem wegen des Kafala-Systems, das moderner Sklaverei gleichkomme, und aufgrund der vielen Todesfälle beim Bau der Stadien international in der Kritik. Laut einer Recherche der renommierten britischen Zeitung "Guardian" starben seit der Vergabe des Turniers vor mehr als zehn Jahren an den Persischen Golf etwa 6500 Gastarbeiter aus Indien, Pakistan, Nepal, Bangladesch und Sri Lanka auf WM-Baustellen.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

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